Ettringer Dorfmittelpunkt „Quo Vadis“
Bauvorhaben im Eifelort am Hochsimmer stagniert - Neues Gemeindehaus soll an der Kreuzstraße entstehen
Ettringen. Für das Bauvorhaben „Ettringer Dorfmittelpunkt“ ist erst einmal „Ende der Legende“ angesagt. Allerdings möchte man sich weiterhin um eine befriedigende Lösung für alle Ettringer Bürgerinnen und Bürger bemühen. Das ebenfalls dort geplante Gemeindehaus soll, auf Vorschlag der CDU Fraktion, laut Ratsbeschluss, bei zwei Gegenstimmen nun, in der Kreuzstraße, als Neubau in „abgespeckter Form“ entstehen. Danach wird dann das sanierungsbedürftige, bisherige Gemeindehaus abgerissen. „Noch nie hat ein Vorhaben in Ettringen eine solche Diskussion ausgelöst. Und laut Ortschef Werner Spitzley kamen noch nie so viele Bürgerinnen und Bürger zur öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwoch der vergangenen Woche. Und das war es gut so. Zeigte es doch das Interesse der „Dilledäpp“ in jedweder Art an den Geschehnissen in ihrem geliebten Dorf am Hochsimmer.
Besonders die Punkte 1 „Dorfmittelpunkt Sachstandsbericht“ und Punkt 2 der Antrag der CDU Fraktion „Bau eines Gemeindehauses“ interessierten die Zuhörer brennend. Der Sitzungssaal platzte sprichwörtlich aus allen Nähten. Nun, die Meinungen im Auditorium über die „unendliche Geschichte“, gingen zwar oft immens auseinander. Von: „Das Ganze hin und her geht mir „auf den Sack“, oder „ich kann das bald nicht mehr hören“, über „die Gemeinderäte sollten mehr an uns Bürger denken“, bis hin zu den Äußerungen, man fühle sich nicht genügend informiert.
Wie geht es weiter?
Nun, zur Zeit sind auf der Fläche des Dorfmittelpunktes zwischen Pfarr-, Bäcker- und Hauptstraße, die vor Monaten nach Abrissarbeiten der Hausbestände eingeebnet wurde, nur einige Sandhaufen zu sehen. Dies ist nicht etwa das Zeichen eines etwaigen Baubeginns, sondern hier wird lediglich Erde, resultierend aus den Straßenbauarbeiten in der Alten Schulstraße, zwischen gelagert, die nachher wieder verfüllt wird. Es sollte ein Vorzeigeobjekt werden, dieser Dorfmittelpunkt in Ettringen. So richtig mit wichtigem Supermarkt, Senioren WG oder Café mit kleiner Außengastronomie. Um dadurch das kulturelle, gesellschaftliche Leben und auch die Sicherheit in Punkto Infrastruktur für ältere Menschen zu gewährleisten. Dass die Bürgerinnen und Bürger „daheim“ sein können, in gewohnter Umgebung ihres geliebten Ettringen“. Seniorenwohngruppen haben den Vorteil, dass hilfs- und pflegebedürftige Menschen dort einziehen und mitten im Dorfleben bleiben. Dann war das Gemeindehaus mit Räumlichkeiten für Ortsbürgermeister, Sekretärin, Küche, Besprechungsraum Gemeindesaal, und ein Seniorentreff, vorgesehen, alles barrierefrei zu erreichen, da die Renovierung des alten Gebäudes in der Kreuzstrasse, laut Gutachten, nicht mehr lohnenswert sei. (Blick aktuell hatte darüber berichtet).
Vor dem Gebäudekomplex sollte ein großer Platz, zur Hauptstraße hin, für unterschiedliche Aktivitäten angelegt werden. Da das Gelände einen Fallbereich von fast fünfeinhalb Metern hat, wurde im Kellerbereich noch eine kleine Tiefgarage eingeplant. In der nun entscheidenden Sitzung begann der Ortsbürgermeister seine Ausführungen mit einem exzellent zusammengestellten, achtseitigen Bericht, um die Anwesenden, akribisch genau, noch einmal über den Werdegang, von Beginn an bis zum heutigen Stand, des gesamten Vorhabens, das eigentlich vor nunmehr drei Jahrzehnten begann, als das erste Objekt im Dorfmittelpunkt, der Bauernhof von Ferd Ackermann, durch die Ortsgemeinde erworben wurde, zu informieren.
Es gab zwischendurch Überlegungen dort ein Dorfzentrum oder gar die Hochsimmerhalle entstehen zu lassen. Als am 30. 11.2009 von einem neuen Dorfmittelpunkt gesprochen und auch dieser vorgestellt wurde, waren alle Fraktionen von dem neuen Konzept begeistert. So weit so gut.
Vielfach gab es bei den Ausführungen, bei denen alle Summen, und Zusagen aufgeführt waren, auch spontanen Applaus der Zuhörer. Nicht so, als sich Werner Spitzley, gegen die, wie er sagte, „Unwahrheiten in den vorher erschienen Presseberichten der SPD Fraktion“ verwehrte, die das Bauvorhaben Gemeindehaus darin als möglich geplatztes „Luftschloss“, genannt hatten. Außerdem sei es nicht richtig, dass die Ortsgemeinde beabsichtige, 1,5 Millionen Euro zu investieren. Spitzley versicherte, dass der Zuschuss von 415.000 Euro für ein, von der Gemeinde selber errichtetes Gemeindehaus, wie bei der Sitzung später vom Rat beschlossen, bis zum 31. 12. verlängert würde, und beschwor die Ratsmitglieder, fair und sachlich miteinander umzugehen, um für Ettringen das Beste umzusetzen. „Dafür sind wir alle gewählt worden“, wurde wieder mit Applaus bedacht.
Die Zeit für den Baubeginn eilt also im Sauseschritt. Das sah auch der CDU-Sprecher, Jürgen Kanthak, genau so. „Wenn der Standort eines Gemeindehauses im Dorfmittelpunkt nicht mehr realisierbar und das alte Gemeindehaus unwirtschaftlich zu sanieren ist, dann ist wohl eine Neubaulösung das Beste“. Vorsorglich unterbreitete Architekt Egon Schäfer dem Rat schon einmal unverbindlich von ihm vorbereitete Entwürfe eines Gemeindehauses in „abgespekter“ Form, in einer etwaigen Kostenhöhe von ca. 950.000 Euro, auf dem bekannten Areal in der Kreuzstraße, aber ebenfalls zweckmäßig ausreichend. Mit Gemeindesaal, Seniorentreff, Foyer, Küche, Toilettenanlage, und Bereich für die Verwaltung der Ortsgemeinde. Für Werner Spitzley blieb nur zu informieren: „Ob nun ein Supermarkt, oder ein altersgerechtes Wohnen im Dorfmittelpunkt errichtet wird, weiß ich nicht“. Ich weiß nur, dass bis zum 31.12. 2018 eine gewerbliche Nutzung auf der Fläche stattfinden muss, da sonst die Gelder in Höhe von 440.000 Euro an die WfG zurückgezahlt werden müssen. Man möchte jedenfalls „am Zug“ bleiben.
Hier wurde bezüglich der Gestaltung dieses Areals aus dem Besucherkreis heraus auch ein Ideen-Wettbewerb angeregt. Auch der Investor, Helmut Bayer, ergriff kurz das Wort und bekräftigte, dass er nach wie vor hinter dem Projekt „Dorfmittelpunkt“ stehe. „Ich würde gerne weiter machen, habe aber bisher keinen Betreiber für den Supermarkt gefunden“. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden, Frank Klasen, stand gegenüber „Blick aktuell“ fest: „Meine Meinung war immer und ist immer noch, Sanierung des alten Gemeindehauses, wenn es wirtschaftlich vertretbar ist. Wenn dies nicht machbar ist, in dem Rahmen, wie wir es jetzt nutzen können, wieder neu bauen, mit vernünftigen Toiletten, behindertengerecht, sodass die Bürger das wieder nutzen können“.
Warum aber hatte die SPD die ADD angeschrieben? Klasen: „Wegen des Zuschusses haben wir nur deshalb an die ADD geschrieben, weil wir bestätigt haben wollten, dass dieser Konstrukt, wie er mit Gemeinde und ADD verabredet war, auch tatsächlich zum Zuge kommt, dass uns die Förderungen nicht entgehen“. Denn man hätte in der maßgebenden Sitzung seitens seiner Partei keine ausreichenden Unterlagen bekommen, um nachvollziehen zu können, wofür die Gemeinde 840.000 Euro ausgibt und man nicht im Detail gewusst hätte was an Maßnahmen ergriffen würde. „Wir bringen unsere Einwände nicht, um die Ettringer Bürger zu verärgern, wir möchten das auch für unser Dorf haben, und wir sind nach wie vor dafür. Wir hätten gerne einen Dorfmittelpunkt, mit Gewerbe zum Einkaufen oder dem betreuten Wohnen. Das Konzept hat uns ja gefallen. Was uns gestört hat, war, dass man eine Summe von 840.000 Euro für ein Gemeindehaus ausgibt“, so Klasen abschließend-
Ettringens Ortschef vermisste allerdings beim Gespräch mit unserer Zeitung, das im Presseartikel der SPD-Fraktion im Vorfeld angekündigte Konzept, das sie dem Rat vorstellen wollte: „Die Sitzung ist vorbei und es ist noch kein Plan vorgestellt worden. Ich glaube auch nicht, dass das Ganze weiterhin im Krach endet. Ich habe meine Arbeit immer getan, und finde es nicht gut, wenn man mich, wie mit dem Brief an die ADD geschehen, hinten herum angeschwärzt wird. Ich habe meine Zusammenarbeit angeboten, und ich glaube, wer mich kennt, der weiß, dass ich der Letzte bin, mit dem man nicht über alles reden kann. Ich mag es nur nicht, wenn man von mir etwas erfahren will, das man dann hinten herum gegen mich verwendet. Und ich finde es schade, dass es jetzt im Dorfmittelpunkt wieder bei „Null“ anfängt. Man sollte sich dabei auch dem letzten Strohhalm festhalten. Nur was Herr Bayer als Investor von mir, zwecks Nachforderung, mit einer Absichtserklärung, drei Tage vor Notartermin, verlangt hat, das geht natürlich auch nicht. Das kann ich meiner Ortsgemeinde nicht antun. Denn erstmals war dabei die Rede davon, dass die Gemeinde eine Genossenschaft gründen solle, die dann den Supermarkt betreibt. Dies wurde allerdings von der OG abgelehnt. So geht man nicht miteinander um, wenn man vier Jahre zusammengearbeitet hat“, betonte Bürgermeister Werner Spitzley abschließend.
So viele Besucher gab es noch in keiner Ettringer Gemeinderatssitzung.
Hier, im vorderen Bereich, wird nach dem Beschluss des Rates das neue Gemeindehaus entstehen. Das „Alte“ hinten rechts wird danach abgerissen. Fotos: Bernd Schmitz
