Allgemeine Berichte | 29.05.2015, 10:55 Uhr

Kinderbuchklassiker lässt die Herzen in Mayen glühen

Heidi macht die Burg zur Schweizer Alp

Heidi macht die Burg zur Schweizer Alp
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Mayen. Einen wahren Klassiker hat Intendant Peter Nüesch in dieser Saison für das Kinderstück ausgesucht: „Heidi“ von Johanna Spyri kommt auf die Bretter im Hof der Genovevaburg. Und die vermeintlich verstaubte Geschichte um das Waisenkind Adelheid, das alle nur Heidi rufen, wirkt so herrlich schwungvoll und so herzerwärmend, dass es den kleinen wie großen Zuschauern nur Freude bereiten wird. Das beginnt schon mit der Ansage, die einen echten Schweizer Alpenjuchzer mit dem Publikum übt. Dann betreten Tante Dete (sympathisch resolut: Luna Metzroth) und Heidi die Bühne, sie sind unterwegs zum Großvater Alpöhi, um das Enkelkind dort abzuliefern. Denn Dete hat in Frankfurt eine Stelle gefunden und kann nicht länger auf das Waisenkind aufpassen. Der Aufstieg auf die Alp wird mittels diverser Treppen, die es hinauf und herunter zu gehen gilt, versinnbildlicht, die Darsteller haben in den gut 70 Minuten eine Menge zu laufen.

Doch der griesgrämige Alte (herrlich knorrig von Werner Schwarz gegeben) ist zunächst gar nicht begeistert von dem Besuch, der auch noch für immer bleiben soll. Es dauert aber nicht lange, bis er dem Charme seiner aufgeweckten Enkeltochter erliegt. Die erobert aber nicht nur dessen Herz, sondern auch das des Geißenpeters. Tino Leo gibt dem Ziegenhüter jugendliche Gestalt und strahlendes Gesicht. Wenn Heidi und Peter zusammen unterwegs sind, ist gute Laune angesagt, die ansteckend wirkt, auch auf das Auditorium. Kaum hat sich Heidi gut eingelebt, kommt die Dete wieder, um sie zu holen. Im Haushalt der Herrschaften gibt es ein gelähmtes Mädchen, dem Heidi Gesellschaft leisten soll.

Abschied von der Alp

Also muss Heidi die geliebte Alp verlassen und nach Frankfurt ziehen, wo man keine Berge sehen kann, steigt man auch noch so hoch. Dafür muss man das Alphabet lernen, alle 26 Buchstaben, man stelle sich das vor. Dafür sorgt das strenge Fräulein Rottenmeier (Cheryl Baulig), die dem Wirbelwind zudem noch städtische Etikette beizubringen versucht. Doch Heidi setzt auch im ungeliebten Flachland ihren Siegeszug der Herzen fort und nimmt Klara für sich ein. Regina Graf verkörpert das im Rollstuhl sitzende Kind glaubhaft, ohne zu übertreiben. Beide werden dicke Freundinnen, was später zu Problemen führen wird. Denn als die vor Heimweh kranke Heidi zurück in die Berge darf, folgt ihr die ganze Sippschaft nach. Und der eifersüchtige Geißenpeter stößt Klaras Rollstuhl den Abhang hinunter…

Variables Bühnenbild und zünftige Kostüme

Das variable Bühnenbild verwandelt den Burghof mittels Schiebeelementen mal in eine Alpenlandschaft, dann wieder in ein Frankfurter Studierzimmer. In zünftigen Kostümen (Marcel Zaba) agiert das Ensemble mit beachtlicher Spiellaune. Das offenbart eine der Stärken des Kinderstückes, das von den Verantwortlichen eben nicht als Nebenprodukt des Festspielbetriebes angesehen wird, sondern seinen gleichrangigen Platz an der Seite der übrigen Aufführungen hat. „Heidi“ wurde sorgfältig inszeniert, perfekt ausgestattet und mit Lust und Laune dargebracht. Bis in die kleinste Rolle gut besetzt - als Beispiel sei hier nur Michael Sobotka genannt, der aus dem Diener Sebastian das Maximale herausholt, machen die agilen Akteure den Nachmittag zu einer runden Sache, die begeistert. Dass Heidi auch die Herzen berührt, ist Eva Wiedemanns Verdienst. Ihrer Darstellung der Titelfigur kann man sich nicht entziehen, sie spielt mit so viel Präsenz und Überzeugung, dass man sie nur lieben kann.

Doch bei aller Botschaft, die da lautet „wer sich nicht kümmert, hat selbst bald Kummer“, gibt es auch viel zu lachen in Nüesch‘s Alpenmärchen. Da fließt aus einem gemalten Brunnen tatsächlich Wasser (die ersten, besprühten Reihen können es bezeugen), da treiben eine Kräuterhexe und ein Käsekobold Schabernack, da wird übereinander gestolpert und gefallen, selbst die Folgen einer Katzenhaarallergie sind zu bewundern. Und gesungen wird, nicht nur zum guten Schluss, als klar wird: Auf der Alp, da ist das Glück zu Haus. Fazit: Juchhe, auf nach Mayen, Heidi wartet!

Heidi soll der gelähmten Klara nur Gesellschaft leisten, aber die beiden werden beste Freundinnen.

Das vorher so strenge Fräulein Rottenmeier wird am Arm von Klaras Vater plötzlich sanft und anschmiegsam.

Alle Mitwirkenden singen ein zünftiges Schlusslied.

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