Polizeipräsidentin verspricht Erhöhung der sichtbaren Präsenz in Meckenheim
Die „reisenden Täter“ stellen ein großes Problem dar - Jeder noch so kleine Hinweis wird ernst genommen
Meckenheim. Dass die Zahl der Einbruchsdelikte nicht nur Meckenheim dramatisch steigt, sondern im ganzen Land, wird in den öffentlichen Medien immer wieder betont. Auch die Lenkungsgruppe des Kriminalpräventiven Rates (KPR) der Stadt Meckenheim bestätigte dies auf ihrer 6. Sitzung mit beeindruckenden Zahlen. Die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa stellte während der anschließenden Pressekonferenz klar, dass die steigenden Zahlen im Bereich der Einbruchsdelikte ein großes Problem aller Polizeibehörden im Land sei. In manchen Bereichen sei sogar eine Steigerung um 100 Prozent zu verzeichnen. Mehr als 20 Prozent mehr Einbrüche mit regionalen Unterschieden wurden im Bereich der Bonner Polizei registriert. Acht bis zehn Einbrüche pro Tag werden derzeit dort gemeldet. Dabei ist Meckenheim besonders betroffen, sagte die Polizeipräsidentin. Bereits seit dem Jahr 2009 haben sich Politik und Verwaltung der Stadt Meckenheim mit der Verbesserung kriminalpräventiver Maßnahmen beschäftigt und beschlossen, neue Wege zu gehen. Eine dieser Maßnahmen war die Bildung des Kriminalpräventiven Rates als Beratungsgremium der Stadt.
Ziel ist die wirksame Vorbeugung vor kriminellen Aktivitäten. Drei Arbeitskreise, besetzt mit kompetenten Fachleuten, erarbeiten auf der Grundlage lokaler Faktoren ortsnahe und praktische Lösungsvorschläge an die Lenkungsgruppe. In der Lenkungsgruppe sitzen der Bürgermeister der Stadt Meckenheim, die Bonner Polizeipräsidentin, Ursula Brohl-Sowa, Vertreter der Kirchen und weiterführender Schulen, der örtlichen Wirtschaft, sowie die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Migration und Integration, Heidi Wiens. Für die Koordination der Themen ist der Erste Beigeordnete der Stadt, Johannes Winckler, zuständig, der auch die Geschäftsführung inne hat. Letzte Woche tagte die Lenkungsgruppe im Meckenheimer Rathaus, um sich mit den Vorschlägen der Arbeitskreise „Sichere Stadt“, „Jugend“ und „Stadtplanung“ zu befassen und darüber hinaus weitere Schritte in Richtung Kriminalitätsvorbeugung zu erörtern. Mit dabei waren der Bürgermeister der Stadt Meckenheim, Bert Spilles, die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa, der Erste Beigeordnete der Stadt, Johannes Winckler und der Ansprechpartner für polizeiliche Fragen im Polizeipräsidium Bonn, KHK Friedhelm Herholz. Übereinstimmung herrscht bei allen Beteiligten, dass wirksame Maßnahmen zur Einbruchsverhinderung überörtliche Koordinierung und zentrale Erfassung der Einbruchsversuche und Einbruchsfälle voraussetzen. Nur so kann der gezielte Einsatz polizeilicher Kräfte entsprechend der Einsatznotwendigkeit vor Ort sichergestellt werden. Ursula Brohl- Sowa erklärte das allgemeine Phänomen, dass Kommunen, die verkehrstechnisch gut angebunden sind, etwa in Autobahnnähe, besonders gern von Einbrechern heimgesucht werden.
Der Begriff „reisende Täter“ beschreibt das Klientel der Einbrecher ziemlich treffend, Meckenheim gehört zu den stärker betroffenen Kommunen. Brohl-Sowa berichtete, dass bei der Erfassung von Einbruchsdelikten auch die Einbruchsversuche mit einbezogen werden. „Etwa 50 Prozent der Einbrüche bleiben im Versuch stecken“, sagte die Polizeipräsidentin. Insbesondere, das zeigen die überregionalen Erfahrungen, haben es die Täter auf Schmuck, Gold und Geld abgesehen. Zehn bis 20 Sekunden brauchen die Täter, um in ein Haus oder in eine Wohnung zu gelangen, eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Aufklärung von Einbruchsdiebstählen. Ein wichtiges Thema der Lenkungsgruppe ist die Sicherung der polizeilichen Präsens und die effektive Nutzung der vorhandenen personellen Ressourcen beim Kampf gegen das Verbrechen. Ursula Brohl-Sowa wies auf den großen Aufwand und Kräfteeinsatz der Polizei in Meckenheim hin. Allein von Januar bis September 2012 sind 3.500 zusätzliche Stunden bei den polizeilichen Maßnahmen angefallen und die Zahl verstärkt sich nochmals bis zum Ende des Jahres. Allein zwei Streifenwagenbesatzungen fahren in drei Schichten rund um die Uhr durch die Straßen Meckenheims und Rheinbachs. Die Bonner Polizeipräsidentin sicherte zu, dass die Wachstationen Rheinbach und Meckenheim bestehen bleiben. Meckenheim bleibt in der Prioritätenliste ganz oben.
„Festinstallierte“ Bezirksdienstbeamte unterstützen diese Maßnahmen vor Ort. An dieser Stelle bat Ursula Brohl-Sowa nochmals dringend, darauf hinzuwirken, dass jede Wahrnehmung, alles Verdächtige gemeldet wird, in erster Linie über die Rufnummer 110. Hierbei soll man auch keine Hemmschwelle haben, Hinweise abzugeben. „Ich werde dafür Sorge tragen, dass jeder Hinweis ernst genommen wird“, sagte Brohl-Sowa.
Einmal im Monat wird es ein koordinierendes Gespräch mit dem Wachleiter, Standortältesten, Bürgermeister und Ersten Beigeordneten geben. Insbesondere soll die sichtbare Präsens in den Stadtteilen erhöht werden, die in besonderem Maße betroffen sind, dazu gehört auch Meckenheim.
„Meckenheim hat für uns seit den letzten Wochen Priorität“, sagte die Polizeipräsidentin. Damit wird nochmals sehr deutlich, dass die Verantwortlichen Einbrüche nicht bagatellisieren, sondern als einen schweren Eingriff in die Privatsphäre ansehen.
Bert Spilles stellte dar, dass die Stadt das tut, was mit dem vorhandenen Geld machbar ist. Ein mehr an Präsenz zur Druckerhöhung ist ohne zusätzliche Mittel nicht möglich. Er gab deshalb seine Bitte an die Politiker weiter, mit Hilfe gezielter Mittelzuweisung der Spezifik der Kommunen Rechnung zu tragen, ihre Bürgerinnen und Bürger wirkungsvoll zu unterstützen. Eine Erfolgsmeldung konnte die Polizeipräsidentin an diesem Tag doch noch abgeben: Die Zahl der Gewaltdelikte (Raub pp.) ist rückläufig. Sie hofft, dass sie bei der nächsten Sitzung eine ähnliche Erfolgsmeldung hinsichtlich der Einbrüche geben kann, aber, die Lage bleibt angespannt.
STS
