European Masters der Gewichtheber in Ungarn
Ein kaum noch erhoffter Erfolg
Boguslaw Dziki vom Jugendhilfezentrum Bernardshof wurde Vizeeuropameister
Mayen/Kazinbacika/Ungarn. Den 20. Mai dieses Jahres wird Boguslaw Dziki sicher noch lange in guter Erinnerung behalten. Der 59-jährige gebürtige Pole, der im Jugendhilfezentrum Bernardshof als Sportlehrer an der UNESCO-Projekt-Schule tätig ist und die Gewichtheber AG der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung schon zu vielen Erfolgen geführt hat (unter anderem Medaillen bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften, Südwestdeutsche Meisterschaften und Deutschen Meisterschaften im Mehrkampf) konnte sich bei den European Masters in Ungarn die Silbermedaille im Gewichtheben sichern.
Gewichtheber aus Leidenschaft
Der Gewichtheber aus Leidenschaft hatte schon fast seinen ansonsten sprichwörtlichen Optimismus verloren, nachdem eine Reihe von Sportverletzungen und Schicksalsschlägen seine sportliche Karriere in ihrem Lauf gebremst hatten: Nach einer schweren Sportverletzung im Jahr 2012 hatte er nach langem und intensivem Training wieder zu seiner Bestform gefunden und sich 2013 die Teilnahme an den World Masters Games, der „Olympiade“ für Gewichtheber in der Altersklasse 5 (55 - 59 Jahre), in Turin gesichert. Die Leistungen, die er während des Trainings erreicht hatte, gaben viel Anlass zur Hoffnung auf eine Medaille - doch einen Tag, bevor er zum Turnier nach Italien aufbrach, erreichte ihn die traurige Nachricht, dass seine Mutter gestorben war. Dziki reiste noch am gleichen Tag in seine Heimat Polen, an eine Teilnahme am Wettkampf war nicht zu denken. Im März dieses Jahres hatte er bei den Deutschen Meisterschaften in Ohrdruf gute Chancen auf eine Medaille - doch eine Erkältungskrankheit machte auch diesen Plan zunichte. Auf seiner Reise ins ungarische Kazinbacika, dem Austragungsort der EM, hatte Dziki daher nicht nur seine Gewichtheber-Ausrüstung im Gepäck - sondern auch einige Bedenken, dass ihm auch dieses Mal wieder Unvorhergesehenes zustoßen könnte. Doch diesmal meinte es das Gewichtheber-Glück gut mit dem 59-Jährigen. Als es am 20. Mai um 11.45 zum Wiegen ging, hatte er seine Nervosität abgeschüttelt, war ganz konzentriert und sich seines Leistungspotenzials bewusst. In Klaus Förster (Deutschland) und Milan Lutter (Tschechien) hatte er zwei harte Gegner, die seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten ihres Sports zählen.
Paradedisziplin Stoßen
In seiner Paradedisziplin, dem Stoßen, erreichte Boguslaw Dziki 98 Kilo, im Reißen 71 Kilo. Damit war ihm der zweite Platz sicher. Er hatte auf Anraten seiner Frau Joanna, die ihn seit vielen Jahren zu Turnieren begleitet, erst mal auf „Nummer sicher“ gesetzt und im Erstversuch 90 Kilo gestoßen. Im zweiten Versuch schaffte er dann die 98 Kilo, die ihm den Vizesieg einbrachten. Milan Lutter erhielt mit 94 Kilo im Stoßen und 75 Kilo im Reißen die Bronzemedaille. Punktemäßig lagen Dziki und Lutter zwar gleichauf, doch da der Sportlehrer aus dem Bernardshof etwas weniger Gewicht auf die Waage brachte als der Tscheche, konnte er den Vizesieg davontragen. Goldmedaillengewinner bei der diesjährigen EM war Klaus Förster, der im Stoßen 105 Kilo und im Reißen 87 Kilo erreichte. Aufgrund einer Sportverletzung am Knie hat Boguslaw Dziki gegenüber dem diesjährigen EM-Champion Klaus Förster im Reißen einen Nachteil - doch eine angedachte Regeländerung, die vorsieht, dass künftig nur noch das Stoßen bewertet wird, könnte dafür sorgen, dass er vielleicht an seinem schärfsten Konkurrenten vorbeiziehen und Gold holen kann. Doch der Sportlehrer sieht das ganz sportlich-entspannt und freut sich schon auf das nächste „Kräftemessen“ mit dem diesjährigen EM-Goldmedaillengewinner.
Als zum Ende des Wettbewerbs gegen 16 Uhr die deutsche Nationalhymne für Klaus Förster gespielt wurde, konnte sich auch Boguslaw Dziki die eine oder andere Träne der Rührung nicht verkneifen - schließlich ist Deutschland seit fast einem Vierteljahrhundert seine Heimat und er fühlt sich hier gut angenommen und angekommen. Seit nunmehr elf Jahren ist er im Jugendhilfezentrum Bernardshof als Sportlehrer tätig und hat schon viele junge Gewichtheber-Talente gefördert und entdeckt.
Und noch ein anderer Grund sorgte bei Dziki für große Emotionen während der Siegerehrung: Am Wettkampftag hätte seine Mutter, die im Vorjahr kurz vor den World Masters Games gestorben war, Geburtstag gehabt. „Ich widme diese Silbermedaille meiner Mutter“, sagt Boguslaw Dziki voll Stolz.
Großes Vorbild
Stolz auf die hervorragende Leistung des Sportlehrers und Trainiers der Gewichtheber AG ist auch Regina Freisberg, Direktorin des Jugendhilfezentrum Bernardshof: „Wir freuen uns sehr darüber, dass Herr Dziki bei einem so großen Wettbewerb die Silbermedaille gewonnen hat. Für unsere Kinder und Jugendlichen ist er ein großes Vorbild, sie lernen von ihm nicht nur, wie man fit bleibt und die eigenen Kräfte steigert, sondern auch, dass es sich im Leben immer lohnt, Ziele zu haben und darauf hinzuarbeiten.“ Auf seinen jüngst erworbenen „Lorbeeren“ will sich Boguslaw Dziki daher auch nicht ausruhen - er denkt bereits an die WM im Sommer und an die großen internationalen Wettbewerbe im kommenden Jahr. Sein nächstes Ziel ist eine Goldmedaille bei einem der großen Wettkämpfe, an denen er teilnehmen wird. Wer rastet, der rostet - und das hat der 59-Jährige keinesfalls vor. Immer in Bewegung bleiben, immer nach neuen Zielen streben und zu den Besten zu zählen - das treibt den Sportler aus Leidenschaft an.
Als zum Ende des Wettbewerbs die deutsche Nationalhymne für Klaus Förster gespielt wurde, konnte sich auch Boguslaw Dziki die eine oder andere Träne der Rührung nicht verkneifen.
