Berufliche Integration Mayen
Individuelle Unterstützung für nachhaltige berufliche Integration in Mayen
aus Mayen
Mayen. Individuelle Begleitung, starke Netzwerke und passgenaue Unterstützung können den entscheidenden Unterschied auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Berufsleben machen. Wie erfolgreich dieser Weg gelingen kann, zeigt die Geschichte von Frau Al Barkomi, die über das Projekt FAiR plus neue berufliche Perspektiven gefunden und sich nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert hat.
Das Projekt FAiR plus wird im Rahmen des Programms „WIR – Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Ziel des Projekts ist es, Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung individuell auf ihrem Weg in Ausbildung, Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe zu begleiten und dabei regionale Netzwerke zu nutzen.
Frau Al Barkomi stammt aus Syrien. Schon als Kind war sie erfolgreiche Turnerin und später als Sportlehrerin und Turntrainerin tätig. Nach einem begonnenen Wirtschaftsstudium führte sie ihr Lebensweg zunächst nach Abu Dhabi, wo sie viele Jahre im Sportbereich arbeitete.
Im Jahr 2016 floh sie mit ihren beiden Kindern nach Deutschland. Später wurde ihr drittes Kind hier geboren. Nach ihrer Ankunft in Deutschland stand sie vor großen persönlichen und beruflichen Herausforderungen. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse und mit zunächst unklaren beruflichen Perspektiven bezog sie Bürgergeld und wurde im Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz auf das Projekt FAiR plus aufmerksam.
Rückblickend beschreibt sie diese Unterstützung als „einen Rettungsring“. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Projekts konnten nicht nur persönliche Schwierigkeiten aufgearbeitet werden. Vor allem erhielt sie neue berufliche Perspektiven und wichtige Kontakte in den Sportbereich. Durch die Vernetzung mit der Coblenzer Turngesellschaft, dem Landessportbund Rheinland-Pfalz und weiteren Partnern gelang ihr der Wiedereinstieg in ihre frühere Leidenschaft – den Sport.
Zunächst arbeitete sie im Rahmen eines Minijobs als Trainerin im Leistungsturnen mit Jugendlichen. Es folgten Bewegungsangebote für Frauen in Kooperation mit „Integration durch Sport“, Tätigkeiten als Betreuungskraft an einer Grundschule sowie Kinderturn- und Step-Aerobic-Kurse in Mayen. Parallel dazu absolvierte sie erfolgreich ihren Trainerschein und qualifizierte sich zur Fitness- und Reha-Trainerin weiter. Auch heute bildet sie sich kontinuierlich fort, unter anderem im Programm „Fit für die Vielfalt“.
Über die im Projekt geknüpften Kontakte entstand außerdem eine Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG). Dort führt Frau Al Barkomi an verschiedenen Standorten Bewegungs-, Yoga- und Gesundheitsmodule durch. Darüber hinaus begleitete sie Fahrradkurse der Stadt Neuwied und engagiert sich weiterhin in unterschiedlichen Sportprojekten.
Der nächste wichtige Schritt war die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Nach mehreren Bewerbungen fand sie eine Teilzeitbeschäftigung als Verkäuferin. Ihr Arbeitgeber unterstützt ihr sportliches Engagement durch flexible Arbeitszeiten, sodass sie beide Tätigkeiten erfolgreich miteinander verbinden kann.
Besonders am Herzen liegt ihr jedoch die Arbeit mit Frauen, die oftmals nur eingeschränkten Zugang zu Sportangeboten haben.
„Es ist mir wichtig, den Frauen, die sonst keine Chance haben, Sport zu machen, ein Angebot anzubieten. Ich erlebe immer wieder, dass ich ihnen nicht nur bei gesundheitlichen Problemen helfen kann, sondern auch dabei, neue Perspektiven zu entwickeln – sei es bei der Arbeitssuche oder beim Umgang mit Stress. Durch Sport entstehen Kontakte, Netzwerke und neues Selbstvertrauen“, berichtet Frau Al Barkomi.
Auch Stefan Kohlhage, Projektmitarbeiter von FAiR plus , hebt die Bedeutung der individuellen Begleitung hervor: „Die Geschichte von Frau Al Barkomi zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in den Menschen steckt. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen und Brücken zu Arbeitgebenden, Vereinen und Netzwerken zu bauen. Wenn Menschen dadurch langfristig beruflich Fuß fassen und gleichzeitig ihre Stärken für die Gesellschaft einbringen können, ist das der größte Erfolg unserer Arbeit.“
Heute ist Frau Al Barkomi seit eineinhalb Jahren unabhängig vom Bürgergeld. Sie besitzt inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit und blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Ihr Ziel ist es, weiterhin Menschen aller Altersgruppen – Frauen, Männer und Kinder – für Bewegung zu begeistern und Gesundheit sowie Lebensqualität durch Sport zu fördern. Langfristig möchte sie ihre Tätigkeit im Sportbereich weiter ausbauen und den Weg in die Selbstständigkeit fortsetzen.
Die Entwicklung von Frau Al Barkomi zeigt beispielhaft, wie durch die enge Zusammenarbeit des Jobcenters Landkreis Mayen-Koblenz mit dem Projekt FAiR plus nachhaltige berufliche Integration gelingen kann. Individuelle Beratung, gezielte Qualifizierung und starke regionale Netzwerke schaffen Chancen – für die Teilnehmenden ebenso wie für den regionalen Arbeitsmarkt.
Weitere Themen
Vlnr. Herr Kohlhage (Projekt FAiR plus) und Frau Al Barkoni Foto: Daisy Hansen
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