Tischtennis-Europameisterschaft der Senioren im finnischen Tampere
Gold und Bronze für Heidi Wunner
Rheinbreitbach. Geliebäugelt hatte Heidi Wunner bei der Tischtennis-Europameisterschaft der Senioren im finnischen Tampere schon ein wenig mit einer vorderen Platzierung. Schließlich zählt die Rheinbreitbacherin nicht nur auf nationaler Ebene in ihrer Altersklasse schon seit vielen Jahren zu den absoluten Ausnahmesportlerinnen. „Dass es mit meiner langjährigen Partnerin Karla Gutschmidt für den Titel im Doppel und für einen dritten Platz in der Einzelkonkurrenz Ü75 gereicht hat, ist natürlich eine fantastische Sache“, freute sich Wunner nach der anstrengenden Turnierwoche. Zwölf Jahre nach ihrem EM-Doppelerfolg in Bratislava gelang ihr damit erneut der Sprung ganz oben aufs Treppchen. Ihre tolle Form unterstrich Wunner auch in der Einzelkonkurrenz. Erst im Halbfinale scheiterte sie knapp an der Französin Nicole Pilliere. „Aber auch mit diesem dritten Platz bin ich mehr als zufrieden“, so die Spielerin des SV Rheinbreitbach.
Dabei hatten die Wettbewerbe, bei denen knapp 2000 Sportler in den Altersklassen Ü40 bis Ü85 am Start waren, für Wunner recht holprig begonnen. Im Einzel hatte sie gegen ihre deutsche Mitkonkurrentin Brunhilde Tilkowski in der Gruppenphase zunächst große Mühe, konnte das Spiel nach einem 1:2-Satzrückstand aber noch drehen. Auch im Doppel sah es zunächst nicht gut aus. Gleich im ersten Spiel der Gruppenphase kassierten Wunner/Gutschmidt, die beide dem Tischtennisverband Rheinland angehören, im deutsch-deutschen Duell gegen Karin Niemeyer/Brunhilde Tilkowski eine 1:3-Niederlage.
Eine Initialzündung
„Für uns war das wie eine Initialzündung“, so Wunner, „denn bereits in der Gruppenphase auszuscheiden, hatten wir eigentlich nicht auf unserem Plan.“ Und fortan steigerten sich die beiden in einen wahren Spielrausch. Während Wunner mit ihrem eher kontrollierten und defensiven Spiel die Bälle vorbereitete, nutzte Gutschmidt jede Gelegenheit, um mit druckvollen Schlägen in den Angriffsmodus zu wechseln. Ein Plan, der blendend aufging. In die Hauptrunde starteten sie mit einem ungefährdeten 3:0 Erfolg gegen eine deutsch-österreichische Kombination, in der Vorschlussrunde folgte ein 3:1-Sieg gegen das irisch-englische Doppel Pauline Steel/Audrey Robinson.
Im Endspiel trafen sie dann auf die Britinnen Betty Bird/Carol Judson. Die beiden Deutschen starteten konzentriert und konnten ihre anfängliche Nervosität schnell ablegen. „Auch wenn wir nach einer 2:0-Führung den dritten Satz ziemlich deutlich verloren haben, hatte ich eigentlich nie das Gefühl, dass etwas schiefgehen könnte“, erzählt Wunner. Auch wenn es im vierten Satz noch einmal recht eng wurde, gewannen die beiden Deutschen mit 11:8 und sicherten sich am Ende unter dem verdienten Applaus der zahlreichen Zuschauer in der Messehalle verdientermaßen den Europameistertitel im Doppel.
Viel Zeit, den Erfolg auszukosten, gab es für die Rheinbreitbacherin indes nicht. Schließlich stand ja auch noch die Einzelkonkurrenz auf dem Programm. Und hier sorgte Wunner nach einer ungeschlagenen Gruppenphase in der Hauptrunde gleich einmal für zwei weitere Ausrufezeichen. Mit tollen Ballwechseln und zwei überragenden Spielen gegen die Britin Carol Judson und die Dänin Else Ronnow schaffte sie den Sprung ins Halbfinale. Hier allerdings war Endstation. Nach zwei deutlich verlorenen Sätzen gegen die stark auftrumpfende Französin Nicole Pilliere fand Wunner zwar besser ins Spiel und sicherte sich mit 11:6 den dritten Durchgang, musste sich am Ende aber doch dem druckvollen Spiel ihrer Gegnerin geschlagen geben und sicherte sich wie schon 2011 eine Bronzemedaille im Einzel.
„Für mich war die Woche in Finnland natürlich ein grandioses Erlebnis“, freute sich Wunner, die beim SV Rheinbreitbach seit vielen Jahren den Tischtennisnachwuchs trainiert. Aber nicht nur die Jugendlichen ihres Heimatvereins können stolz auf ihre Trainerin sein. Schließlich gehört die SVR-Spielerin unter den 611 Startern des Deutschen Tischtennisbundes in Tampere zu den 13, die mit einer Goldmedaille im Gepäck den Heimflug antreten konnten.
