Dass aus der Initiative „Linz gestalten-Leben in der Altstadt“ geborene Projekt, feierte am Samstag in der Mittelstraße Vollzug
Der „Linzer Salon“ bietet Bürger der Stadt als Ort der Begegnung Räumlichkeiten an
Linz. Nach der Sanierung der Linzer Mariensäule auf dem Marktplatz wurde am Samstag voriger Woche ein zweites Projekt der Bürger-Initiative „Linz gestalten - Leben in der Altstadt“ erfolgreich umgesetzt. „Wir haben schon vor zwei Jahren begonnen Räumlichkeiten für Bürger zu suchen, in denen sich Linzer Bürger zu unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten und kulturellen Unternehmungen treffen sowie Versammlungen abhalten können, denn im Moltigebäude ist dies ja nicht mehr möglich und im Linzer Kommunikationszentrum ebenfalls nicht,“ erinnerte Uschi Büsch am Samstag in den neuen Räumen des „Linzer Salons“. Die Gruppe zu der auch mit Gertrud Stahl sowie das Ehepaar Anja und Günter Birrenbach gehören, hätte zwar gerne Räumlichkeiten mit einem großen Schaufenster bekommen, um in diesem die ausgeübten Aktivitäten deutlich sichtbar nach außen präsentieren zu können. „Aber wenn wir solche einmal gefunden haben, dann war die Miete einfach unerschwinglich“, so die Linzer Altstadt-Aktivistin. Dann habe man aber gehört, dass auch der Seniorenbeirat auf Immobiliensuche sei, um nach Ohlenberg und Leubsdorf auch in der Linzer Innenstadt ein Gemeindecafé einzurichten. „Wir haben uns zusammengetan und dann hat uns die Sparkasse Neuwied angeboten, mietfrei für ein Jahr die Räumlichkeiten in der ersten Etage hier in der Mittelstraße zu beziehen“, erinnerte Uschi Büsch. Daraufhin habe der Stadtrat beschlossen, im ersten Jahr die Nebenkosten zu übernehmen. „Das bedeutet, dass wir uns mit dem Gemeindecafé nur die Strom- und Telefonkosten den Einträgen in ein Nutzerbuch entsprechend teilen müssen“, ergänzte Gertrud Stahl kurz vor der Eröffnung des „Linzer Salons“.
„Sahara-Salon“
Da wurde im „Sahara-Salon“ neben der komplett eingerichteten, quasi unbenutzten Einbauküche aus dem Nachlass einer älteren Bürgerin schon eifrig gearbeitet. Die Handarbeits- und Kreativgruppe stellte dort ihre Strickkappen, -schals und -pullover, Handtaschen und Kissen aus, während im großen, rund 30 Personen Platz bietenden Foyer auch Uschi Büschs Kerzenkreationen gegen eine kleine Spende erworben werden konnte. „Diese Gruppe ist die Erste, die sich im Linzer Salon zu festen Zeiten jeden 2. und 4. Dienstag im Monat hier trifft. Außerdem planen drei Schülerinnen des Martinus-Gymnasiums im ‚Linzer Salon‘ eine Ausleihbücherei auszumachen“, berichtete Büsch, während immer mehr Gratulanten eintrafen. In so genannten „Blauen Salon“ sollen wie schon Foyer Bücherregale aufgebaut werden, während davor bereits ein Sofa zum schmöckern einlädt. „Fest steht, dass unsere Bücherei für Erwachsene am Sonntagvormittag geöffnet sein wird, weil da die meisten Leute Zeit haben. Über den zweiten Termin haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, so Nachwuchs-Bibliothekarin Annalena, die ihren Freundinnen Hanna und Florentina zur Seite steht.
Generell feste Öffnungszeiten wird es im „Linzer Salon“ nicht geben. „Wir überlassen Interessengruppen, Einzelpersonen und Vereinen die Räumlichkeiten zu festen Terminen wie auch für einzelne Veranstaltungen, die sich bei mir oder bei der Familie Birrenbach einen der beiden Schlüssel abholen können“, erklärte Uschi Brühl. Angedacht sei zwar, einen Lese- einen Literaturzirkel einzurichten sowie ein Singkreis zu gründen, das aber sei noch nicht spruchreif. „Wir würden vor allem einen Austausch der Kulturen hier im ‚Linzer Salon‘ als einem Ort der Begegnungen begrüßen, was uns angesichts der beängstigenden Abschottungsforderungen gegenüber Andersgläubigen mehr als notwendig erscheint. Ein Austausch der Generationen hat bei uns mit jungen Bibliothekarinnen ja schon begonnen“, freute sich Gertrud Stahl, während Anja Birrenbach einem Besucher gerade die voll gestopfte „Vorratshöhle“ neben dem „Blauen Salon“ zeigte.
Stadtbürgermeister ist begeistert von diesem Projekt
„Es ist unheimlich schön, dass sich zur Zeit auch höchst erfreuliche Dinge in Linz ereignen“, eröffnet Stadtbürgermeister Hans Georg Faust, der gerade vom Erdrutsch am Kaiserberg im „Linzer Salon“ eingetroffen war. Dieser sei wie seine Vorläufer, die im Berlin des 18./19. Jahrhunderts das politische wie das kulturell-geistige Leben vorangebracht hätten, vorwiegend weiblich besetzt, wenn man von Günter Birrenbach einmal absieht. Der Dank des Stadtchefs galt der Sparkasse für deren großzügiges Angebot und den Mandatsträgern für die kluge Entscheidung, die Nebenkosten zu erlassen. „Auch wenn das alles auf ein Jahr begrenzt ist, ich kann mir nicht vorstellen, dass der ‚Linzer Salon‘ in zwölf Monaten schon wieder seine Pforten schließen muss“, zeigte sich Hans Georg Faust seht zuversichtlich, dass die Räumlichkeiten auch darüber hinaus für Veranstaltungen vielfältiger Art genutzt werde.
Das hoffte natürlich auch der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Dieter Lehmann, die mit ihrem Zehn-Punkte-Programm vor Jahren schon den Startschuss für die Bürgerinitiative „Linz gestalten - Leben in der Altstadt“ gegeben hatte. „Die hat jetzt endlich Fahrt aufgenommen, nachdem am Anfang viele Anstrengungen ins Leere gelaufen sind“, freute er sich. Ein wesentlicher Punkt des Programms sei gerade ein Ort der Begegnungen gewesen, der mit der Bezeichnung „Linzer Salon“ einen wunderbaren Namen bekommen habe, weil aus diesen klar hervorgehe, dass es dort vorwiegend um Kommunikation gehe. „Ich wünsche diesen Räumlichkeiten, die idealer Weise mitten in der Stadt liegen mit Blick auf die Mittelstraße, die Lebendigkeit, wie Sie sich das hier vorstellen“, wandte er sich an die „Vierer-Bande“ um Uschi Büsch, bevor die Eröffnung ausgiebig gefeiert wurde. Kontakt aufnehmen kann man mit dieser unter Tel. (01 73) 7 04 17 47 (Büsch) oder unter Tel. (01 60) 90 70 79 85 (Birrenbach) sowie per E-Mail: LinzerSalon@web.de.
Vor den Regalen im Foyer begrüßte die Vierer-Bande mit den Bibliothekarinnen Annalena und Hannah die Eröffnungsbesucher.
