Verbandsgemeinderat Unkel beriet Flüchtlingssituation
Noch ist die Kommune dem Zustrom gewachsen
Immobilienkäufe per zinslosem Landeskredit sollen Reserven schaffen
Unkel. Die Verbandsgemeinde Unkel hat vor, einen auf zehn Jahre zinslosen Landeskredit für Immobilienkäufe aufzunehmen, um zusätzlichen Wohnraum für Asylbewerber und Flüchtlinge vorhalten zu können. „Wir haben zurzeit 35 Mietverträge für die dezentrale Unterbringung abgeschlossen“, berichtete der für die Asylanten in der Verwaltung zuständige Andreas Nagel. Da die Schätzung für das kommende Jahr von 1,3 Millionen Flüchtlingen ausginge, von denen Rheinland-Pfalz 4,8 Prozent und der Kreis Neuwied davon 4,5 Prozent übernehmen müssten, kämen auf die VG Unkel mit einer siebenprozentigen Zuweisung rund 45 neue Asylbewerber zu. „Für 42 von diesen hätten wir noch Wohnraum angemietet. Damit wären dann aber auch unsere Reserven aufgebraucht“, machte Nagel deutlich, bevor er die Entwicklung der Flüchtlingssituation in der VG erläuterte.
Waren 2012 nur 21, 2013 sogar nur 14 Asylbewerber in die VG gekommen, so hatte man nach 20 Flüchtlingen 2014 für das laufende Jahr 41 Asylbewerber prognostiziert. Untergebracht seien in der VG jedoch 150 Flüchtlinge, von denen noch 135 in der Betreuung seien. Die übrigen sind inzwischen als Asylanten anerkannt oder in ihre Heimat zurückgekehrt. „Trotz dieser für unsere Kommune große Zahl sind die Flüchtlinge völlig unauffällig“, hob Gisela Stahl (CDU) hervor.
Nachbarschaftshilfe ist vorbildlich und integrativ
Der Grund, so Verbandsbürgermeister Karsten Fehr, sei einerseits die dezentrale Unterbringung, andererseits die ausgesprochen hervorragende Nachbarschaftshilfe, die es den Asylbewerbern leicht mache, sich zu integrieren. Eine wichtige Aufgabe bei diesem Prozess übernähmen auch die Vereine, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Edgar Neustein. „Viele von ihnen würden sich gerne noch intensiver in die Betreuung einbringen, benötigen dafür aber noch weitere Informationen“, führte Neustein aus. Diese könne man jederzeit bei ihm erhalten, erwiderte Andreas Nagel.
Neben der katholischen und evangelischen Kirche, die mit ihren Begegnungscafé einen wichtigen Beitrag leisteten, Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen, sei das ehrenamtliche Engagement wie auch die Spendenbereitschaft in der VG beispielhaft, lobte Fehr seine Mitbürger. „Allerdings sind die Kleiderkammern voll, und auch in der für Möbel angemietet Lagerhalle ist kaum noch Platz. Wenn überhaupt, werden Betten und Küchen benötigt“, ergänzte Nagel.
Sachgerechte Ausstattung ist trotz voller Lager schwierig
Gerd Elsler, der Fachbereichsleiter „Bürgerdienste“, machte auf ein weiteres Problem aufmerksam. „Wir bekommen pro Woche durchschnittlich sechs Personen vom Kreis zugewiesen, ohne die genaue Zusammensetzung zu kennen. Da ist eine sachgerechte Möblierung der leerstehenden Wohnräume mit dem Secondhand-Unternehmen rechtzeitig kaum zu gewährleisten“, beklagte er. Das Verwaltungsmanagement sehe sich inzwischen einem Level gegenüber, das eine zufriedenstellende Betreuung mit den vorhandenen Kräften kaum noch sicherzustellen sei.
