Allgemeine Berichte | 13.01.2016

Der neue Pfarrer der PG Linz will mit seinen Gemeindemitgliedern die Kirche auf neue Wege führen

Pastor Lothar Anhalt trat in Sankt Marien Nachfolge von Klemens Hombach an

Im priesterlichen Ornat reihte sich Lothar Anhalt in das Seelsorgeteam der PG Linz ein.

Linz. „Ein Pastor in Jeans auf Inlinern unterwegs, Dialektreden in der Bütt schwingend und fröhlich mit dabei beim Winzerfestzug!“ So ganz anders als sein Vorgänger, der früherer Linzer Pfarrer Klemens Hombach, der im Mai 2015 aus Altersgründen sein Amt als Leiter der Pfarreiengemeinschaft (PG) Dattenberg/Linz/Ohlenberg/Sankt Katharinen-Vettelschoß niedergelegt hatte, solle Pfarrer Lothar Martin Anhalt sein, war den Gemeindemitgliedern zu Ohren gekommen. Entsprechend groß war die neugierige Erwartung der Besucher, die am „Tag der Taufe Jesu“ so zahlreich zu seiner Antritts-Festmesse in die Marienkirche von Linz strömten, dass sich nicht nur die Parkplatzsuche schwierig gestaltete. Schon lange bevor Dechant Thomas Darscheid zusammen mit Pfarrer Peter Strauch und dem Linzer Seelsorgeteam, den Gemeindereferentinnen, Eva Maria Dech und Ursula Monter, den Pfarrern Patrick Ringhausen und Arno-Lutz Henkel sowie Diakon Eberhard Roevenstrunk, und weiteren Geistlichen um den früheren Pfarrer von Sankt Katharinen, Joachim Fey, einzog, waren alle Sitzplätze in den Kirchenbänken besetzt. In einer von diesen hatte auch Lothar Anhalt in schwarzem Jackett und dunkler Hose Platz genommen, sodass viele Besucher der Messfeier zunächst vergeblich nach ihrem neuen Pfarrer Ausschau hielten. Vorgestellt hatte er sich ihnen bereits in seinem ersten Pfarrbrief. „Geboren wurde ich am 10. September 1963 als Jüngstes von vier Kindern. Aufgewachsen bin ich in Altenburg bei Asbach, also gar nicht so weit weg von Linz. Nach meiner Schulzeit habe ich erst einmal eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert und war mehrere Jahre in diesem Beruf tätig“, hatte Lothar Anhalt von sich preisgegeben. Der Wunsch, einen geistlichen Beruf zu ergreifen, habe ihn dann sechs Jahre in die Benediktinerabtei Sankt Michael in Siegburg geführt. Während dieser Zeit hat er an der Ordenshochschule der Redemptoristen und der Steyler Patres in Hennef und Sankt Augustin seine theologischen Studien aufgenommen und diese 1994 abgeschlossen. Mit dem Ablauf der zeitlichen Gelübde hatte er den Orden wieder verlassen und das Priesterseminar in Trier besucht. Sein Pastoralpraktikum absolvierte er als Diakon in den Gemeinden Koblenz-Arenberg/Niederberg. In Trier empfing er am 5. Juli 1997 die Priesterweihe. Seine Kaplanstelle führte ihn dann für drei Jahre nach Adenau, im August 2000 wurde Lothar Anhalt zum Vikar in den Pfarreien Speicher, Spangdahlem, Herforst und Binsfeld ernannt. Ab September 2002 war er zunächst Pfarrer in der PG Dernau-Mayschoß-Rech, ab 2011 dann bis Herbst 2015 Pfarrer in solidum in der neu errichteten PG Altenahr sowie während der drei zurückliegenden Jahre noch zusätzlich Pfarrverwalter in der vakanten PG Schuld mit vier Pfarreien und unzähligen Dörfern. Die haben ihren Pfarrer schon Mitte Oktober schweren Herzens verabschiedet. Bereits Anfang 2015 hatte Lothar Anhalt ihnen mitgeteilt, dass er dem Wunsch von Bischof Stephan Ackermann entsprechen würde, die Stelle als leitender Pfarrer in der PG Linz ab 1. Januar 2016 zu übernehmen, da er auf jeden Fall im Rheinland bleiben wollte. Angesichts der Personalnot im Bistum waren in der PG Altenahr mit Axel Spiller und Volker Dupont nämlich nur noch zwei Priester vorgesehen. „Sie haben seit dem Ausscheiden von Pastor Klemens Hombach Mitte vorigen Jahres die Vakanz nicht etwa überbrückt, sondern vielmehr kreativ gestaltet“, lobte der Dechant die aktiven Gemeindemitglieder. Sein besonderer Dank galt dem pastoralen Team, allen voran Eva Dech, der die Leitung der Seelsorge anvertraut worden war, sowie dem Vorsitzenden des Kirchengemeindeverbands, Toni Stümper, als Leiter der Finanzen, während der Neustädter Pfarrer Peter Strauch als Ansprechpartner zuständig für die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeitenden gewesen war. „Nun tritt Lothar Anhalt, der im Oktober 1963 im Kloster Ehrenstein getauft und 1997 im Trierer Dom zum Priester geweiht worden ist, die Nachfolge von Klemens Hombach an. Er ist aber nicht gekommen, um hier alles an sich zu reißen. Das ist ihm auch fremd. Vielmehr hat er den Auftrag, Sie als die ihm Anvertrauten im Glauben zu fördern“, so Dechant Thomas Darscheid, um dann den neuen Leiter der PG aus der Gemeinde heraus zu sich zu rufen, damit dieser am Altar den Pfarramtseid ablege. Zeugen wurden unter anderem Vater Ewald Anhalt und die übrige Familie um die Geschwister Bärbel, Michael und Werner sowie zahlreiche Kollegen und Gäste aus anderen Gemeinden und aus der Politik. „Eine evangelische Freundin hat mich gefragt, was so ein Pfarramtseid eigentlich sei“, begann Lothar Anhalt seine Predigt. Der sei durchaus vergleichbar mit einer Prinzenproklamation, so seine Antwort. Was scherzhaft klinge, sei gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt, denn „proklamare“ bedeute: öffentlich bekannt machen. Und schon war Lothar Anhalt beim Thema „Taufe“. Der Heilige Geist selber habe am Jordan Jesus als Gottes geliebten Sohn proklamiert. „Und wir haben durch unsere Taufe Anteil an der Königswürde Christi“, so der 52-jährige Seelsorger, um dann auf seine Vorstellung vom Priester-Dasein einzugehen. Dieses verstehe er im Sinne des heiligen Augustinus, also aus der Basis herausgenommen, so wie er kurz zuvor aus der Gemeinde heraus an den Altar getreten sei. „Es war ein langer Weg, bis ich erkannt habe, dass auch ich Gottes geliebtes Kind bin. Deshalb kann durch mich Gott zu den Menschen kommen, Dank der Taufe“, erklärte er. Wenn man in Linz ankommen wolle, müsse man ein Fastelovendsjeck sein, habe er gehört. „Bin ich, ich mag Karneval. Das aber ist nicht alles, denn sonst könnten wir den Laden hier dichtmachen!“, so Lothar Anhalt. Seit Jahren stehe die Kirche vor wahnsinnigen Herausforderungen hinsichtlich großer Umbrüche und Veränderungen. Von einer Kirchengestalt, die einem vertraut sei, müsse man sich mehr und mehr verabschieden. Etliche Traditionen und Inhalte seien eben im Laufe der Zeit untauglich geworden. „Ich will die Uhr nicht zurückdrehen, sondern einen Neuanfang schaffen, heute und hier. Kirche muss man vom Menschen her denken“, umriss er die Arbeit in seiner neuen PG ganz im Sinne der Synode im Bistum Trier, die nach Wegen suche und ringe, wie das Reich Gottes und der Glaube daran auch in Zukunft in den Gemeinden gelebt, gefeiert und weitergegeben werden könne. „Selbst die Intelligenz von Tieren hängt von der Fähigkeit ab, sich den sich ändernden Umständen anzupassen. Würden sie das nicht tun, würden sie aussterben“, warnte Lothar Anhalt, der seine Blumen und Stauden als Gartenfreund schon in Linzer Boden gepflanzt hat. Fest verwurzelt ist er natürlich in seinem neuen Tätigkeitsbereich noch längst nicht. Angekommen dürfte Lothar Anhalt in Linz aber nach seiner ersten Predigt in der PG schon sein, auch wenn er samt Kater Franziskus mit dem Umzug in die Bunte Stadt am Rhein noch warten muss, bis die Umbauarbeiten im Pfarrhaus abgeschlossen sind.

Im priesterlichen Ornat reihte sich Lothar Anhalt in das Seelsorgeteam der PG Linz ein.
Dechant Thomas Darscheid gratulierte dem neuen Pfarrer der PG als erster

Dechant Thomas Darscheid gratulierte dem neuen Pfarrer der PG als erster

Im priesterlichen Ornat reihte sich Lothar Anhalt in das Seelsorgeteam der PG Linz ein.

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