Heimatverein Rheinbreitbach lud zum Mundart-Abend ein
„Kölsche Tön in Wort und Lied“
Christa Scharfenstein zeigte Parallelen zwischen Kölner und Breitbacher Fastelovend auf
Rheinbreitbach. Bis auf den letzten Platz besetzt war der große Steinsaal im Burghotel Ad Sion Mitte voriger Woche. Dorthin eingeladen hatte der Heimtatverein Rheinbreitbach um seinen Vorsitzenden Dankward Heinrich zum überaus beliebten Mudartabend. „Wir haben dieses Mal aber keine auswärtigen Fachleute eingeladen, sondern setzten voll auf unsere heimische Kräfte“, erklärte Heinrich in seiner Begrüßung. Diese hätten keine Kosten und Mühen, schon gar nicht Zeit gescheut, ein abwechslungsreiches Programm zu erarbeiten. Bei dem stünde trotz des Mottos „Kölsche Tön in Wort und Lied“ nicht vorrangig der Dialekt im Vordergrund, sondern zumindest im ersten Teil des Abends der Karneval.
Und wen konnte der Verein da besser als Moderator ins Rennen schicken als den Alt-Präsidenten der KG „Me haalen et us“, Hans Georg Frings, der sich dem „Elften im Elften“ widmete. Im ehemals von Franzosen besetzten Köln würde damit auf die Revolutionslosung „E-galité, L-iberté, F-raternité“ angespielt. Generell signalisiere die ‚Eins neben Eins‘, dass unter der Narrenmütze alle gleich seien. „Aufgehoben wird das aber wieder durch unseren Schlachtruf ‚Alaaf‘, kurz vor 1800 im Straßenkarneval aufkam und ‚Köln vor allen anderen‘ bedeutet, so wie heute die FC-Fans nach zwei Siegen ihre Mannschaft schon in der Europa-League sehen“, witzelte der Moderator, bevor er sich in die Musikgruppe um Herbert Baumann an der Quetsch und Gitarrist Ferdinand Eberweiser sowie die Sänger Christa Scharfenstein und Josef Schneider einreihte.
Von Rom nach Trizonesien
Dann begann Christa Scharfenstein den geschichtsträchtigen Bogen von den Saturnalien in „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ zu den frühen Jahren des Breitbacher Fastelovend zu spannen. Das Jahr 1902 ist aus Sicht des Fastelovend nicht nur als Gründungsjahr der Kölner Ehrengarde, der Begleittruppe von Bauer und Jungfrau, bedeutsam, „gleichzeitig wurde auch unsere KG, damals noch als ‚Club der Harmlosen‘ im Wirtshaus von Konrad Bornheim aus der Taufe gehoben“, so Scharfenstein. Und schon war sie bei dem Breitbacher Urgestein Anton Schneider angekommen, der mit seinem Lied „Wat is doch he et Pflaster schlääch“ die Straßensituation im Ort auf die Schippe genommen hatte. 1939 zog dann der letzte Rosenmontagszug vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Domstadt.
„1948 nahm Karl Berbuer den Zusammenschluss der Westzonen mit dem Marsch-Fox ‚Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien‘ vorweg, der lange als Ersatz-Nationalhymne bei Fußballspielen, Pferde- und Radrennen gespielt wurde“, so Scharfenstein, um dann an die in 50er-Jahren einsetzende Reiselust zu erinnern. Die habe bei vielen nur bis auf den Zeltplatz bei Mutter Veronika am Honnefer Graben gereicht, was die Musiker motivierte, „Da laachste dich kapott, dat nennt mer Camping“ anzustimmen. Mit „O Mosella“ von Karl Berbuer erinnerte sie dann an die Beschlagnahmung des Moselweins durch die französische Besatzung, um mit dem Bläck-Föös-Hit „So sin mer all hierher jekumme“ den Bogen zu schließen, mit dem Christa Scharfenstein aufgezeigt hatte, wie viele unterschiedliche Kulturen den Kölner Karneval geprägt haben.
Der stand nach der Pause auch bei der Chorgemeinschaft Bruchhausen/Rheinbreitbach im Zentrum, die zunächst „Dat schönste, wat mer hann“, also et Veedel besang, um nach dem Loblied auf das „Wasser von Kölle“ auch noch von den „bovven ungerm Daach jenöglich op d’r Läuv“ sitzenden Schusterjunge zu berichten. Ausgesprochen humorvoll op kölsch ging es dann mit Sketchen weiter wie beim „Brautgespräch“ vom Sophie un Hännes mim Hochwürden.
Viel zu sagen hatte der Hännes bei seiner Sophie schon vor der Hochzeit nicht.
