Das Damenkomitee „Herzblättchen“ Unkel feierte seinen runden Geburtstag
Seit 80 Jahren sorgen die „jecken Wiever“ für Fröhlichkeit
Unkel. Kürzlich feierte das Damenkomitee „Herzblättchen“ Unkel seinen 80. Geburtstag im Sankt Pantaleon-Seniorenheim in Scheuren.
Große Ordensverleihung
Lange bevor die aktuelle Vorsitzende und Präsidentin, Karin Wolf, die zahlreichen Gratulanten, darunter auch Ralf Rother vom Festausschuss Siebengebirge, begrüßen konnte, stand die Ordensverleihung an die über 40 Aktiven auf dem Programm. Nachdem die stellvertretende Vorsitzende, Melanie Koch, ihr die schwere Goldkette mit dem rot-weißen Doppelherz umgehängt hatte, das von zwei glitzernden Brillanten-Kränzen umsäumt wird, erhob Karin Wolf auch die übrigen herzigen Damen in den Ordensstand.
Anschließend begrüßte sie die Heister Möhnen um Ex-Obermöhn Marianne Nussbaum und die „Kieselsteinchen“ um Käthe-Marie Hommerich sowie die Sahnehäubchen“ und die „New Diamonds“. Nicht als Karnevalisten, die durch ihren Vorsitzenden Georg Gerdom und Literat Stefan Wirt vertreten wurden, sondern als Abordnung des MGV Concordia waren Manfred Mönch und Klaus Conrad erschienen. Und natürlich gratulierten auch die „Flying Dancers“, hatte Karin Wolf doch die beliebten Tänzer bis 2001 als Trainerin schweben und fliegen lassen. In voller Band-Stärke waren auch die „Barhocker“ um Frontman Andreas Kuhsel aufgeschlagen, wollten sie den „Herzblättchen“ doch später am Abend ein fetziges Geburtstagsständchen servieren.
Ein Traum wurde wahr
Chronistin Monika Magawly berichtete in Prosa von der Gründung am 11.11.1934 unter Führung der Vollblut-Karnevalistin Gertrud Thomas, die aus der Wieverfastelovend-Hochburg Beuel nach Unkel gekommen war. Mit dieser war für die jecken Wiever der Traum wahr geworden, wenigsten im Fastelovend dem starken Geschlecht nicht nachzustehen. Nach dem Kaffeeklatsch in der Session 34/35 gestalteten die „Herzblättchen“ hochmotiviert mit den „Fidelen Nordsternen“, wie sich die aus einer Laienspielgruppe hervorgegangenen Karnevalisten damals noch nannten, den Unkeler Karneval. 1937 hatte das Damenkomitee auch am Rosenmontagszug der Stadt mit einem eigenen Wagen teilgenommen, bevor die Vereinsarbeit zwei Jahre später dann durch den Kriegsausbruch jäh unterbrochen wurde.
Während die KG unter Präsident Adolf Menden erst 1949 zuversichtlich verkündeten: „Mir fange widder aan!“, hatte „Trautchen“ Thomas bereits im Jahr zuvor mit einer als Kaffeeklatsch deklarierten Damensitzung im Saal Mürl einen Neuanfang gewagt. „Bei der Jubiläumssitzung vor fünf Jahren haben wir mit den an Wäscheleinen aufgehängten Kostümen und Präsidentinnen-Jacken, die alle von den Herzblättchen selbst genäht worden sind, von der Gründung an gezeigt, wie sich der Geschmack im Laufe der Zeit geändert hat“, erinnerte Melanie Koch.
Während die Jungmöhnen mit Twist und Rock’n Roll die Geburtstagsfeier mitgestalteten, zeigte die Altersriege ehemalige Kostüme. So hatten die „Herzblättchen“ etwa als Saloon-Girls oder Kleopatras Männerherzen gebrochen, als Seeräuberinnen und Squaws die Narren in jecken Schrecken versetzt und sich sogar in gestiefelte Kater und Kürbisse verwandelt.
Die 2. Vorsitzende Melanie Koch hängte der Vorsitzenden des Damenkomitees, Karin Wolf, den Geburtstagsorden um.
