Vor 75 Jahren kam es in Deutschland zur Reichspogromnacht
Schüler der Geschwister-Scholl- Schule gestalteten die Feier mit
Die Stadt Meckenheim gedachte auf dem Synagogenplatz der getöteten Juden, darunter auch Meckenheimer Bürger
Meckenheim. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, also vor 75 Jahren, kam es zu den sogenannten Vergeltungsmaßnahmen gegen jüdische Mitbürger, auch in Meckenheim. Es war der Auftakt zur Judenvernichtung, der am Ende ca. 6 Millionen Juden auf grausame und unmenschliche Weise zum Opfer fielen. Seit vielen Jahren sieht die Stadt Meckenheim eine Verpflichtung und Aufgabe darin, die Erinnerung an den Pogrom wachzuhalten, damit solche Gräueltaten nie wieder passieren. So hatten sich auch letzten Samstag wieder viele Bürgerinnen und Bürger am jüdischen Gedenkstein in der Prof.-Scheeben Straße versammelt, um der vielen Toten des Pogroms zu gedenken. Auch die Ehrenbürger der Stadt, Erika Meyer zu Drewer und Albert Graen, waren zum Synagogenplatz gekommen. Seit vielen Jahren gestalten die Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule die Feier mit. Zusammen mit der Lehrerin Ina Lehnertz hatten die Jugendlichen der Klasse 10B Texte ausgewählt, die sie während der Feier vortrugen. Schüler Jamil Omar z.B. trug einen Text von Elie Wiesel vor. Darin beschreibt Frau Wiesel die furchtbare Reise nach Auschwitz, es sollte die Hölle werden.
Bürgermeister Bert Spilles erinnerte in seiner Ansprache an die Meckenheimer Jüdin Ilse Mendel, die nach 1933 mit Erstaunen feststellte, dass es einen Unterschied zwischen Juden und Deutschen gibt. „In diesem Jahr bin ich aufgewacht und habe gemerkt, dass etwas Schlimmes im Gange ist“, so die Aufzeichnungen von Ilse Mendel.
Im Anschluss an die Gedenkfeier luden das Stadtarchiv und das Kath. Bildungswerk zu einem Film und Vortrag über Ilse Mendel ein. Referentin war die Archivarin Ingrid Sönnert. Ilse Mendel, verheiratete Neuberger, konnte nach Israel fliehen und überlebte so den Holocaust. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück und starb 1998 in Düsseldorf. Sie gehörte zu den wichtigen Zeuginnen und Zeugen, die den Krieg und das Elend überlebt haben und der Nachwelt wichtige Informationen geben konnte. Eine weitere Meckenheimer Jüdin wurde von Spilles in seinem Vortrag erwähnt: Minna Mendel wohnte mit ihrer Familie in der Bonner Straße. Sie musste mit ansehen, wie ihr Vater abgeführt wurde. Sie und Ihre Mutter ließen sich von ihrem Chauffeur nach Bonn fahren. Auf dem Bonner Bahnhof erfuhren sie, dass alle jüdischen Männer ins Konzentrationslager Dachau verschleppt worden waren. Unverrichteter Dinge fuhren sie nach Meckenheim zurück. Mit Schrecken stellten sie fest, dass inzwischen alle Fensterscheiben an ihrem Haus zertrümmert waren und die Haustür mit einer Axt eingeschlagen wurde. Minna konnte die Tränen nicht zurückhalten, aber das Schlimmste war, dass niemand ihr und ihrer Mutter zu Hilfe kam. „Jetzt glotzen sie und glotzen sie und sagen nichts“, so steht es in den Aufzeichnungen der Minna Mendel. Trotzdem hatte die Familie Glück und konnte ein Visum für Chile bekommen und sogar der todkranke Vater wurde aus dem Konzentrationslager entlassen und konnte ebenfalls ausreisen. Diese Familie konnte dem Naziregime entkommen, aber Millionen jüdischer Mitbürger mussten sterben, weil Rassismus wütete.
Kranzniederlegung
Aus diesem Grund forderte Bert Spilles die Bürgerinnen und Bürger und vor allen Dingen die Jugendlichen auf, wachsam zu sein, dem Antisemitismus nicht Tür und Tor zu öffnen und sich gegen Fremdenfeindlichkeit zur Wehr zu setzen. „Wir müssen lernen, „Nein“ zusagen, so Spilles. Im Anschluss an die Ansprache des Bürgermeisters und den Vorlesetexten der Schüler, legten der Bürgermeister und seine beiden Stellvertreter, Heidi Wiens und Michael Sperling, einen Kranz am Gedenkstein nieder. Auch die SPD Meckenheim und der CDU-Stadtverband zeigten ihre Verbundenheit und legten ein Gesteck am jüdischen Denkmal nieder. Zum Schluss sangen alle Teilnehmer das Lied „Wir sind die Moorsoldaten“, geschrieben 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor.
Bürgermeister Bert Spilles, die beiden Stellvertreter, Heidi Wiens und Michael Sperling (v.li) werden nach der Gedenkfeier den Kranz am Gedenkstein für die jüdischen Mitbürger niederlegen. Fotos: -STEIN-
Die Kranzniederlegung durch die Repräsentanten der Stadt.
Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule lesen Texte, die zum Nachdenken anregen sollen.
