70 Jahre nach ihrer Erstkommunion empfingen über 30 Männer und Frauen aus Mendig den Leib des Herrn
Gnadenkommunion in St .Cyriakus
Mendig. „Wenn Eheleute nach 70 Jahren ihre Gnadenhochzeit feiern dürfen, sollten alle, die vor 70 Jahren ihre Erstkommunion empfingen, auch eine Gnadenkommunion feiern dürfen“. Nachdem sie zu dieser Erkenntnis gelangt war, wandte die Mendigerin Marlies Ammel-Welsch sich mit ihrem Wunsch an Pastor Ralf Birkenheier, der ihr nicht nur zustimmte, sondern sie auch gleich darum bat, die Organisation für eine Gnadenkommunion in der St. Cyriakus Kirche gemeinsam mit Marlies Dau aus Mendig in die Hand zu nehmen. Während einige Kommunikanten von damals an dem Vorhaben zweifelten, gelang es den beiden engagierten Damen, dass insgesamt 32 Männer und Frauen ihre Teilnahme an der Gnadenkommunion zusagten. Selbstverständlich erhielt die von Pastor Ralf Birkenheier ebenso feierlich, wie bewegend zelebrierte Eucharistiefeier in dem von Küsterin Ulla Diefenbach und Marlies Ammel-Welsch geschmückten Gotteshaus auch einen angemessenen musikalischen Rahmen, zumal Werner Lohner, Chordirektor ADC, Herbert Kranz, Hans Dernbach und Gerd Nick zu den insgesamt 76 Mädchen und Jungen zählten, die am 6. Mai 1945 in der Pfarrkirche St. Cyriakus ihre Erstkommunion feierten. Während Herbert Kranz eine beeindruckende Solo-Darbietung des „Ave Maria“ von Franz Schubert darbot, intonierte er gemeinsam mit den Sängern, zu denen außer Hans Dernbach und Gerd Nick auch sein Sohn Christoph sowie Johannes Ellerich, Christian Lohner, Rudi Geilen und Christian Kossmann zählten, „Wohin soll ich mich wenden“ und „Heilig“ aus der Schubert Messe sowie „Lobt den Herrn der Welt“ von Henry Purcell nach einer Bearbeitung für Chor und Orgel von Willy Trapp. Begleitet wurde der stimmgewaltige Klangkörper von Werner Lohner an der Orgel. Da die beiden Benediktinermönche aus Maria Laach, Pater Burkhard und Pater Ambrosius, 1945 die Pfarrgemeinde St. Cyriakus betreuten, zeichneten sie auch für die Vorbereitungen zur Heiligen Kommunion der Jungen und Mädchen verantwortlich. Für die damals acht Jahre junge Marlies Ammel-Welsch, die während der Gnadenkommunion sowohl die Lesung als auch die Fürbitten vortrug, war der Weg zum Vorbereitungsunterricht in Mendig häufig mit großer Angst verbunden. Damals wohnte sie mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester vorübergehend bei einer Freundin der Mutter in Thür, während der Vater, der heute noch als vermisst gilt, im Krieg war. Im Gespräch mit „Blick aktuell“ erinnert sie sich: „Wenn ich vom Thürer Hochkreuz über einen kleinen Pfad nach Niedermendig ging, habe ich mich, sobald ich die Flugzeuge hörte, direkt auf den Boden geworfen!“ Wenngleich sie am Vorbereitungsunterricht in Mendig teilnahm, durfte sie nicht am 6. Mai in Niedermendig zur Kommunion gehen, sondern erlebte ihre Erstkommunion am 10. Mai in der Pfarrkirche St. Johannes in Thür. Besonders traurig war sie, dass die Kinder in Niedermendig ein mit rotem Samt bezogenes und mit weißer Spitze belegtes „Schabellchen“ hatten und sie selber wegen der finanziellen Not darauf verzichten musste. Da sie selbst als Erwachsene immer wieder daran denken musste, ließ sie vor wenigen Jahren gleich mehrere kleine Schemel anfertigen, von denen sie einige ihren Enkelkindern schenkte.
Ein Schabellchen, welches sie für sich behielt, präsentierte sie am vergangenen Sonntag gleich neben einem großen Gruppenfoto von den Kommunionkindern aus Niedermendig im Jahre 1945, auf dem sie merkwürdigerweise ebenfalls zu sehen ist. „Als ich erfuhr, dass dieses Bild anlässlich unserer Goldenen Kommunion vor zehn Jahren im Schaufenster von Tabakwaren Blum gezeigt werden sollte, habe ich protestiert und darauf bestanden, dass ich irgendwie auch in das Foto „eingearbeitet“ werden muss. So kam es dann, dass Frau Blum ein Einzelfoto von mir als Kommunionkind in das Gruppenfoto einfügte und das Bild dann vergrößerte. Ich stehe jetzt rechts außen von der Gruppe und man kann ganz deutlich sehen, dass ich zu meinem weißen Kleid braune Schuhe trug“, so Marlies Ammel-Welsch, die sich heute noch genau daran erinnern kann, dass die Mädchen montags ein blaues Kleidchen aus Bleyle trugen. Ebenfalls ist ihr das Festessen in positiver Erinnerung geblieben. „Damals hatten die Amerikaner ca. eine Woche vor unserer Kommunion die Wölker-Halle in der Saunstraße für die Bevölkerung geöffnet, in der große Mengen an Lebensmitteln gelagert waren, wie zum Beispiel Mehl, Zucker, Margarine und vieles mehr. Selbstverständlich hat auch meine Mutter sich entsprechend eingedeckt und konnte somit viele leckere Kuchen backen!“
Auch traurige Erinnerungen
Allerdings weiß Marlies-Ammel Welsch auch viele traurige Geschichten zu erzählen. So hatten die Menschen in Niedermendig während des Krieges in dem Grubengelände unter der Straße „Auf Stürmerisch“ Holzhütten aus Brettern gebaut, in denen sie Schutz vor den Bombenangriffen suchten und in denen sie mitunter wochenlang lebten. „Meine Tante hat in einer solchen unterirdischen Behausung sogar ein Kind zur Welt gebracht, das aber wegen der Kälte, die dort herrschte, bereits nach wenigen Tagen starb.“
