Bürgermeisterkandidaten stellen sich beim Meckenheimer Verbund vor
300 Interessierte verfolgen Diskussion
Bert Spilles, Brigitte Kuchta und Reinhard Diefenbach stellen sich drei Stunden lang den Fragen in der Schützenhalle
Meckenheim. Die Stadt hat in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt, heute ist Meckenheim nach wie vor politisch interessiert. Das zeigte sich am Donnerstagabend in der Schützenhalle. Etwa 300 Bürger verfolgten gebannt die Diskussionen mit den drei Bürgermeisterkandidaten. Amtsinhaber Bert Spilles (CDU), Brigitte Kuchta (SPD) und Reinhard Diefenbach für die Bürger für Meckenheim (BfM) stellten sich den Fragen der Interessenten. Andere Kommunen und Politiker wären froh, wenn so viele Bürger zu einer solchen Runde kämen, in der Rosenstadt zeugt der hervorragende Besuch von reger Anteilnahme. Der Meckenheimer Verbund hatte eingeladen, und die Halle war proppenvoll. Vorsitzender Willi Wittges-Stoelben begrüßte die drei Kandidaten und als Moderator den Journalisten Hans-Peter Fuß. Der leitete mit dem Zitat von Jürgen Becker ein, „Dann wollen wir uns mal einen netten Abend machen“, und so wurden die spannenden drei Stunden dann auch.
Fachliche und sachliche Kompetenzen
Brigitte Kuchta stellte sich kurz vor und betonte, dass sie Sach-, Fach- und soziale Kompetenz mitbringe, um eine Verwaltung zu leiten. Sie könne Menschen motivieren und leiten, sei ihr ganzes Leben gewohnt zu lernen und denke nicht in Hierarchien. Auf Nachfragen ergänzte sie, sie habe bereits als Diplom-Biologin an Großprojekten mitgearbeitet und eigene Modelle freiberuflich entworfen. Der pensionierte Berufs-Offizier Reinhard Diefenbach hatte in den 30 Jahren bei der Bundeswehr erst Elektrotechnik studiert und im Laufe seiner Dienstzeit verschiedene Behörden geleitet, teilweise mit Hunderten von Mitarbeitern. Er forderte, die Meckenheimer Stadtverwaltung müsse „seriös, nachhaltig und leistungsorientiert“ arbeiten. Seine Wählervereinigung hänge „nicht am Tropf von Parteien, muss nicht auf Kreis, Land und Bund Rücksicht nehmen“. Bert Spilles bezeichnete sich als „echter Verwaltungshengst“, er habe bei der Stadtverwaltung Meckenheim gelernt, sei Diplom-Verwaltungswirt, seine Stationen waren unter anderem EU-Vertretung in Brüssel sowie deutsch-australische IHK in Sydney. Seit sechs Jahren ist er Bürgermeister und könne auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik zurückschauen. Gegen den Vorwurf Diefenbachs, die Arbeit im Rathaus sei sehr verbesserungswürdig, verwehrte sich Bert Spilles und erntete den ersten langen Applaus des Abends, als er den Mitarbeitern sehr engagierte und gute Arbeit attestierte.
Bau- und Gewerbegebiete
„Meckenheim braucht neue Bürger“, hob Brigitte Kuchta hervor beim Thema Baugebiete. Die Einwohnerzahl sei unter die 25000 gerutscht, was der Stadt geringere Zuschüsse, weniger Landes- und Bundesmittel beschert habe. Auch gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Er liebt den Anblick von Baukränen, bestätigte Bert Spilles, denn die Baumaschinen zeigten doch, dass sich was bewegt in der Stadt. Als er vor sechs Jahren das Amt von Yvonne Kempen übernommen habe, hätte es keine Baugebiete gegeben, keine Flächen für neues Gewerbe. Er habe einen Wirtschaftsförderer eingestellt, die Gewerbegebiete liefen voll, überall werde Wohnraum geschaffen. Imagekampagne und Beratungen hätten dazu geführt, dass Platz für Gewerbe und Wohnen nachgefragt werde, es seien etwa 500 Wohneinheiten vom Einfamilien- bis zum Mehrfamilienhaus entstanden, so Spilles. „Grundsätzlich sind wir auf dem richtigen Weg“ bestätigte auch Mitbewerber Reinhard Diefenbach, forderte aber zusätzlich den Kreisverkehr an der Gudenauer Allee und eine Zu- und Abfahrt Meckenheim Nord an der Autobahn. Auf Nachfrage von Fuß erläuterte der Bürgermeister, für den Rathausneubau seien vier Standorte in der Diskussion, grundsätzlich werde ein Gutachten empfehlen, ob die bestehenden Gebäude renoviert oder ein neues Rathaus errichtet werden sollen, was günstiger komme. Aus energetischen Gründen, wegen der Barrierefreiheit und der erwarteten Kosten spräche Alles für einen Neubau, Entscheidung und Spatenstich könnten noch 2014 erfolgen.
Einkaufen und Gewerbe
Beim Thema Einkaufen und Gewerbe erwiesen sich die drei Kandidaten als nicht so weit auseinander. Von einem „hervorragenden Gewerbestandort“ sprach Reinhard Diefenbach, forderte aber, dass Meckenheim einen Stadtbaumarkt erhalten soll, „um die Völkerwanderung nach Rheinbach“ zu unterbinden. Den Verbund würde er unterstützen, aber das Gewerbe sei auch in der Pflicht, zum Beispiel durch Kernöffnungszeiten das Einkaufen attraktiver zu machen. Bert Spilles hob hervor, die Wirtschaftsförderung habe große Erfolge zu verzeichnen, schließlich liefen die Gewerbeflächen gerade voll, so dass neue erschlossen werden. Man habe nicht nur ansiedlungswilligen Betrieben Raum bieten können, es sei auch der Bestand gepflegt worden, bestehende Unternehmen hätten so gehalten werden können, hätten expandiert. Gegen das Factory Outlet Center auf der Grafschaft sprach sich Spilles entschieden aus, dieses „Disneyland der Konsumenten“ würde Meckenheim sehr schaden. Auch sei es „tödlich für Einzelhändler und Fachgeschäfte der Stadt, wenn dort ein FOC eröffne und außerdem in Bad Münstereifel ein solches Center 40 zusätzliche verkaufsoffene Sonntage auf hätte“. Man müsse auch sehr genau darauf achten, dass ein gewünschter Baumarkt im Gewerbegebiet kein zentrenschädliches Sortiment führe. Brigitte Kuchta votierte für die „notwendige Gewerbeansiedlung“, sie vermisst in der Stadt ein Kleinsortiment zum Beispiel an Farben und Tapeten. Außerdem stören sie die vielen Leerstände, dort möchte sie Künstler vorübergehend ansiedeln und arbeiten lassen.
Keine Einigkeit bei der Sicherheit
Sehr positiv sehen alle drei Bürgermeisterkandidaten die Arbeit im Schulcampus und befürchten auch keine negativen Auswirkungen, falls Rheinbach eine Gesamtschule einrichtet. Bei der Sicherheit gehen die Meinungen auseinander. Während Spilles einen Rückgang der Straftaten ansprach, bezweifelten Kuchta und Diefenbach dies. Laut Bürgermeister sei durch mehrere Maßnahmen alles Machbare getan worden: Erhalt der Wache, Ordnungspatenschaften, eigener Staatsanwalt, Kriminalprävention, mobile Jugendarbeit, verstärkter Ordnungsaußendienst. Diefenbach will den Druck auf die Polizei erhöhen und sprach von einer Erhöhung der Einbrüche. Brigitte Kuchta sieht Erfolge, schließlich seien viele Einbrüche durch Prävention vereitelt worden. Sie kritisierte aber, der kriminalpräventive Rat habe seit November nicht mehr getagt.
Gute wirtschaftliche Lage
Die Stadt Meckenheim gehört zu den 60 von 400 Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die so gut wirtschaftet, dass sie Millionen für andere Städte und Gemeinden bezahlen muss, führte Spilles an. Die Herausforderer des Bürgermeisters kritisierten, dass seit 2009 kein Jahresabschluss vorgelegt wurde, die Politik also überhaupt nicht wisse, wie es um den Stadtsäckel stehe. Das wird die Stadt in der nächsten Woche nachholen und die Zahlen der vergangenen vier Jahre präsentieren, sagte Spilles zu. Bei den Fragen der Bürger ging es um die multikulturellen Bemühungen in der Stadt, um Sparansätze und um die Aufgabe von Obstanbau. Eine Bürgerin beklagte, es seien Plantagen verkauft worden, um dort jetzt Mais anzubauen: „Deutschland verwaist nicht, Deutschland vermaist.“ Auf private Verkäufe habe die Stadt keinen Einfluss, bedauerte der Bürgermeister. Aber: „Der Maisanbau geht schon wieder zurück. Wir werben mit unserer Kulturlandschaft. Und unsere Äpfel schmecken gut.“ Da gab es zum Schluss des Abends noch einmal einhelligen Beifall von allen Besuchern. WM
Alle Plätze in der Schützenhalle waren besetzt bei der Podiumsdiskussion mit den Meckenheimer Bürgermeisterkandidaten.
