Politik | 02.12.2014

Förderverein „Freibad Unkel“

Hart ins Gericht mit Verwaltung und CDU

Private Groß-Sponsoren sollen Verlust der Fördergelder aus Mainz wettmachen

Zubersichtlich bis strahlend zeigte sich das kommissarische Führungssextett nach dem Vorschlag von Dieter Wallek.DL

Unkel. Nicht Gutes verhieß die Einladung zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins „Freibad Unkel“, die Mitte voriger Woche im „Scheurener Hof“ abgehalten wurde. „Die Mitglieder des bisherigen Vorstandes werden erläutern, warum die Bemühungen um das Freibad Unkel aus ihrer Sicht gescheitert sind und werden nicht zur Wiederwahl antreten. Sollten sich bei den anstehenden Vorstandswahlen keine Interessenten finden, bleibt der alte Vorstand kommissarisch im Amt und wird die Auflösung des Vereins vorschlagen. Hierfür würde eine gesonderte Auflösungsversammlung einberufen werden“, war da zu lesen.

Mit einem kurzen Abriss der zurückliegenden zwölf Monate begann die Vorsitzende Katja Lorenzini die Versammlung. Wir haben an verschiedenen Fronten seit Dezember 2013 gekämpft“, erinnerte sie. Mitte Dezember habe sich der VG-Rat mit 13 Stimmen von CDU und FWG gegen eine Übernahme der Bürgschaft für die Landesmittel ausgesprochen. Daraufhin habe Ansgar Federhen dem Vorstand vorgeschlagen, ein Bürgerbegehren zu einem Bürgerentscheid durchzuführen. „Wir hatte die nötigen Unterschriften schnell zusammen, so dass wir dem VG-Chef Karsten Fehr am 19. Februar die Mappe mit dem Namen von 2300 Bürgern überreichen konnten, die sich für einen Bürgerentscheid ausgesprochen hatten, wobei schon 970 gereicht hätten. Nicht dass diese bei einem Bürgerentscheid alle für eine Übernahme der Bürgerschaft gestimmt hätten. Aber sie sollten eben selber eine Entscheidung treffen“, so die Vorsitzende. Stattdessen habe die Verwaltung ein Gefälligkeitsgutachten erstellen lassen, das sich natürlich gegen einen Bürgerentscheid ausgesprochen habe.

Über dieses Vorgehen des „Planungspartners“ habe sich der Vorstand sehr gewundert, zumal nach einem einstündigen Gespräch mit dem Gutachter jede Menge Fehler und unrichtige Behauptungen in dem Gutachten zu finden gewesen seien. „Wir hatten keine Möglichkeit, diese ‚Missverständnisse‘ im Vorfeld auszuräumen. Dafür aber ist Karsten Fehr mit dem Gutachten vor der Ratssitzung in die Öffentlichkeit gegangen, um entsprechend Stimmung zu machen“, monierte Katja Lorenzini. Die lange Liste der Fehlerkorrektur sei dann vom VG-Rat nicht gewürdigt worden. Dieser habe am 15. März mit den 14 Stimmen der CDU- und FWG-Ratsfraktion einen Bürgerentscheid abgelehnt.

„Wolfgang Plöger hat uns dann den Vorschlag gemacht, die Bürgschaft für die Landesmittel durch Privatleute gegen eine Kaufoption des Freibadgrundstücks abzusichern. Und wir hatten keine Schwierigkeiten, Personen für ein Konsortium zu finden“, erinnerte die Vorsitzende. Deren verpflichtende Erklärung habe sie Karsten Fehr bei der Erläuterung des Projekts „Kaufoption Freibad-Grundstück“ am 15. April vorgelegt. Dieser aber habe darin mehr Schwierigkeiten als Positives sehen können und eine Bankbürgschaft für das Konsortium gefordert. „Wir haben uns dafür stark gemacht, dass darüber noch der alte Rat entscheiden möge. Da Gespräche mit Banken ergeben haben, dass deren Bürgschaft nicht zum Null-Tarif zu haben sei, haben wir in einem Krisengespräch erneut darauf gedrungen, vor den Kommunalwahlen eine Entscheidung zu treffen, sind aber nur vertröstet worden“, so Katja Lorenzini. Die Entscheidung werde erst auf der VG-Ratssitzung am 4. Dezember fallen, auf der selbst die CDU auf eine Bankbürgschaft verzichten könnte.

Der Grund: „Uns ist die Zeit davongelaufen. Alle Entscheidungen hätten in diesem Jahr vom Tisch sein müssen, um die Fördergelder zu erhalten. Seit acht Jahren kämpfen wir um den Erhalt des Freibades und in dieser Zeit sind uns immer wieder Hürden in den Weg gelegt worden, die immer wieder ausgeräumt werden konnten. Zum Schluss hätten wir das Vertrauen der Politik benötigt, die sich aber lieber an ein zweifelhaftes Gutachten geklammert und 2300 Unterschrift ignoriert hat“, so das resignierte Fazit der Ehrenamtler. Der Verein sei gescheitert, weil zwei Gruppen das Projekt auf keinen Fall umsetzen wollten, konkretisierte Geschäftsführer Werner Henneker und nannte die VG-Verwaltung und die CDU-Fraktion. „Meine Partei hat sich hier von einem gestaltenden zu einem verwaltenden Gremium entwickelt und auf 720.000 Euro Landesmittel verzichtet, mit denen die Infrastruktur für Familien und für den Tourismus nachhaltig verbessert worden wäre“, so der Erpeler Christdemokrat. Von der Verwaltung sei der Verein zwar immer nett empfangen worden, bei der Lösung etwaiger Probleme habe die ihn aber stets gnadenlos alleine gelassen. „Wir hätten schon was Tolles leisten können“, bedauerte Werner Henneker sichtlich verbittert.

Da sich kein neuer Vorstand zur Wahl stellte, übernahmen die bisherigen Hauptakteure den kommissarische Vorsitz und setzten für eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Vereinsauflösung einen Termin Anfang des neuen Jahres fest. Danach würden die Mittel des Festgeldkontos an die jeweiligen Einzahler zurücküberwiesen, die Summe auf dem Vereinskonto würde zwischen dem Kanu-Club und den FC Unkel aufgeteilt.

So weit ist es aber dann doch noch nicht. Wie einige Vorredner lobte auch der Vorsitzende des Fußballvereins, Dieter Wallek, die engagierte Arbeit des Vorstands, man solle aber nicht vorschnell aufgeben, wenn noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien. So machte er dem Vorstand den „Vorwurf“, sich nicht um Sponsoren in der weiteren Umgebung bemüht zu haben. „Ich bin bereit, zusammen mit Volker Thomalla, dem ehemaligen Gegenkandidaten von VG-Chef Karsten Fehr, und meinem Nachbarn André Morfeld, der Ideas Manager bei Thyssen Krupp ist, eben dies für ein Gemeinschafts-Projekt ‚Kunstrasenplatz-Freibad‘ zu tun, was aber nur Sinn macht, wenn der Förderverein noch besteht“, erklärte er.

Daraufhin sagte ihm Katja Lorenzini die volle Unterstützung des Vorstandes zu, der immer davon ausgegangen sei, dass die Finanzierung dank der nicht unerheblichen Fördergelder aus Mainz stehe. „Klar muss sein, dass die Fördergelder weg sind. Wenn Ihr die Gesamtsumme für das Freibad zusammenbekommt, machen wir gerne die zweite Rolle rückwärts und bauen für die Bürger der VG ein schickes Naturbad“, Katja Lorenzini, die Dieter Wallek und seinen beiden Mitstreitern Zeit bis Ostern 2015 gab. Nach Verstreichen dieser „Gnadenfrist“ für den Förderverein müssen die Mitglieder dann entscheiden, wie und ob es überhaupt noch weitergeht.

Zubersichtlich bis strahlend zeigte sich das kommissarische Führungssextett nach dem Vorschlag von Dieter Wallek.Foto: DL

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