Vortrag über ungewöhnliche mikroskopische Ansichten
„So schön ist die Natur im Kleinsten“
Mendig. Die „Deutsche Vulkanologische Gesellschaft“ (DVG), mit Sitz im Dr. Franz-Xaver-Michels Institut in der Mendiger Brauerstraße, forscht und vermittelt in erster Linie Phänomene des Vulkanismus. Das Thema des jüngsten Vortrags im DVG-Institut betraf zumindest teilweise ebenfalls den Vulkanismus.
Wunder vor der Haustür
Dr. Andreas Braun, Mitbegründer des Mendiger „Geologikum“, welches unter Leitung von Armyna Rätz Erlebniskurse in der Geologie anbietet, berichtete in seinem Vortrag: „So schön ist die Natur im Kleinsten - Wunder vor unserer Haustür“ über die überraschenden und oft ästhetischen Ansichten, wie sie das Mikroskop und der Mikrokosmos bieten. Braun zeigte in seinen Bildern und Fotografien eine breite Palette aus den unterschiedlichsten Bereichen: Gewässerkunde, Chemie, Mikropaläontologie, Zoologie, Botanik - ja sogar Lebensmittelkunde und selbstverständlich auch aus der Vulkanologie und der Vulkangesteine. Die Welt der Mikroskopie ist wissenschaftlich hoch wertvoll, wenn es zum Beispiel darum geht, an einem mikroskopisch kleinen Kristall mit mikrochemischen und mikrophysikalischen Methoden dessen Wachstumsgeschichte zu erforschen - und damit etwas über die Geschichte des Magmas zu erfahren, in dem dieser Kristall wuchs. Aber wie so oft verbindet sich auch hier der wissenschaftliche Wert mit einer überraschenden Schönheit, wenn man, wie Dr. Braun anschaulich erläuterte, diese wissenschaftliche Ästhetik mit den unterschiedlichsten mikroskopischen Verfahren kunstvoll sichtbar macht. Chemische Substanzen, zum Beispiel das alltägliche Vitamin C, werden kristallisiert und unter einem Mikroskop, das mit polarisiertem Licht arbeitet, zu kunstvollen Mustern und atemberaubenden Farbspielen. Auch ein Tropfen Mineralwasser aus der vulkanischen Osteifel, reich an gelösten Mineralien, bildet - wenn man den eingetrockneten Tropfen bei mehrhundertfacher Vergrößerung betrachtet - kunstvolle Mineralmuster. In der Biologie zeigt das vergrößerte Portrait einer Wespe deren überraschende Schönheit, ein Schmetterlingsflügel wird zu einem mit farbigen „Ziegeln“ belegten „Dach“ und die Kante eines Grashalms entpuppt sich als scharfe Mikrosäge.
Ungewöhnliche Mikro-Ansichten
Die Besucher des Vortrags zeigten sich von den ungewöhnlichen Mikro-Ansichten ebenso fasziniert, wie von der alten Kunst der in gesellschaftlichen Kreisen vor über 150 Jahren gepflegten „Mikroskopischen Legepräparate“. Dabei werden mikroskopisch kleine Gegenstände auf dem Objektträger zu fantasievollen Mustern gelegt, und dann fotografiert. In gelben, blauen und glänzend schwarzen Mikrosteinchen, gelegt vor schwarzem Hintergrund, leuchten Kreuze, Buchstaben und Muster aus Vulkanedelsteinen auf - ein ästhetisches und künstlerisches Erlebnis!
Die Natur im Kleinen
„Sensationell“, resümierte Heinz Lempertz (Gründungsmitglied, Sprecher und Ehrenvorsitzender der DVG) im Anschluss an den Vortrag und sprach allen Anwesenden aus dem Herzen, als er sagte: „Es ist wunderbar, was die Natur im Kleinen noch so alles bietet!“
Da Heinz Lempertz für sein unentwegtes außergewöhnliches Engagement (und das bereits seit Jahrzehnten) bekannt ist, verwunderte es nicht, dass er den Anwesenden gleich zwei spektakuläre Neuigkeiten mitteilen konnte. Zum einen wusste er mit großem Stolz auf seine Heimat zu berichten, dass auf der ersten Seite der Homepage der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf eine Geländefahrt und ein erstes Arbeitsgespräch in Mendig hingewiesen wird. Außerdem unterstreicht ein Foto die Bedeutung der DVG für die nationale und internationale Forschung. Zu sehen ist Dr. Ansgar Wehinger vom Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland Pfalz am Eingang zu den Mendiger Lavakellern in der Brauerstraße vor dem so genannten „Weltausstellungs-Mühlstein“, bei dem es sich um das einzige Exponat der Welt handelt, welches vier Weltausstellungen (seit 1851) bereicherte.
Projekt „Erfassung der Tiefbeben unter der Eifel“
Ein weites Highlight für die DVG ist nach den Worten von Heinz Lempertz das Projekt „Erfassung der Tiefbeben unter der Eifel“ des Geologischen Landesamtes und der Universität Karlsruhe sowie des Geoforschungszentrums Potsdam. „Die Erdkruste hat eine Dicke von bis zu 100 km.
Hier im Rheingraben beträgt die Stärke jedoch nur 30 km, was bedeutet, dass es sich um eine „Schwächezone“ handelt“, so Heinz Lempertz, der weiter ausführte: „ Bei der Erfassung von Tiefbeben konnte man bisher nur eine Tiefe von ca. 26 km - und zwar im Alpenvorland - erfassen. Im September 2013 war das Erstaunen der Wissenschaftler von der Uni Karlsruhe groß, als sie ein Beben zwischen Ochtendung und Mendig, welches in über 40 km Tiefe erzeugt wurde, erfassen konnten.“
Dr. Joachim Ritter von der Uni Karlsruhe sagte dazu: „Das ist absoluter Deutschland-Rekord! Zum ersten Mal haben wir es nicht mehr mit der Plattenverschiebung (Tektonik) in der Erdkruste zu tun, sondern mit dem Erdmantel, in dem durch die Bewegung des Magmas Störungen entstehen.“ Auf der Suche nach einer geeigneten Mess-Stelle nahm Dr. Ritter Kontakt zu Heinz Lempertz auf, der wie immer Rat wusste und eine ideale Mess-Stelle in der Brauerstraße vorschlug, die er dann auch gleich gemeinsam mit Dr. Ritter festlegte.
Weitere Informationen und Programme unter www.vulkane.de (Deutsche Vulkanologische Gesellschaft) und www.geologikum.de (Geologikum Mendig).
Bei mehrhundertfacher Vergrößerung kann man einer Blattlaus sogar in die Augen schauen. Foto: SF
Die Kante eines Grashalms entpuppt sich als scharfe Mikrosäge. Foto: SF
Stolz präsentierte Heinz Lempertz dieses Foto, welches auf der Homepage der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe neben einem Bericht über Mendig veröffentlicht ist und Dr. Ansgar Wehinger vom Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland Pfalz zeigt, der am Eingang zu den Mendiger Lavakellern in der Brauerstraße vor dem „Weltausstellungs-Mühlstein“, dem einzigen Exponat der Welt, welches insgesamt vier Ausstellungen (seit 1851) bereicherte, steht. Foto: Heinz Lempertz
