Politik | 19.08.2014

„AktivRegion Rhein-Wied“

Pilotprojekt ist auf einem guten Weg

Die VG-Chefs von Linz, Bad Hönningen und Waldbreitbach stellten Ergebnisse der harmonischen Kooperation vor

Nur kurz ließen sich die Verwaltungschefs vor der Pressekonferenz von ihrer Arbeit am „Bürgerportal“ abhalten. DL

Bad Hönningen. Zusammenarbeit war für die Verwaltungen von Linz, Bad Hönningen und Waldbreitbach schon länger kein Fremdwort mehr. Seit März kooperieren die drei Verbandsgemeinden jedoch noch intensiver miteinander, nachdem sie im Januar dieses Jahres im Rahmen der Zukunftsinitiative „Starke Kommunen - Starkes Land“ des rheinland-pfälzischen Innenministeriums unter elf Bewerbern als eine der sechs Modelregionen ausgewählt worden waren, denen Mainz jeweils 440.000 Euro in den kommenden zwei Jahren für Diskussionen und kooperative Projekte hinsichtlich einer zukunftsträchtigen Kommunalpolitik zur Verfügung stellt. Dass ihre Kooperation unter dem Slogan „AktivRegion Rhein-Wied“ kein reines Lippenbekenntnis ist, veranschaulichten die drei Verbandsgemeinde-Bürgermeister, Hans-Günter Fischer, Werner Grüber und Michael Mahlert Mitte voriger Woche während eines Pressegesprächs mit „Blick aktuell“ im Bad Hönninger Verwaltungsgebäude, das unter dem Motto stand: „Kooperation zahlt sich aus - der eine lernt von den Erfahrungen des anderen.“

Ziel der Zusammenarbeit ist einerseits, in der Region mehr Bürgerservice zu bieten, andererseits aber auch, die Bürger aufzufordern, sich mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen einzubringen, um das Leben in der Region aktiv mitzugestalten. Entsprechend hat die Verbandsgemeinde Linz das Schwerpunktthema „Ehrenamt und Senioren“ übernommen. „Wir haben uns diesem Thema schon 2007 gewidmet, indem wir zunächst eine Vereinslotsin in der Verwaltung etabliert haben. Ein Jahr wurde dann die Freiwilligen Börse eingerichtet, um einerseits die Arbeit der Ehrenamtler zu koordinieren und andererseits die Ansprüche und Erwartungen an Hilfeleistungen zu erfassen“, erinnerte Hans-Günter Fischer. Neben der Regionalmesse „Fit auf der Höhe“, dem Gesundheits- und Betreuungs-Wegweiser sowie einem ehrenamtlichen Beauftragten für Betreuungs- und Gesundheitsfragen, habe die Verbandsgemeinde als Pilotprojekt einen Bürgerfahrdienst sowie Gemeindecafés in Ohlenberg und Leubsdorf nicht nur für ältere Bürger eingerichtet. „Beim Fahrdienst ist die Nachfrage so enorm, dass wir ihn intensivieren werden, sofern der Verbandsgemeinderat zustimmt“, erklärte der Linzer Bürgermeister Hans-Günter Fischer.

„Gemeinsam“ ist das Stichwort

Inwieweit man die Gemeindecafés gegen drohende Vereinsamung und mit den Angeboten von „Essen auf Rädern“ bis hin zu Einkaufshilfen inklusive Anlieferung in weiteren Kommunen etwa auf der Linzer Höhe anbieten könne, hänge nicht zuletzt auch von der Kooperation zwischen den zivilen und den Kirchengemeinden ab, da diese Aufgaben nur gemeinsam gestemmt werden könnten. Angedacht seien auch weitere Projekte wie der Aufbau einer überregionalen Seniorenakademie in enger Vernetzung mit der Katholische Familienbildungsstätte und der VHS sowie dem Ahr-Campus, die ebenfalls dazu beitragen könne, einer Vereinsamung entgegenzuwirken.

„Die Verbandsgemeinde widmet sich schwerpunktmäßig dem Thema Gesundheit, speziell der Sicherstellung einer ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum“, so Werner Grüber, der mit der Fachärztin für Allgemeinmedizin und Obfrau der Kreisärzteschaft Neuwied, Anja Meurer sowie dem Neuwieder Facharzt für Innere Medizin, Walter Messerschmidt, auch den geschäftsführenden Vorstand des Kreisgesundheitsforums bildet. Schon vor Beginn des Modellprojektes wurden zahlreiche Vorarbeiten für das so genannte „Filia-Projekt“ in der Verbandsgemeinde Waldbreitbach durchgeführt. Ziel dieses innovativen Projekts ist es im Sankt. Josefhaus in Hausen künftig zentrale Praxisräume bereitzustellen, in denen verschiedene Fachärzte temporär Sprechstunden abhalten sollen.

„Durch die Nähe zu der bestehenden Pflegeeinrichtung würden sich erhebliche Synergieeffekte ergeben, wie etwa die wegfallenden Bewohnertransporte des Sankt Josefhauses zu den entsprechenden Fachärzten, während deren Sprechstunden in Hausen einen Gewinn für die übrigen Bürger der Region darstellen würde. Wir haben inzwischen vielversprechende Gespräche mit den vor Ort niedergelassenen Ärzten geführt, welche die Einrichtung eines solchen Praxisraumes begrüßen. Auch eine Einigung mit der Kassenärztlichen Vereinigung ist in Sicht“, so der VG-Chef. Geregelt werden müsse etwa noch die Einrichtung eines gemeinsamen Shuttle-Busses, der den Transport der Bürger aus den umliegenden Orten zu den Fachärzten gewährleistet, die in den Hausener Pflegereinrichtungen Top-Räumlichkeiten für ihre Sprechstunden vorfinden würden.

Bad Hönningen - Schwerpunkt Integration

„Die Verbandsgemeinde Bad Hönningen mit dem Schwerpunktthema ‚Integration‘ hat mit dem Aufbau eines Bildungs- und Beratungszentrums in Form eines Cafés, in dem etwa Sprachkurse auch in der Muttersprache oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen angeboten werden sollen sowie der Ferienbetreuung gleich zwei Projekte in Angriff genommen“, berichtete Michael Mahlert. Der Bedarf der Betreuung von Kindern vor allem der ersten bis sechsten Schuljahre während der Ferien steige stetig an. Deshalb sei der Aufbau eines regionalen Angebotes in Vorbereitung, das allen Eltern und Kindern flexibel und auf einen Blick viele attraktive Mitmachangebote biete. „Wir werden uns mit den Anbietern von Freizeitprojekten zusammensetzen und die Wünsche der Eltern mittels eines Fragebogens ermitteln. Die Ergebnisse werden dann auf einer eigens für die AktivRegion Rhein-Wied im Aufbau befindlichen Internetseite einsehbar sein“, so der Bad Hönninger VG-Chef.

Hinsichtlich der Integration von Migranten habe in den Kindertagesstätten und den Schulen, in denen sie eine besondere Rolle spiele, Handlungsdruck bestanden. „Deshalb wollen wir ein Zentrum im Innerort schaffen, das anders als die Institution Schule, in der viele eine Kontrollbehörde sehen, bei erwachsenen Migranten keine Ängste aufkommen lässt“, erklärte Michael Mahlert. In dem Café würden auch die Jugendlichen angesprochen, die nicht in Vereinen eingebunden sind, um ihnen zu zeigen, dass ihnen zugehört wird und auch ihre Anliegen ernst genommen werden. „Dieses Vorhaben hat durch das Modellprojekt und die mit diesem verbundenen Fördermitteln einen neuen Schub bekommen. Eine entsprechende Betreuungskraft haben wir bereits im Blick“, so der VG-Chef.

Diese Mittel müssten aber auch hinsichtlich eines notwendigen Anreizes für Ehrenamtler eingesetzt werden“, ergänzte Hans-Günter Fischer. Deren Engagement müsse je nach zeitlicher Beanspruchung schon honoriert werden. Vielen potenziellen Mitarbeitern fehle noch der Impuls, die Initialzündung, ihre Erfahrungen einzubringen, obwohl der Großteil der Bürger längst Entscheidungen ablehnen würde, die über ihre Köpfe hinweg beschlossen würden. Um im Wettbewerb mit anderen Regionen, vor allem hinsichtlich der nahen Großstädte bestehen zu können, werde das Potenzial gebraucht, das in den Menschen stecke.

„Wir sind auf einem sehr guten Weg, nicht zuletzt, weil wir hervorragend zusammenarbeiten. Die Spitze versteht sich“, erklärte der Sozialdemokrat Michael Mahlert und erntete angesichts dieser Aussage uneingeschränkte Zustimmung nicht nur von dem parteilosen Werner Grüber, sondern auch von dem Christdemokraten Hans-Günter Fischer. „Wir sind sogar von Bürgerinitiativen, die beim Thema ‚Windkraft‘ in uns ihre Gegner gesehen haben, angesprochen worden, inwieweit sie sich mit ihren Kenntnissen einbringen können“, berichtete der Bad Hönninger Verwaltungschef. Bis dies über ein Bürgerportal möglich sein wird, das zurzeit in Arbeit ist, können Ideen und Anregungen sowohl in den jeweiligen Verwaltungen der drei Verbandsgemeinden oder aber im Planungsbüro Grontmij bei Marion Gutberlet, Tel. (02 61) 3 04 39 18, E-Mail: marion.gutberlet@grotmij.de und Beatrix Ollig, Tel. (02 61) 3 04 39 41, E-Mail: beatrix.ollig@grotmij.de eingereicht werden.

Nur kurz ließen sich die Verwaltungschefs vor der Pressekonferenz von ihrer Arbeit am „Bürgerportal“ abhalten. Foto: DL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Dauerauftrag
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Anzeige Lange Samstage
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
310

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

15

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

26

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2025
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Schulze Klima -Image
fit für`s Alter?
Rund ums Haus
First Friday Anzeige März
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
PR-Anzeige
Dauerauftrag 2026
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Wohnträume
Stellenausschreibung Hausmeister/in
Anzeige Tag der offenen Tür am Zeiberberg