Sondersitzung des Unkeler Stadtrats
Glasfaserkabel sorgen für Diskussionen
Die Wahl der Telekom einiger Standorte für die „Multifunktionsgehäuse“ stößt auf heftige Kritik
Unkel. Einstimmig beschloss der Stadtrat Unkel auf einer Sondersitzung in der Sommerpause An fang voriger Woche, die Verbandsgemeinde zu beauftragen, mit der Stiftung zur Förderung der Kulturlandschaft Rheinland-Pfalz des Gemeinde- und Städtebundes sowie der Verbandsgemeinde Bad Hönningen konkrete Verhandlungen aufzunehmen zur Akquirierung von Ausgleichsflächen für die zwölfte Änderung des Bebauungsplans „Unkel-Süd“ und die Ergebnisse dem Stadtrat vorzulegen.
Da die Ausgleichsflächen zum einen naturschutzfachlich geeignet, zum anderen kurzfristig mobilisierbar und zudem auf Dauer kostengünstig sein müssen, um den defizitären Haushalt der Stadt möglichst gering zu belasten, gestaltete sich die Suche in der Vergangenheit schwierig. Nachdem die VG-Verwaltung mit der genannten Stiftung und der Stadt Bad Hönningen Kontakt aufgenommen hatte, hat der südliche Nachbar angeboten, über 30 Jahre hinweg eine Fläche zur Verfügung zu stellen, diese entsprechend anzulegen und sachgemäß zu bewirtschaften. „Wir hätten als Gegenleistung eine Vergütung als Einmalzahlung oder als jährlich wiederkehrenden Betrag zu entrichten. Weiterer Aufwand entstünde für uns nicht“, so Gerhard Hausen.
„Die Telekom ist zurzeit in Unkel und Rheinbreitbach aktiv. Bei diesen Arbeiten handelt es sich um die Verlegung von Glasfaserkabeln für das schnellere Internet“, Informierte der Bürgermeister die Mandatsträger unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“. Für diese Aufstockung der Kapazitäten müssten auch sogenannte „Multifunktionsgehäuse“ aufgestellt werden. Dies sei Voraussetzung, damit alle Bürger dieser beiden Kommunen endlich über das lang herbeigesehnte „schnelle Internet“ verfügen könnten. Zwar ist die Freude darüber bei vielen Bürgern groß, allerdings gibt es auch Klagen. „Ist Ihnen bekannt, dass einer dieser neuen Schaltkästen in Heister unmittelbar an das Ehrenmal gesetzt worden ist? Der Bürgerverein ist darüber mehr als irritiert und findet das Gehäuse extrem störend“, so Knut von Wülfing, CDU-Ratsmitglied und 2. Vorsitzender des Heisterer Vereins. Da jeder einzelne Standort dieser neuen „Multifunktionsgehäuse genehmigungspflichtig und von der Kommune genehmigt worden sei, habe er die Problematik dieses Standorts schon im Vorfeld erkannt, erwiderte Gerhard Hausen. „Wir verfügen nur in begrenztem Maße über genügend öffentliche Flächen, sodass wir die wenigen, die zur Verfügung stehen, auch nutzen müssen. Zwar gäbe für einige der bereits genehmigten Standorte durchaus Alternativen, die aber mit Mehrkosten verbunden wären, die wir als Kommune tragen müssten“, erklärte Hausen.
Ganz und gar nicht erfreut sind auch Teile der Rheinbreitbacher SPD. „Hier stolpert man über offene Baugruben, die etwa an der Ecke Hauptstraße/Kettelfeld so unübersichtlich sind, dass sie zum Verkehrshindernis werden“, klagte Klaus-Henning Rosen. Am Kirchplatz würden Fußgänger durch großflächige Absperrungen sogar gezwungen, vom Bürgersteig auf die Mitte der Straße auszuweichen. „Außerdem hat die Telekom den historischen Eschenbrenderhof aus dem 17. Jahrhundert verschandelt, nachdem ihr Schaltkasten an der Fassade zum Kirchplatz bis unter die Kante der Fenster reicht“, moniert der Sozialdemokrat. Der SPD-Ortsverein hoffe stark, dass in der Ortsmitte eine sinnvollere Lösung gefunden werden könne und dass generell die Bauarbeiten zügig voranschritten, sodass die Baugruben endlich geschlossen werden könnten, so der für die Öffentlichkeitsarbeit seiner Partei zuständige Kommunalpolitiker.
