Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V.
„In jedem Handy steckt Blut aus dem Kongo“
Delegation aus Goma berichtet in Mayen von ihrer Arbeit mit Kindersoldaten
Mayen. Eine Delegation von Caritas international, die sich im Kongo um Kindersoldaten kümmert, stattete dem Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. in der Geschäftsstelle Mayen einen Besuch ab, um mehr über IN TERRA Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge von den Caritas-Mitarbeitern Gabriele Markert, Cindy Vogel-Hürter und Markus Göpfert, Leitung des Fachdienstes Migration, zu erfahren. Emmanuel Gahima und Jean-Marie Vianney, Caritas Goma, sowie Pia Cüppers, Christine von Lossau und Stefan Teplan von Caritas international zeigten sich beeindruckt von der professionellen Hilfe in Mayen.
Im Kongo wird die meiste psychosoziale Arbeit von Laien geleistet, da nur wenige Psychologen und Sozialarbeiter zur Verfügung stehen. Emmanuel Gahima und Jean-Marie Vianney leiten ein Projekt, das im Kongo mit traumatisierten Ex-Kindersoldaten arbeitet. Und sie berichteten von der Ermordung oder Verstümmelung von Kindersoldaten, Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser, Verweigerung der humanitären Hilfe für Kinder, der Rekrutierung und Mobilisierung von Kindersoldaten, sexueller Gewalt, Verschleppung von Kindern und vielem mehr. Auch Mädchen werden gefangen genommen und zu Kindersoldaten ausgebildet. Erst müssen sie kochen und waschen, dann beim Plündern helfen; irgendwann kriegen sie ein Maschinengewehr in die Hand gedrückt und lernen den Krieg. Emmanuel Gahima: „Bei der Rekrutierung von Kindersoldaten wird versucht, den Kindern sämtliche Hemmschwellen zu nehmen. Viele müssen zusehen, wie Verwandte enthauptet werden.“ Im Kern geht es um den Rohstoff Coltan, ein sehr leitfähiges Metall, das zur Herstellung von Chips vor allem in der Telekommunikation gebraucht wird. Emmanuel Gahima: „In jedem Handy steckt Blut aus dem Kongo. Das geht so weit, dass Telekommunikationskonzerne Waffen an die Rebellen liefern, die Kindersoldaten rekrutieren.“ 2600 Kinder, die Dunkelziffer nicht mitgerechnet, erleben zurzeit in den Rebellengruppen die Hölle. Caritas Goma betreibt als einzige Institution vier Übergangszentren. Die Arbeit ist nicht ungefährlich, müssen die Caritas-Mitarbeiter doch Druck auf die Rebellengruppen ausüben, damit Kindersoldaten freigegeben werden. Andere Kindersoldaten konnten fliehen. 30.500 Kinder wurden bisher entlassen. Bei der Entwaffnung der Kinder wird die Caritas von Polizei, der Armee oder von einem Unterzentrum der UNESCO unterstützt. Behutsam wird Vertrauen entwickelt, wurden die Kinder doch bereits mit 7 oder 8 Jahren rekrutiert. Die Zurückführung in die Familien gelingt nur zur Hälfte, denn die Dorfgemeinschaft betrachtet die Jungen und Mädchen häufig als Monster. In einer „Versöhnungskultur“ muss den Älteren beigebracht werden, dass das Kind unschuldig ist. Die Resozialisierung der Kinder ist schwierig, so Emmanuel Gahima: „Sie hatten gelernt, wer eine Waffe hat, hat die Macht. Jetzt müssen sie sich eingliedern.“ Da die Diözesen sehr weit in die Dörfer hineinreichen, konnte mit Unterstützung von Caritas international ein Multiplikatoren-Pool an Laien-Mitarbeitern aufgebaut werden. Die psychosozialen Helfer werden über die lokalen Pfarreien ausgebildet.
Es war eine intensive Begegnung in Mayen, die einen Blick in ein nur an Bodenschätzen reiches afrikanisches Land gewährte. Mit diesem Wissen ist es verständlich, weshalb Menschen massenhaft aus Afrika fliehen. Wenige bereichern sich und viele müssen die Zeche bezahlen, erleben Erniedrigung, körperliche Gewalt und Mord.
Im Gespräch konnten die Caritas-Vertreter auch feststellen, dass es zwischen der Arbeit in Mayen und der psychosozialen Arbeit im Kongo Überschneidungen gibt. Die Vorgehensweise ist bei allen unterschiedlichen Rahmenbedingungen doch ähnlich und verfolgt denselben Ansatz.
