Allgemeine Berichte | 15.07.2014

Nicht nur Köln gedenkt der Ankunft der Gebeine der „Heiligen Drei Könige“

„Übernachtung“ in Erpel liegt im Bereich des Wahrscheinlichen

Auch das „Drei-Künnige-Pötzje“ ist für Edgar Neustein und die Wisus ein Beleg für die Rast der Reliquien in Erpel. DL

Erpel. Wenn in Köln am 23. Juli der Jahrestag der „Ankunft der Heiligen Drei Könige“ festlich begangen wird, dann werden sich etliche Erpeler wohl daran erinnern, dass diese Reliquien nachts zuvor in dem Vorgängerbau von Sankt Severinus Herberge gefunden haben sollen. „Das ist natürlich eine Legende, für die kein absolut sicherer Beleg existiert. Allerdings wird sie durch eine Reihe von Indizien gestützt, die vor allem in ihrer Dichte diesen uralten Volksglauben große Wahrscheinlichkeit verleihen“, erklärt Altbürgermeister Edgar Neustein.

Unklar ist allerdings schon der Ursprung der Reliquie. Die heilige Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll die Gebeine um 326 während ihrer Pilgerfahrt nach Palästina gefunden haben. Kurze Zeit später soll der Kaiser sie dem Bischof Eustorgius geschenkt haben, der sie nach Mailand überführte, wo sich die Reliquie erstmals in der ihm geweihten Kirche nachweisen lässt. Da diese außerhalb der Stadtmauern lag, wurden die Gebeine währen der Belagerung Mailands durch Friedrich Barbarossa in den Glockenturm von Sankt Georg geschafft. „Sicher ist, dass Barbarossa die Reliquie nach der Zerstörung Mailands im März 1162 seinem engen Berater, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, am 9. Juni 1164 überließ, der gleichzeitig Erzkanzler für Reichsitalien war“, so Edgar Neustein. Dieser wollte durch die damals kostbarsten Reliquien der Zeit seine Stadt zu dem führenden Wallfahrtsort Deutschlands machen. In einem wahren Verwirrspiel um die Reiseroute wurden die Gebeine nach Deutschland geschafft und traten dort mit größter Wahrscheinlichkeit die Fahrt nach Köln auf dem Rhein an.

„Erst als das Schiff mit der wertvollen Fracht die Mündung des Kasbachs passierte, hatte sie das Hoheitsgebiet des Trierer Bischof, eines Feindes des Kölner Erzbischofs, verlassen und war damit in Sicherheit erreicht“, führte der Heimatforscher die geografische Lage von Erpel als erstes Argument für die „Übernachtung“ der Heiligen Drei Könige in dem Ort am 22. Juli 1164. Unterstützt wird er in dieser Annahme von Günter Witten und Bernd Süßmilch. „Die Hillije drei Künnije, die wollte nit nach Hünnije. Se wollte janz allein nach Erpel he am Rhein. Se wollte nit nach Runkel un schon ja nit – nach Unkel!“, schmettern die drei in dem Refrain ihres Drei-Königs-Liedes.

„Für eine letzte Rast der Reliquien in Erpel könnte auch die Tatsache sprechen, dass Rainold von Dassel bereits drei Jahre nach der Translatio die Schenkung des Dorfes an das Domkapitel bestätigte, was für den kleinen Ort eine ganz besondere Auszeichnung und Aufwertung war, wurde er auf diese Weise doch der Herrschaft weltlicher Herren enthoben“, erinnert Edgar Neustein. Rund 60 Jahre später ist der Plan des Erzkanzlers aufgegangen. Der explosiv angeschwollene Pilgerstrom erwies sich als immenser Wirtschaftsfaktor für die Stadt, allerdings war der karolingische Dom diesen Massen längst nicht mehr gewachsen. „Das Domkapitel beschließt aber nicht nur für die Reliquien eine größere Kirche zu bauten. Gleichzeitig mit der Grundsteinlegung der Hohen Domkirche Sankt Petrus 1248 wird auch in Erpel der Neubau dieser dreischiffigen Emporenbasilika begonnen, die für das kleine Dorf viel zu groß und viel zu kostbar war“, so der Altbürgermeister.

Als weiteres Argument für den Aufenthalt der Reliquie führt er das Erpeler Wappen an. „Wat sonst nur hätt Kölle, die jroße Stadt, hatt ihr euch och op de Fahn’ jemalt“, spielen die „Wisus“ auf die drei Kronen an, die auf diesem zu sehen sind. Eine erste Darstellung findet sich auf dem Schlussstein des Netzgewölbes der Turmhalle aus dem 15. Jahrhundert. „Nicht nur das. Über den gekreuzten Schlüsseln, dem Symbol für Petrus und damit der Hinweis auf den Kölner Dom, ist ein Stern zu sehen, der an den Wegweiser der Heiligen Drei Könige erinnert“, erklärt Edgar Neustein. Außerdem sei das Wappen auch auf den Ratskrügen im Rathaus und schon sehr früh im Erpeler Schöffensiegel nachzuweisen. „Zudem stand an der Nordwand der Turmhalle früher ein Altar, der den Heiligen Drei Königen gewidmet war“, erinnerte er. Das entsprechende Altarbild mit der „Anbetung der ersten bekehrten Heiden“ hängt heute im Eingangsbereich der Kirche.

„Ältere Erpeler erinnern sich auch noch an eine Monstranz mit einem Partikel der Kölner Reliquie, die zum Kirchenschatz von Sankt Severinus gehörte“, ergänzte der Altbürgermeister. Bis in die 1940er Jahre des vorigen Jahrhunderts sei diese am Festtag der Heiligen Drei Könige, an dem in den ersten Jahrhunderten „Weihnachten“ gefeiert worden war, den Gläubigen in einem Festgottesdienst zum Kuss dargeboten worden, führte Edgar Neustein ein letztes Argument für einen relativ wahrscheinlichen Aufenthalt der kostbaren Reliquien in dem kleinen Ort am Fuß der Ley an.

Auch das „Drei-Künnige-Pötzje“ ist für Edgar Neustein und die Wisus ein Beleg für die Rast der Reliquien in Erpel. Foto: DL

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