Gedenken an das Ende des Krieges in Erpel
Rückblick auf Rhein- überquerung der Alliierten
Erpel. Zu einer Gedenkfeier zum Ende des Krieges in Erpel kamen zahlreiche Besucher in den Eisenbahntunnel unter dem Basaltmassiv der Erpeler Ley. Schon lange vor Beginn der Feier im „Theaterraum“ bevölkerten zahlreiche Besucher den ersten Abschnitt des 383 Meter langen Tunnels, in dem der Verein Fotografien rund um die Ludendorffbrücke und die Einnahme des Tunnels durch die Vorhut der 9. amerikanischen Panzerdivision unter Leutnant Karl Timmermann zeigte. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Vitrinen, in denen etwa Totenzettel und Soldbücher gefallener Erpeler zu sehen waren.
„Ich freue mich, dass so viele zu unserer Gedenkfeier an den Original-Schauplatz gekommen sind“, so Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer, nachdem das Tambourcorps mit „Europa ohne Grenzen“ die Veranstaltung eröffnet hatte. Namentlich willkommen heißen konnte die Orts-Chefin neben Verbandsbürgermeister Kasten Fehr als Ehrengäste den Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, die Landstagsabgeordnete Ellen Demut und Landrat Rainer Kaul sowie die Geistlichen Andreas Arend und Michael Busch, die später zusammen mit dem Militärpfarrer Friedemann Schmidt-Eggert den Abschluss der Gedenkfeier ökumenisch gestalteten. Musikalisch unterstützt wurden sie von der „Null-Uhr-Kapell“
„Südlich vom Marktplatz war Erpel im März 45 komplett zerstört. Die Leute, die noch im Ort waren, suchten Schutz im Tunnel sowie im ‚Zwergenloch‘ wie etwa Matthias Ott“, erinnerte Cilly Adenauer, bevor sie sich der Frage widmete, ob Deutschland nach Kriegsende angesichts des Zivilisationsbruches „Holocaust“ überhaupt auf Unterstützung beim Wiederaufbau habe hoffen können. Der Blick auf die Vergangenheit ändere sich im Lauf der Zeit und jede Generation stelle eigene Fragen. „Jetzt sind aber wieder Erinnerungen gefragt. Entsprechend werden Zeitzeugen gesucht, welche die Kriegszeit bewusst erlebt haben und von denen es bald keine mehr geben wird“, so die Bürgermeisterin. Leider war Staatsminister a.D. Heinz Schwarz verhindert, der vor 70 Jahren als Flakhelfer auf einem Brückenturm eingesetzt war und der seinen Posten rechtzeitig vor dem Anrücken der Alliierten verlassen hatte. „Wir lernen aus der Geschichte nicht das, was wir tun sollen. Aber wir können aus ihr lernen, was wir bedenken müssen!“, zitierte Cilly Adenauer den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.
Nach Liedbeiträgen des Gesangvereins „Cäcilia Eintracht“ dankte Altbürgermeister Edgar Neustein in seinem Rückblick Zeitzeugen, deren Berichte zur Dokumentation „60 Jahre Kriegsende“ zusammengetragen worden waren. „Aus ihren Zeugnissen können und müssen wir Lehren ziehen“. Im Zeitraffer kam er über die verlorene Schlacht um Stalingrad Anfang 1943 und die Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 zur Ardennenoffensive Ende dieses Jahres, durch welche die Ludendorffbrücke als wesentlicher Teil der Rüstungsstrecke für die neue Westfront noch an Bedeutung gewonnen hatte. „So wurde sie zu einem der wichtigsten Angriffsziele für die amerikanische und britische Luftwaffe“, erinnerte der Altbürgermeister und Vorsitzender des Kulturvereins. Damit war der Krieg unmittelbar in Remagen und Erpel angekommen und dies in ungeahnter Heftigkeit. Am 28. Dezember 1944 und am 2. Januar 1945 flogen Bomberverbände die Brücke an „und ließen ihre Bombenteppiche auf die beiden Städte niedergehen“, berichtete Edgar Neustein. „Die meistern der noch in Erpel verbliebenen 489 Einwohner hatten vor den anrückenden Amerikanern in den 30 Fluchtnischen des Tunnels Schutz gesucht.“
Vehement verurteilte Edgar Neustein die Reden vom „Wunder von Remagen“, da diese als Mythos das wahre Geschehen verschleiern würden. „Im Krieg kann es nur Verlieren geben“, konstatierte er, um mit einem Zitat von Bertold Brecht seinen Vortrag mahnend zu beenden: „Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten war es noch bewohnbar, nach dem dritten war es nicht mehr auffindbar!
Einige Besucher nutzten die Gedenkfeier, um die Ausstellung im vorderen Tunneltrakt in Ruhe zu besichtigen.Fotos: DL
Altbürgermeister Edgar Neustein griff in seinem geschichtlichen Rückblick auf Berichte von Zeitzeugen zurück.
