Veranstaltung am Rheinufer für mehr Verständnis zwischen den Religionen und Menschen

Lichtbrücke für den Frieden

24.09.2014 - 10:05

Erpel. In Zeiten vieler kriegerischer Konflikte in der Welt wurde an den Erpeler Brückentürmen ein beeindruckendes Zeichen friedlicher Begegnungen gesetzt. Vertreter führender Weltreligionen waren gekommen, um auf Gemeinsamkeiten hinzuweisen, die alle Menschen bewegen, die sich für eine gewaltfreie Welt einsetzen. Fast 150 Zuhörer waren gekommen, um dieser ungewöhnlichen Veranstaltung beizuwohnen, so der Initiator dieser Friedensveranstaltung, Dr. Dirk Seeling aus Rheinbreitbach. Zu seinem Helferteam gehörten: Alexander Wattenbach, Marina Weiden, Petra Möller, Milijen Bobic, Martin Winkler, Heiner Rolfes, Stefan Runkel, F. Bovy, Tahir Sohal und Kerim Bas. Ein Höhepunkt dieser Veranstaltung war gegen 21.30 Uhr eine Lichtbrücke über den Rhein, die mit Xenonlicht symbolisch für die verbindenden Elemente stehen sollte.



Echtes Interesse statt Ignoranz und Angst


In jüngster Zeit gibt es so viele kriegerische Konflikte wie selten zuvor. Misstrauen und Anfeindungen zwischen unterschiedlichen Glaubensgruppen, Ländern und auch Gemeinden wird weltweit berichtet. Das Ergebnis ist Ablenkung, Missgunst, Hass auf beiden Seiten. Die Friedensinitiative will u.a., dass Moscheen, Synagogen, Kirchen, Tempel geschützt sind vor Ignoranz und Übermut. Dr. Dirk Seeling eröffnete die Veranstaltung mit der Feststellung, dass die innere Haltung entscheidend sei, ob Frieden möglich ist. Echtes Interesse statt Ignoranz und Angst vor dem Fremden ist das Fundament für Frieden und gelungene Integration. Die Sprecherin der Remagener Initiative für Frieden und Demokratie e.V. Karin Keelan verwies auf die zunehmende Intoleranz und rechter Parolen in der Gesellschaft. Der indische Gelehrte und Yoga-Meister Swami Isa beschrieb es so: „Die Brücke war da, man konnte einfach hinüber und wieder zurück. Jetzt fehlt sie. Wir brauchen eine neue Brücke. Für diese Brücke der Begegnung braucht man keine Organisation, kein Gesetz, niemand Anderen. Die Brücke zum Anderen braucht nur den inneren Willen, das Interesse am Anderen. Das Getrenntsein vom Anderen ist eine Illusion“. Die Teilnehmer, Zuhörer und Redner nach der Veranstaltung, sprachen von „einem emotional tief bewegenden Erlebnis“ andere gar von einem „epochalen Ereignis“. Nach den Friedenszitaten, Mantren, Gebeten, Segnungen, Gesängen aus der Sicht der islamischen Gemeinde, der jüdischen Gemeinde, der buddhistischen Lehren, der evangelischen und katholischen Kirche und der uralten indischen Veden, standen die vielen Teilnehmer sichtlich berührt mit Kerzen und Fackeln und sangen zu Liedern wie „Herr, gib uns deinen Frieden“ und „We shall overcome“. Die Stimmung und das Feedback am Ende der Veranstaltung übertrafen die Erwartungen der Initiatoren Susanne und Dirk Seeling aus Rheinbreitbach. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es noch nie so viele Krisenherde und Kriege wie zurzeit. Kann eine Versammlung von Menschen am Rhein wirklich etwas bewirken, um Frieden zu bewahren? Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass an Orten in denen größere Gruppen für Frieden und Nächstenliebe beten und meditieren die Gewaltdelikte messbar zurückgingen. Die Kernaussagen der Redner der führenden Weltreligionen waren ähnlich, machten aber auch die Facetten der verschiedenen Weltreligionen deutlich. Es ging nicht um Gleichmacherei der Religionen. Es ging um Verstehen wollen und um Respekt gegenüber dem Anderen. Es ging um das Erkennen der gleichen Wurzeln aller Religionen. Lama Geshe Ngawang Thapkhe hat die Herzen der Menschen erreicht. Er bezeichnete sich selbst als Erpeler, da er hier lange Zeit lebte und das tibetische Zentrum gegründet hat. Er machte deutlich, dass es darauf ankommt, was man nach dem Besuch in der Kirche, Moschee, Tempel, Synagoge tatsächlich tut. Beten und danach mit dem Nachbarn streiten, zeugt nicht von einem rechten Glauben. Der muslimische Imam Syed Salman Shah machte deutlich, wie sehr der Koran und die Muslime das Bestreben nach Frieden in den Vordergrund ihres Lebens stellt. Rabbi Joseph Pasternak von der jüdischen Gemeinde in Koblenz sprach über die Begriffe Shalom und Frieden aus Sicht der heiligsten Schrift Thora, bevor er mit den anderen Rednern und Zuhörern gemeinsam „Shalom aleichem“ sang (übersetzt Friede sei mit Dir). Der katholische Pfarrer Andreas Arend macht erlebbar, wie gut Ökumene bereits mit der evangelischen Kirche gelingt und wie offen man für Andersgläubige ist. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor 50 Jahren gab es in vielen Regionen noch Schlägereien zwischen Protestanten und Katholiken. Pfarrer Andreas Arend und der evangelische Pfarrer Michael Busch segneten alle Anwesenden. Sie wurden dabei von allen Rednern unterstützt. Eine wichtige Prämisse bleibt: Bildung hilft gegen Ignoranz jeder Gesinnung.


Tag der offenen Moschee


Nachdem führende muslimische Dachverbände jede Terroraktivität als nicht im Einklang mit dem Koran proklamiert haben, können sich Interessierte am 3. Oktober am Tag der offenen Moschee selbst ein Bild von der muslimischen Denkweise machen. Es wurde deutlich, wie konsequent friedfertig diese Hauptrichtung des Islams ist. Gefährlich wird es immer nur, wenn der Mensch polarisiert und die andere Sicht als „grundsätzlich falsch“ ansieht. Die Propheten, egal welcher Religion, wurden schon immer missbraucht, um das persönlich minderwertige Ego durch Gewalttaten aufzuwerten. Das Signal der Redner bei der Lichtbrückenaktion war in höchstem Maße harmonisch und zeigte, wie man immer mehr Verständnis zwischen den Religionen und Menschen aufbauen kann. Das besondere Erlebnis an den Brückenköpfen von Erpel und Remagen war die besondere Stimmung, die viele Teilnehmer und Redner als besonders herzlich, friedvoll und glücklich erlebten. Die Veranstaltung am Rheinufer in der Nähe der Erpeler Brückentürme, der ehemaligen Ludendorffbrücke, war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Für das nächste Jahr werden wieder Veranstaltungen für den Frieden mit führenden Politikern geplant. Es sollen noch mehr Begegnungen untereinander stattfinden, mit mehr Musik und Möglichkeiten den Anderen besser kennenzulernen. Auch hier sind Brücken zwischen Parteien und Bürgerinitiativen eine willkommene Chance, den sozialen Frieden durch partnerschaftliche Lösungen zu stärken.

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Kommentare
K. Schmidt:
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steinpilz71:
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