Politik | 18.11.2014

‚Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz‘

Linzer Altstadt ins Städtebau- förderprogramm aufgenommen

Kommune und private Immobilienbesitzer erhalten für Sanierungsmaßnahmen Zuschüsse bis zu 25.000 Euro

Linz. Einstimmig hatte der Stadtrat von Linz auf seiner Sitzung Ende September beschlossen, dass sich die Stadt um die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Historische Stadtbereiche“ des Landes Rheinland-Pfalz beim Innenministerium bewerben soll. Auf einer Pressekonferenz, an der die Fraktionsvorsitzenden teilnahmen, teilte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust nun mit: Die Stadt Linz wird mit dem beantragten Gebiet ‚Altstadt Linz am Rhein‘ ab dem Jahr 2014 in das Bund-Länder-Programm ‚Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz‘ aufgenommen. Das hat uns der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz Anfang dieses Monats mitgeteilt.“

Dieses Städtebauförderungsprogramm zielt darauf ab, insbesondere historische Stadtkerne mit denkmalgeschützter Bausubstanz auf breiter Grundlage zu sichern und zu erhalten. Es dient also gezielt der Erhaltung sowie der Stärkung der Innenstädte mit historischer Substanz. „Die vorliegenden Bewerbungsunterlagen zeigen auf, dass das Mittelzentrum Linz am Rhein mit seinem historischen Stadtkern in das Programmprofil passt“, heißt es in dem Schreiben aus Mainz. Er habe für dieses Jahr einen ersten Förderbetrag in Höhe von 200.000 Euro reserviert, so Roger Lewentz. Die abschließende Entscheidung über den Fördersatz werde nach Vorlage des ersten Antrags unter Beachtung der kommunalaufsichtlichen Stellungnahme getroffen.

„Da die Stadt schon vor über zehn Jahren die ab den 70er-Jahren großangelegte Fördermaßnahme ‚Altstadtsanierung‘ mit dem Umbau des Altgymnasiums zum Bürger-Kommunikationszentrum 2002/03 abgeschlossen hat, ist es für uns extrem wichtig, erneut in ein solches Programm aufgenommen worden zu sein“, erklärte Hans Georg Faust. Roger Lewentz habe vor rund sechs Monaten Linz besucht und sein Stadtrundgang habe bei ihm deutlich Eindruck hinterlassen. So habe man die Möglichkeit, in den kommenden zwölf Jahren bis zu 5 Millionen Euro an Fördermitteln zu beantragen, berichtete der Stadtchef, der vor allem der VG-Verwaltung für die gute Zusammenarbeit dankte.

„Wir haben in Rekordzeit die Aufnahme in das Programm geschafft, das Linz städtebaulich große Chancen bietet“, freute sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann. Nach dem Besuch des Innenministers habe sich ein Abteilungsleiter des Innenministeriums im April von der Bausubstanz in der Altstadt und der entsprechenden Bedürftigkeit hinsichtlich einer Sanierung überzeugt, erinnerte er. „An einer Vielzahl privater Gebäude ist rein äußerlich betrachtet ein dringender Instandsetzungsbedarf festzustellen, darüber hinaus ist auch davon auszugehen, dass abgesehen von Maßnahmen zur Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes auch ein Modernisierungsbedarf im Gebäudeinneren besteht“, hatte die Verwaltung den Antrag entsprechend begründet.

Der besorgniserregende Zustand war mit überzeugenden Zahlen zusätzlich belegt worden. „In den 329 Gebäuden der Altstadt wohnen zur Zeit 779 Einwohner, Mitte 2004 waren es noch 838 Einwohner. 161 Gebäude des Altstadt dienen ausschließlich Wohnzwecken, 104 Häuser werden gemischt genutzt, 32 Gebäude werden ausschließlich gewerblich genutzt, dieselbe Anzahl steht leer“, listete Dieter Lehmann auf.

Dieser mit 9,72 Prozent relativ hohe Anteil des Leerstandes ließe auf eine sinkende Attraktivität der Gebäude schließen. Von den 265 Gebäuden, die Wohnzwecken dienen, werden 22,26 Prozent von nur einer Person bewohnt. Das Alter dieser Einzelpersonen liegt bei über 50 Prozent über 65 Jahren. Statt der 6.107 Bewohner Mitte 2004 zählt Linz heute nur noch 5.800 Einwohner. Dieser Rückgang ist vor allem bei den jüngeren Bewohnern der Altstadt gravierend. Lag er in Linz insgesamt bei gut 17,4 Prozent, so ging die Zahl der jungen Bevölkerung in den zurückliegenden zehn Jahren in dem Sanierungsgebiet um knapp 24 Prozent auf 127 Bewohner zurück.

„Wir hatten schon in unserem Zehn-Punkte-Programm darauf hingewiesen, dass viele der alten Gebäude nicht mehr über eine zeitgemäße Ausstattung verfügen“, erinnerte der Sozialdemokrat.

Entsprechend käme für junge Familien der Altstadtbereich aufgrund fehlender Anreize als Wohnstandort kaum in Frage, so dass eine sukzessive Entleerung bezüglich der Wohnbevölkerung zu befürchten sei, was sowohl städtebaulich als auch hinsichtlich der touristischen Funktion verheerende Auswirkungen hätte.

„Wenn wir die Summe dieses Förderprogramms abschöpfen, dann bietet sich eine einmalige Chance für Linz, nicht zuletzt weil es neben einem städtischen Anteil für die Sanierung maroder Straßen und Plätze in Höhe von 2 bis 3 Millionen Euro vor allem 2,2 Millionen Euro Fördergelder für Privatinvestitionen beinhaltet“, so Dieter Lehmann. Bei einer Förderhöhe von maximal 25.000 Euro pro Sanierungsmaßnahme, so diese Summe überhaupt jedes Mal erreicht würde, könnten 88 Gebäude der Altstadt, also 25 Prozent, umgebaut und modernisiert werden. Als städtische Projekte kämen etwa der Marktplatz, der Buttermarkt und der Burgplatz in Frage, die gut 30 Jahre nach ihrer Umgestaltung durchaus wieder einen optische Aufwertung vertragen könnten.

„Wie müssen jetzt vorbereitende Untersuchungen angehen und ein entsprechenden Entwicklungskonzept ausarbeiten. Haus für Haus innerhalb der Gebietsabgrenzung muss in ein Gebäudekataster aufgenommen werden. Wir könnten auch ein ‚Musterhaus‘ entwickeln, wo sich Fachfirmen die Sanierung denkmalgeschützter Häuser präsentieren oder wo Seminare und eine Vortragsreihe über Denkmalpflege abgehalten werden“, dachte Dieter Lehmann an.

Eventuell sollte die Stadt auch einen Sanierungsberater für Privatinvestoren einstellen, der interessierten Gebäudebesitzern seine professionellen Hilfe anbieten kann. Auch wenn laut Verwaltung ein Bescheid der ADD hinsichtlich des Entwicklungskonzepts frühestens in einem Jahr zu erwarten sein wird, ungenutzt sollten an einer Sanierung ihrer Immobilie interessierte Linzer diese Zeit nicht verstreichen lassen und schon jetzt mit konkreten Planungen beginnen, waren sich die Kommunalpolitiker einig.

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