Wasserbüffel als Landschaftspfleger
Artgerecht und naturnah: So werden die Karpatischen Wasserbüffel betreut
aus Monreal
Mayen-Koblenz. Die Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen-Koblenz setzt Karpatische Wasserbüffel seit über zehn Jahren als Landschaftspfleger ein – mit nachgewiesenem Erfolg für die heimische Artenvielfalt. Bei den Besuchern der Thürer Wiesen stehen die Tiere als Ausflugsziel ebenfalls hoch im Kurs. Viele kommen regelmäßig zu den Weideflächen im Naturschutzgebiet und beobachten die faszinierenden Wiederkäuer beim Fressen oder Baden in den Wasserflächen.
Das Beweidungsprojekt erfolgt in Kooperation mit dem NABU Rheinland-Pfalz und der NABU Agrar- und Umwelt GmbH, die gemeinsam dafür sorgen, dass die Büffel ohne Kosten für den Landkreis und die Stiftung in den Thürer Wiesen grasen können.
Auch im Nothbachtal bei Rüber halten die majestätischen Vierbeiner die ökologisch kostbaren Feuchtwiesen frei von Schilf, Rohrkolben und anderen grasartigen Pflanzen. Durch ihr Fressverhalten verhindern die Wasserbüffel zuverlässig eine Verschilfung und strukturieren die vorhandenen Grün- und Gewässerflächen. Mit ihrer Hilfe entsteht das gewünschte offene Landschaftsmosaik.
Für die artgerechte Haltung der Büffel sorgen zwei Landwirte als Betreuer vor Ort. Darüber hinaus wird die Gesundheit der Tiere regelmäßig von den Veterinären der Kreisverwaltung kontrolliert. Wir haben mit den zuständigen Tierärzten Gertrud Klumpp und Dr. Christian Paul Bieber über die Haltungsbedingungen der Wasserbüffel gesprochen.
Was unterscheidet die Betreuung von Karpatischen Wasserbüffeln von der Betreuung anderer Weidetiere?
Karpatische Wasserbüffel stammen ursprünglich aus den Karpaten der Ukraine und Rumäniens und sind eine kleinere, domestizierte Form der asiatischen Wasserbüffel. Menschen gegenüber sind sie recht friedfertig und lassen sich von den ihnen bekannten Betreuern gut führen. Auch ein in einer Herde laufender Bulle macht seinen Pflegern normalerweise keine Probleme – das kann bei manch anderen Hausrinderrassen sehr anders sein! Bei Fremden zeigen sie sich aber durchaus scheu und vorsichtig und sind eher ängstlich. Kapartenbüffel sind gegenüber verschiedenen Wetter- und Klimabedingungen sehr widerstands- und anpassungsfähig und für eine ganzjährige Freilandhaltung geeignet. Essentiell ist aber Wasser, zum Trinken natürlich, aber auch zum Suhlen und Baden. Der Name Wasserbüffel ist ja kein Zufall. Wie alle Wasserbüffel lieben sie feuchte Niederungsgebiete mit sumpfigen Untergründen und die dort wachsenden Pflanzen. Sie haben besonders breite, gespreizte und harte Klauen und können sich dort gut fortbewegen, das unterscheidet sie sehr von den anderen Hausrindern. Die beim Suhlen entstehende Schlammkruste bietet einen guten Schutz vor stechenden Insekten. Dennoch sollte immer auch ein Teil des Weidegebietes einen trockenen Rückzugsort und auch einen Unterstand Schutz vor Sonne und Regen bieten.
In regenarmen Zeiten wird Trinkwasser im Bedarfsfall durch bereitgestellte Wasserfässer ergänzt. Hinsichtlich der Fütterung sind sie mit „minderwertigen“, für unsere normalen Rinderrassen nicht geeigneten Pflanzen zufrieden und halten auch in unseren Regionen problembehaftete Neophyten wie Japanischen Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut und Riesenbärenklau in Schach. Letzterer ist für sie, anders als für Menschen, völlig ungefährlich. Lediglich im Winter kann eine Zufütterung mit Heu notwendig werden. Zusätzlich freuen sich die Tiere über Mineralsalz in Form von Lecksteinen oder Leckeimern.
Welche gesundheitlichen Anforderungen haben Wasserbüffel in unserer Region?
Karpatische Wasserbüffel sind robust und widerstandsfähig und – das ist der Herkunft abzulesen – im Winter durch ein dichtes Fell gut gegen Kälte geschützt. Wenn ihr Lebensraum die richtigen Bedingungen erfüllt, ist nicht mit vielen Krankheitsfällen zu rechnen. Tragende Kühe gebären in der Regel leicht und am liebsten ohne menschliche Nähe und Hilfe. Die Tragzeit ist mit 11 Monaten zwei Monate länger als bei Hausrindern und auch die Zwischenkalbezeit, ist länger. Der Betreuer sollte hier einen guten Überblick über den Zustand seiner Tiere behalten. Trotz viel Bewegung müssen die Klauen regelmäßig begutachtet und bei Bedarf auch gepflegt und geschnitten werden. Und natürlich müssen die Tiere regelmäßig auf Verletzungen hin überprüft werden.
Grundsätzlich können Wasserbüffel dieselben Infektionskrankheiten bekommen wie andere Rinderrassen auch. Deshalb gibt es auch keine Ausnahmen von den gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen, nicht zuletzt um auch die umliegenden Rinderbestände zu schützen und den Status der „Seuchenfreiheit“ für die gesamte Region bzw. das ganze Land aufrecht zu erhalten. Auch für die Wasserbüffel gilt die Kennzeichnungspflicht mit Ohrmarken, jedes Tier ist – wie alle Rinder – in einer bundesweiten Datenbank gespeichert, in der alle wichtigen Daten wie Geburtsdatum und -ort, Geschlecht, Untersuchungsergebnisse, Transporte und auch die Geburt von Kälbern erfasst werden.
All das wird natürlich auch von uns überwacht. Daneben werden die Aufzeichnungen der tierärztlichen Behandlungen – hier gibt es genaue Pflichten für die Tierärzte – und der Umgang mit Medikamenten überprüft.
Woran erkennt man, dass sich die Tiere auf einer Fläche wohlfühlen?
Bei den regelmäßigen Kontrollen der Betreuer achten diese auf das Verhalten, das Gangbild der Tiere, das äußere Aussehen von Haut und Haarkleid, den Fütterungszustand und dergleichen. Sofern hier keine Besonderheiten auffallen, die Tiere insgesamt einen ruhigen und gelassenen Eindruck machen, innerhalb der Herde keine großen Streitigkeiten austragen und sich über die gesamte ihnen zur Verfügung stehenden Fläche bewegen, darf man davon ausgehen, dass sie sich wohlfühlen.
Wir haben seit Jahren extrem heiße Sommer – wie kommen die Tiere denn mit der Hitze zurecht? Brauchen sie beispielsweise zusätzliches Wasser?
Wasserbüffel haben eine dickere und dunklere Haut mit deutlich weniger Schweißdrüsen als Rinder. Das heißt, Hitze und Sonne machen ihnen durchaus zu schaffen. Eine Suhle ist zur Wärmeregulation für sie unabdingbar. Durch die Speicherkapazität der Feuchtgebiete ist das an Thürer Bach und Nothbach gegeben, auch zum Trinken steht normalerweise genügend Wasser zur Verfügung. Zusätzliches Trinkwasser wird immer dann bereitgestellt, wenn der natürliche Wasserfluss der Bäche eingeschränkt ist, und das kann prinzipiell ja auch in kälteren Jahreszeiten der Fall sein. Zusätzlich zum Unterstand sind auch baumbestandene Areale und hohe Gebüsche im Sommer als Schattenspender beliebt, auch das ist in beiden Arealen vorhanden und für die Tiere zugänglich.
Wie überwacht man die Gesundheit einer Herde, die naturnah lebt?
Die Betreuer machen tägliche Kontrollgänge zu ihrer Herde. Das ist grundsätzlich Pflicht für jeden Weidehalter, egal wie naturnah und extensiv Tiere gehalten werden. Das ist schon allein wichtig, um die Umzäunung zu überprüfen, selbstverständlich aber auch, um sich vom Wohlergehen der Tiere zu überzeugen. Hinzu kommt, dass es nicht immer ausgeschlossen werden kann, dass wohlmeinende Besucher den Tieren Futter in die Weide werfen, was eigentlich nie eine gute Idee ist. Viele Verdauungsprobleme von Weidetieren resultieren aus der Aufnahme von ungewohntem Futter – das bringt die Darmflora schnell aus dem Gleichgewicht und den Tieren entsprechende Pein. Folglich muss so etwas umgehend eingesammelt und beseitigt werden.
Welche gesetzlichen Regelungen gelten für das Halten von Wasserbüffeln und wie wird deren Einhaltung kontrolliert?
Im Tierschutzgesetz ist niedergelegt, dass jedem Tier die seiner Art entsprechend speziellen Haltungsbedürfnisse zu gewähren sind. Für Wasserbüffel gibt es Fortbildungen, Gutachten und Handreichungen, die uns Amtstierärzten als Anleitungen dienen und an denen wir unsere fachlichen Bewertungen im Einzelfall ausrichten. Und es gibt auch den Austausch mit Kollegen anderer Behörden zu Fragen zu dieser auch für uns nicht alltäglichen Spezies.
Darüber hinaus gibt es konkrete Vorschriften im Tiergesundheitsgesetz und im Tierarzneimittelgesetz, deren Einhaltung von der Kreisverwaltung regelmäßig zu überwachen ist. Eine genaue Vorschrift, wie oft das gemacht wird gibt es nicht, hier müssen wir risikoorientiert vorgehen. Auch wir halten unsere Überwachungsergebnisse schriftlich fest und schätzen ab, wie oft wir in der erwähnten Datenbank oder auch vor Ort schauen müssen, um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist. Insgesamt betrachten wir uns aber nicht als reine „Kontrolleure“, die wie im Zug nur die Fahrscheine sehen wollen, sondern als Berater und ab und zu auch als Ideengeber, was und wie bestehende Dinge noch verbessert werden können.
Im Fall des Ölunfalls vor einem Jahr in Thür wurde von uns natürlich gezielter und häufiger hingeschaut, sowohl in der „akute“ Phase direkt danach als auch später. Die wiederholten Bodenuntersuchungen wurden auch hinsichtlich der Vergiftungsgefahr für die Wasserbüffel begutachtet und ausgewertet.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Wasserbüffel-Kühe in den Thürer Wiesen sorgen jedes Jahr mehrfach für Nachwuchs: Im Juli wurden kurz hintereinander zwei Kälbchen geboren. Foto: Gertrud Klumpp
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Wasserbüffel lieben Feuchtwiesen mit sumpfigen Untergründen und die dort wachsenden Pflanzen. Foto: Gertrud Klumpp