Bad Hönningen, Linz, Unkel und Waldbreitbach bewerben sich als „LEADER-Region“
Erste Vorschläge für das Projekt notiert
Bis 2020 könnten bei einem Erfolg 2,6 Millionen Euro EU-Fördermittel in die Region fließen
Rheinbreitbach. Zur öffentlichen Auftaktveranstaltung der „LILE Rhein-Wied“ hatten die Verwaltungschefs der Verbandsgemeinden Bad Hönningen, Linz, Unkel und Waldbreitbach, Michael Mahlert, Hans Günter Fischer, Karsten Fehr und Werner Grüber Mitte voriger Woche in den Bürgersaal von Rheinbreitbach eingeladen. Vorgestellt wurde das Projekt von dem Koblenzer Planungsbüro Grontmij um Marion Gutberlet und Beatrix Ollig. Erst im März hatten diese im Vettelschoßer Forum „Am Blauen See“ ehrenamtlich aktiven und interessierten Bürgern, wie sie sich einbringen wollen, um das Leben in der Region aktiv mitzugestalten, die Modelregion „AktivRegion Rhein-Wied“ vorgestellt, zu der sich Bad Hönningen Linz und Waldbreitbach im Rahmen der Zukunftsinitiative „Starke Kommunen - Starkes Land“ des rheinland-pfälzischen Innenministeriums zusammengeschlossen hatten und von Mainz bereits im Januar anerkannt worden waren. Nun wollen die drei neben Fördermitteln des Landes zusammen mit der VG Unkel als LEADER-Region (Liaison entre actions de développement de l‘économie rurale, deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) auch aus Brüssel EU-Mittel in den Nordwesten des Landkreises holen. „Ich freue mich, dass die Veranstaltung bei Vertretern aus der Politik, von Vereinen und anderen Institutionen auf so großes Interesse gestoßen ist“, begrüßte Karsten Fehr im Namen seiner drei Kollegen die überaus zahlreichen Besucher. Diesen stellte er neben seinem Kollegen aus der VG Daun aus dem Kreis Vulkan-Eifel, Werner Klöckner, dessen VG sich bereits zwei Mal erfolgreich beworben hat, auch die beiden Moderatorinnen vor. Das EU-Programm LEADER fördert verschiedenste Projekte und deren begleitete Umsetzung in ländlichen Regionen bis 2010 mit rund 2,6 Millionen Euro. Um von diesem Kuchen ein Stück abzubekommen, hatten die vier Verbandsgemeinden ihr Interesse beim Land Rheinland-Pfalz bekundet, LEADER-Region zu werden, und daraufhin eine Zusage zur finanziellen Unterstützung für eine zunächst geforderte „LILE“ erhalten. „Die Erstellung einer solchen Entwicklungskonzeption unter Einbeziehung von Bürgern, Experten und Entscheidungsträgern bis Ende Januar 2015 ist Voraussetzung für die Bewerbung, gleichzeitig aber auch Fahrplan für eine spätere Umsetzung bis 2020, sofern eine Anerkennung erfolgt“, so Marion Gutberlet. Die Chancen stehen nicht schlecht. Zwar muss sich die Region Rhein-Wied im Wettbewerb von insgesamt 20 rheinland-pfälzischen Regionen durchsetzen, allerdings werden von Mainz mindestens 15 Regionen ausgewählt.
„LEADER, ein Projekt, das grenzübergreifend zur Entwicklung des ländlichen Raums beitragen soll, bietet enorme Chancen. So wurden in der VG Daun in den zwei Förderperioden bei 709 Maßnahmen, 27 davon von privater Seite, 12 Millionen Euro umgesetzt, die nicht alle von der EU kamen, sondern auch aus anderen Töpfen“, berichtete Werner Klöckner. Noch wichtiger bewertete er aber die Tatsache, dass durch die Projekte Prozesse der Bewusstseinsbildung bei den Bürgern in Gang gesetzt worden seien. So entwickele sich etwa Gillenfeld zu einer „sorgenden Gemeinschaft“, in der zum Beispiel ein Haus mit rund 12 Wohneinheiten gebaut werde, das den Bürgern ermögliche, in ihrem Heimatort alt zu werden, habe seine VG in der ersten Förderperiode noch vorwiegend in Baumaßnahmen investiert, so sei es bei den gerade auslaufenden Förderungen vermehrt um die Menschen gegangen, während bei der aktuellen LILE-Bewerbung die Befähigung der Bürger im Mittelpunkt stehe, ihre Zukunft selber in die Hand zu nehmen, betonte er. „Stellen Sie sich dem Wettbewerb, bei dem die Initiative der Bevölkerung gefragt ist. Austausch, Vernetzung und Kooperation über alle Grenzen hinweg, ist erwünscht. Abgucken ist nicht verboten, sondern wird geradezu gefordert“, so Marion Gutberlet. Anschließend berichteten die Bürgermeister der angestrebten LILE-Region, in welcher Richtung sie, auf vorhandenen Strukturen aufbauend, jeweils aktiv werden möchten. So übernimmt die VG Linz das Thema „Ehrenamt und Senioren“, Bad Hönningen widmet sich der „Migration und Integration“, während Waldbreitbach das Thema „Gesundheit“ besetzt. „Da wir ganz neu hinzugekommen sind, haben wir noch keine konkreten Projektideen“, gestand Fehr für die VG Unkel ein. Es könne sich jedoch vorstellen, dass im Norden der LEADER-Region eine Koordinierungsstelle für die bürgerschaftliche Beteiligung an den Projekten entstehe. „Neben dem demografischen gibt es ja auch einen demokratischen Wandel, da die Bürger längst nicht mehr nur zur Wahl gehen, sondern auch mitmachen und mitentscheiden wollen“, erklärte er. Vorschläge zu den Themenfeldern „Wohnen und Nahversorgung“, „Tourismus und Kultur“, „Kulturlandschaft“, „Bürger und Soziales“ sowie „Wirtschaft und Ausbildung“ konnten die Besucher sofort an Stellwänden notieren. „Ihre Projektideen und Anregungen können Sie uns aber auch über die ausliegenden Steckbriefe einreichen. Ab nächster Woche ist dies auch unter www-leader-rhein-wied.de möglich“ so Marion Gutberlet. Eine weitere Möglichkeit, direkt an der LILE-Konzeption mitzuwirken und Projekte zu den Handlungsfeldern zu konkretisieren besteht bei dem Workshop, der am Dienstag, 25. November, ab 19.30 Uhr in Linz abgehalten wird. „Alle bisher beteiligten, vor allem aber auch alle neu interessierten, engagierten Menschen aus der Region im nordwestlichen Teil des Kreises sind uns willkommen“, versicherten die Bürgermeister unisono.
Ansprechpartner
Ansprechsprechpartner sind für die VG Bad Hönningen: Rudolf Schmitz, (02635) 72 22, E-Mail: rschmitz@bad-hoenningen-vg.de, für die VG Linz am Rhein: Stefan Heck, (02644) 56 01 14, E-Mail: stefan.heck@vg-linz.de, für die VG Unkel: Jörg Harperath, (02224) 18 06 27, E-Mail: Harperath@vgvunkel.de und für die VG Waldbreitbach: Rolf Schmidt-Markoski, (02638) 80 09 22, E-Mail: rolf.schmidt-markoski@waldbreitbach-vg.de.
