Allgemeine Berichte | 20.01.2015

Begegnung mit mittelalterlicher Geschichte in Linz

Unterricht zum Anfassen

Anerkennung fand beim Klassenlehrer und bei den Schülern in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Linzer Mauerbau-Initiative, weil diese sich in vorbildlicher Weise um den Erhalt und den Wiederaufbau der Stadtmauer (vom Pulverturm aus) kümmert und sehr bereitwillig Informationsmaterial bereitgestellt. privat

Linz. Am vorletzten Schultag vor den Weihnachtsferien fand in der Klasse 7.3 der Robert-Koch-Schule in Linz eine ganz besondere Geschichtsstunde statt. Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Alltag im Mittelalter“ übernahmen zwei Schüler auf freiwilliger Basis die Lehrerrolle. Zunächst einmal hieß es aber für alle sich dick einzupacken, denn es ging zum Unterricht an einen außerschulischen Lernort. Gerade in Linz gibt es nämlich direkt vor der Schultür mittelalterliche Geschichte zum Anfassen. Als Stundenthema wählten Sebastian Ronken und Luca Jenichen „Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt Linz“.

In Eigenregie hatten die engagierten Schüler im Vorfeld eine Führung erarbeitet. Informationen konnten sie der Stadtchronik und dem Infomaterial der „Linzer Mauerbauinitiative“ entnehmen.

Vom Standort Schulstraße führten Sebastian und Luca die Schüler zunächst zum Neutor, das als nuwer porthe bereits im Jahr 1391 seine erste Erwähnung fand. Die Mitschüler und der Klassenlehrer, Herr Wilbert, wurden darüber informiert, dass die Anfänge des Mauerbaus wohl bis in die Jahre um 1320 zurückgehen. Dieses Projekt sei damals über Jahrhunderte hinweg mit Abstand die bedeutendste finanzielle Anstrengung der Stadt gewesen. Auch nach Vollendung des Baus hätte man sie wegen Bränden, Einwirkungen des Hochwassers und Angriffen feindlicher Ritterheere immer wieder renovieren müssen. Am zweiten erhaltenen Tor, dem Rheintor, erhielten die Schüler eine kurze Info über die Funktion der Stadtmauer. Sie staunten nicht schlecht, als sie über die ursprüngliche Länge des Befestigungsringes von etwa 1500 Metern aufgeklärt wurden. Ferner zeigten sich die Schüler von den Hochwassermarkierungen am Rheintor beeindruckt und waren froh, dass sie heute trockenen Fußes weiter zum Pulverturm marschieren konnten. Verpflegt wurden die Schüler unterwegs von der stellvertretenden Klassenelternsprecherin Frau Ronken, die den Schülern schmackhaftes Weihnachtsgebäck anbot.

Den Endpunkt der Führung bildete ein besonders gut erhaltener Teil der Stadtmauer im Schulhofbereich des unteren Schulstandortes „Im Rosengarten.“ Im nächsten Schuljahr können die Schüler das beeindruckende Bauwerk aus Basalt und Bruchstein aufgrund des obligatorischen Standortwechsels in Klasse 8, direkt aus dem Fenster ihrer Klassenräume bewundern.

Sebastians und Lucas anekdotenreiche Führung konnte den Mitschülern etwas ganz Besonderes ermöglichen: Die lebendige Begegnung mit Geschichte zum Anfassen vor Ort. Vielleicht werden die Schüler in Zukunft mit wachsameren Augen an historischen Baudenkmälern vorbeigehen und nun auch verstehen, wieso die mittelalterliche Altstadt von Linz jedes Jahr Besucher von nah und fern anzieht.

Als Lehrer berichten Sebastian Ronken und Luca Jenichen über die Befestigung der mittelalterlichen Stadt Linz.

Als Lehrer berichten Sebastian Ronken und Luca Jenichen über die Befestigung der mittelalterlichen Stadt Linz.

Anerkennung fand beim Klassenlehrer und bei den Schülern in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Linzer Mauerbau-Initiative, weil diese sich in vorbildlicher Weise um den Erhalt und den Wiederaufbau der Stadtmauer (vom Pulverturm aus) kümmert und sehr bereitwillig Informationsmaterial bereitgestellt. Fotos: privat

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