Gedenkfeier in Linz zum 77. Jahrestag der Reichspogromnacht
„Die Opfer sind ein Teil von uns“
Deutsch-Israelischer Freundeskreis bedauerte die geringe Resonanz der Bürger
Linz. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland!“ Diese berühmten Zeilen stammen aus der „Todesfuge“ von Paul Celan. Vorgetragen wurde das Gedicht von Bruno Hoppen, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) am Ende der kleinen Gedenkfeier. Eingeladen zu dieser an die Gedenktafel auf dem Sigmund-Wolf-Platz hatte die Vorsitzende Ellen Demuth.
„In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, also auf den Tag genau vor 77 Jahren sind während der Reichspogromnacht, die früher mit der eher verharmlosenden Bezeichnung Reichskristallnacht bezeichnet wurde, auch in Linz Häuser jüdischer Mitbürger dem nationalsozialistischen Mob zum Opfer gefallen“, erinnerte Demuth die Anwesenden.
Deutliche antisemitische Tendenzen und Ausschreitungen hatten sich jedoch bereits vor der systematischen Judenverfolgung in der Stadt bemerkbar gemacht, so etwa als 1920 die Außenwand der Linzer Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert worden war. Spätestens nach der Anwendung der Nürnberger Gesetze ab April 1933 handelte die Mehrheit der Linzer Bevölkerung, wie nahezu überall in Deutschland, nach der Devise „Hinnehmen und wegsehen“.
So auch, als am Abend des 9. November zunächst Wohnhäuser jüdischer Bürger zum Opfer fielen. Regelrecht ausgeplündert wurde dabei ausgerechnet die Wohnung von Sigmund Wolf, obwohl sich der Arzt in der Stadt einen Namen als Wohltäter der Armen und Kranken gemacht hatte. Er emigrierte kurz nach dem Novemberpogrom, 1939 lebten in Linz nur noch etwa 20 vorwiegend ältere Juden, die von der Gestapo in einer Art Vorinternierung in zwei „Judenhäusern“ zusammengelegt wurden, bevor sie nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert wurden. Zurückgekommen ist keiner von ihnen.
„Solange wir leben, werden auch sie leben, denn sie sind ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern“, zitierte die DIF-Vorsitzende zu Beginn der Gedenkfeier das Ende eines jüdischen Gebets, bevor sie mit Bruno Hoppen zwei Leuchten vor der Gedenktafel an der ehemaligen Servitessen-Klosterkirche neben das Herbstgesteck des Vereins postierte. „Es ist schade, dass so wenige Bürger unserer Einladung hierher gefolgt sind“, bedauerte Demuth. Einen Grund sieht sie darin, dass die Veranstaltung nicht wie in den Vorjahren von einer weiterführenden Schule gestaltet wurde. „Dieses Jahr war die Frist vom Ende der Herbstferien bis Anfang November so kurz, dass keine Klasse imstande war, auf die Schnelle eine Gedenkfeier an die Opfer des Holocaust zu gestaltet“, bedauerte die DIF-Vorsitzende.
