Bürgermeister Bert Spilles blickte zurück und in die Zukunft
Meckenheim wächst wieder
Finanzielle Lage der Stadt bereitet Probleme / Kindergartenplätze für Familien sind im Soll
Meckenheim. Mit einem Lob an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung eröffnete Bürgermeister Bert Spilles die Jahrespressekonferenz im Rathaus. Rückblick und Aussicht standen im Mittelpunkt des Gespräches. Dass die Bürger seine intensive Arbeit für die Stadt am 26. Januar bei der Bürgermeisterwahl honorieren würden, davon geht der 55-jährige Chef der Verwaltung aus. „Wir haben in meiner sechsjährigen Amtszeit viel erreicht, wir haben Meckenheim gestärkt, haben viel für Kinder und Jugendliche umgesetzt, Gewerbe und Wohnen auf den Weg gebracht. Wir sind trotz des ärgerlichen Soli-Beitrags finanziell handlungsfähig geblieben, mit der Innenstadtsanierung werden wir im kommenden Jahr ein weiteres für die Stadt immens wichtiges Projekt in Angriff nehmen“, zog der Bürgermeister eine sehr positive Bilanz.
Zusätzlicher Nachtzug
Neben vielen bekannten Themen und Zahlen stellte er mit Pressesprecherin Marion Lübbehüsen auch eine brandaktuelle Nachricht vor. So wird es für Nachtschwärmer an Freitagen und Samstagen ab 15. Dezember einen zusätzlichen Nachtzug von Bonn nach Meckenheim mit Anschluss an einen Bus durch die Ortschaften geben. Für 3,70 Euro können die Benutzer dann nach Disco, Kneipe, Kino oder Konzert ohne Probleme nach Hause kommen. Übrigens auch mit Anschluss ab Köln. Bisher fuhr der letzte Zug um 1.34 Uhr ab Bonn. Die Stadt kostet dieser zusätzliche Service etwa fünf- bis sechstausend Euro jährlich, werden Bahn und Bus stärker angenommen, verringert sich der Zuschuss aus dem Stadtsäckel entsprechend.
Ausreichend Kindergartenplätze
Gerade für jüngere Meckenheimer werde viel getan, meinte Bert Spilles stolz. So sei die Stadt der Verpflichtung zur Bereitstellung von U-3-Plätzen bereits nachgekommen, die Versorgung liege bei 39 Prozent, das sei die Zahl der Eltern, die dieses Angebot nachgefragt hätten. Nicht billig, aber ausreichend sei auch die Ü-3-Versorgung, dazu wurden gerade zwei neue Kindergärten eingeweiht. Zwei statistische Zahlen sprächen ebenfalls eine deutliche Sprache, so Spilles: „Meckenheim wächst wieder. Nicht sehr stark, aber beständig. Wir waren früher eine Schlafstadt, vor allem in Zeiten der Bundeshauptstadt Bonn. Heute haben wir aber mehr Einpendler als Auspendler. Das ist ein Verdienst unserer starken Ansiedlungspolitik im Industriepark. Der Ausbau mit schnellem Internet, hier haben wir einen entsprechenden Vertrag mit der Telekom geschlossen, ist ein wichtiges Argument für Unternehmen und Betriebe, sich in unserer Stadt anzusiedeln. Auch die Infrastruktur ist attraktiv. Wir bieten in den Wohngebieten Kindergärten, haben die Nahversorgung in den Ortschaften verbessert, haben Neubaugebiete ausgewiesen und Arbeitsplätze geschaffen.“
Auch an ältere Bürger werde gedacht
Meckenheim fördert altersgerechtes Wohnen, hat gerade 10000 Euro vom Bund für eine Anlaufstelle für Senioren erhalten. „Wir haben Beauftragte für Integration und für Demografiefragen eingestellt, fördern über die Entwicklungs- und Wohngesellschaft behinderten- und altersgerechtes Wohnen. Dadurch kann die Stadt allein hier 100 Wohnungen anbieten, die auch bezahlbar sind. Der Arbeitskreis Migration leistet tolle Arbeit. Es ist wichtig, dass wir diese Netzwerke in Meckenheim haben, aber das reicht noch nicht. Wir müssen die Menschen zusammen bringen, sie müssen miteinander reden. Dazu ist es entscheidend, zu den Leuten zu gehen. Ich versuche deshalb, so viel wie möglich auf der Straße Bürger zu treffen und mit ihnen zu reden“, führte der Bürgermeister an.
Das Rahmenkonzept Merl-Steinbüchel sei mit der Ansiedlung der Supermärkte hervorragend umgesetzt worden. „In der Stadtverwaltung arbeiten die Kollegen verlässlich und kooperativ, die Stellenbeschreibung von 230 Posten hat ergeben, dass wir eine schlanke Verwaltung haben. Dazu haben wir eine Führungsebene abgeschafft, die Zahl der Dezernate von vier auf drei gekürzt. Diesen Anregungen der Gemeindeprüfungsanstalt sind wir gefolgt. Die Stadt muss sparen, da wir an Soli-Beitrag 320000 Euro zahlen müssen, da bekommen Großstädte im Ruhrgebiet Geld, das wir nur mit größten Anstrengungen aufbringen können.“ Der Rat habe sich daher einstimmig einer Sammelklage gegen diese Entscheidung des Landes angeschlossen. Trotz der klammen Finanzsituation werde die Stadtverwaltung sukzessive mit energiesparenden Computern und Bildschirmen ausgestattet. Es sei eine Gratwanderung, die Stadt weiterzuentwickeln. Das Stichwort sei „behutsam“, führte Bert Spilles aus.
Eine hervorragende Infrastruktur
Die gut 24000-Einwohner-Stadt habe eine hervorragende Infrastruktur, habe zwei Zentren, Gewerbegebiete mit attraktiven Arbeitsplätzen, Neubauten und Altbauten. Die zentrale Lage an Straßen und Bahngleisen sei ein wichtiger Faktor, die Nähe zu Flughafen und Zentren wie Köln und Bonn mache die Stadt interessant, die Angebote für Kleinkinder, Jugendliche, Sportler und Senioren seien ausreichend vorhanden. Gewerbetreibende werden durch eine gute Betreuung gehalten, bei Bedarf von den Ortschaften in die Gewerbeflächen umgesiedelt. Das Rahmenkonzept für die Kernstadt steht 2014 ganz oben in der Planung. Die „Visitenkarte der Stadt“ habe eine wichtige soziale, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Funktion. „Die Neugestaltung der Hauptstraße nebst einem neuen Verkehrskonzept, die Aufwertung der öffentlichen Plätze sowie die Stärkung und Stabilisierung der Einzelhandels-, Wohn- und Dienstleistungsfunktion sind Bausteine, mit denen wir in den nächsten Jahren unsere Altstadt attraktiver und zukunftsfähiger gestalten wollen“, blickte Bert Spilles in das kommende Jahr. Ein weiterer wichtiger Punkt: Welcher Investor baut in Zukunft das Meckenheimer Rathaus?
Gute Planungen kosten Geld
Die Planungen in einer Stadt müssten sich auch nach den demografischen Umständen richten. Werden in einem Neubaugebiet heute Spielplätze und Kindergartengruppen gebraucht, kann sich das schon nach wenigen Jahren ändern, wenn die Mädchen und Jungen in die Schule gehen oder schließlich wegziehen. „Also muss man so planen, dass ein Kindergarten anschließend etwa als Gemeinschaftshaus oder für Wohnungen genutzt werden kann. Für solche Bauten sollten alle Verantwortlichen von Anfang an eng zusammenarbeiten, zum Beispiel spielen demografischer Wandel und Bevölkerungsstruktur wichtige Rollen. Aber wie schon gesagt: Gute Planungen kosten Geld, und wir hoffen sehr, dass wir in Zukunft nicht mehr durch Abgaben wie den Soli dafür bestraft werden, dass wir gut wirtschaften.“
