Josef „Jogi“ Marx aus Mayen ist kreativ und für den guten Zweck bettelt er auch
25 Jahre gegen Antisemitismus, rechte Gewalt und Armut unterwegs
Mayen. Fragt man in Mayen nach Josef Marx erntet man weitgehend ein Kopfschütteln. Sagt man "Jogi", ist meistens der Nachname schon nicht mehr nötig, nicht mal in den umliegenden Dörfern der Region. Das liegt sicher auch daran, weil Jogi jetzt seit etwa 25 Jahren gegen Antisemitismus, rechte Gewalt und Armut unterwegs ist. Mit kreativem Enthusiasmus tritt er für die Völkerverständigungein und auf seine Initiative waren bereits Jugendgruppen aus Russland, Finnland, Ungarn und besonders Israel in Mayen zu Gast. Seit elf Jahren kennt man Jogi Marx mit seiner Wunschbaumaktion, für die er unerschrocken in den Wochen vor Weihnachten bei Wind und Wetter auf dem Mayener Marktplatz steht, manchmal milde belächelt, aber weil er weiß weshalb, trifft ihn das nicht.
Für couragierte Aktivitäten
Für seine vielfältigen couragierten Aktivitäten wurde Jogi Marx jetzt vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt“ ausgezeichnet als einer der Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“. Die Auszeichnung fand zudem im Mayener Rathaus statt und bewog viele Unterstützer, der Zeremonie beizuwohnen. Unter vielen anderen waren da beispielsweise die Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse und der Volksbank zu sehen. Bei anderen Veranstaltungen lassen sich die beiden viel beschäftigten Herren schon mal vertreten. Auch Ehrenbürgerin Therese Tutas nahm Jogi Marx freundschaftlich in den Arm. „Es freut mich ganz besonders, dass ausgerechnet Du diese Auszeichnung bekommen hast“, waren hier die Parteigrenzen überhaupt gar kein Problem.
Wie alles begann...
Zur Auszeichnung gehört auch ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro. Das Geld wurde vom Bündnis bereits im vergangenen Jahr ausgezahlt und war innerhalb kürzester Zeit wieder weg. Dafür hat Jogi Weihnachtstüten gepackt, jede mit einem Wert von annähernd vierzig Euro. Die Tüten hat Herr Marx an Bedürftige und Kinder verteilt. Dass darunter auch schon mal eine Person ist, die eine solche Spende eigentlich nicht nötig hätte, ist zwar ärgerlich, lässt sich aber nie ganz vermeiden. Bereits im jugendlichen Alter von 16 Jahren hatte die „soziale Karriere“ von Josef Marx mit einem freiwilligen Dienst im Krankenhaus begonnen, der sechs Jahre dauerte. Gerne hätte er diesen Aufgabenbereich zum Beruf gemacht. Doch dann war es eine Mechanikerlehre und als Fernfahrer lernte er später die Hauptstädte Europas kennen. Dr. Gregor Rosenthal ist Leiter der Geschäftsstelle des Bündnisses in Berlin, mittlerweile nahezu zum Freund geworden und lenkt im Gespräch die Aufmerksamkeit auf Ehefrau Theresia. Genau wie ihren Mann kennt der Geschäftsstellenleiter sie bereits seit Jahren, weil das Bündnis schon mehrfach Hilfe geleistet hat mit direkter Unterstützung, Anregungen und Materialien. „Es ist schon einige Jahre her“ verriet Herr Dr. Rosenthal „da hat Herr Marx schon einmal eine Ehrung erfahren.“ Ehefrau Theresia ist jetzt schon 43 Jahre mit ihrem Ehemann zusammen. „Man ist immer noch verwundert, wenn plötzlich kein Mehl, Zucker und Butter mehr im Haus ist, obwohl ich es eingekauft hatte. Da hat er mal wieder irgendwo ausgeholfen“, sagt Theresia mit einem Lächeln „aber wir sind ja ein Familienbetrieb.“ Genau wie zu Zeiten als Fernfahrer ist der 69-Jährige auch heute selten zu Hause. Neue Projekte und seine guten Kontakte zum Jobcenter, den Banken und vielen Mayener Firmen fordern ihn täglich im Sinne vieler Schützlinge. „Besonders dankbar bin ich für mein gutes Verhältnis zum REWE-Supermarkt“ berichtet Jogi Marx „die haben ebenso wie viele Firmen immer ein offenes Ohr für meine Anliegen und haben im letzten Jahr eine Weihnachtsfeier für 150 Kinder gesponsert in ihren Räumlichkeiten.“ Einen besonderen Eindruck im Leben von Jogi Marx hat ein Besuch hinterlassen im Konzentrationslager Theresienstadt. Mehrere Besuche in Dachau hat Jogi daher inzwischen durchgeführt mit Jugendgruppen.
Die wichtigsten Aufgaben
Stolz berichtet er „Die Jugendlichen haben nachhaltige Eindrücke gewonnen und sich streng an das Reisereglement gehalten: Im Bus wird nicht geraucht, Alkohol ist verboten und der Messebesuch im katholisch geprägten Bayern Pflicht.“ Natürlich kümmert sich die Familie Marx auch um Flüchtlinge und hat in ihrem Haus eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen. „Meine wichtigste und schönste Aufgabe ist aber die Israelarbeit und die gegen Rechtsextremismus“, verrät der Preisträger. In der Tat hat Herr Marx mehrfach Jugendaustausch von und nach Israel organisiert und war mehrfach persönlich dort.
„Wenn ein Jugendlicher meiner Überzeugung zufolge kein Geld hat, um mitzufahren“, versichert Herr Marx „dann gehe ich dafür auch betteln.“ Inzwischen hat er gute Kontakte zur israelischen Botschaft und zu Tibor Shalev Schlosser, dem Generalkonsul des Staates Israel. Der kommt gerne nach Mayen, sei es für die Eröffnung einer Ausstellung oder zur Diskussion an Schulen. Josef „Jogi“ Marx ist kreativ, unkonventionell und hat immer ein neues Projekt auf dem "Bildschirm".
Auch im Sinne der Stadt Mayen sei dem neuen Preisträger noch lange die Kraft dazu gegönnt und gesundheitliche Fitness.
