Gedenkfeier und Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal
Zahlreiche Bürger gedachten der Opfer zweier Weltkriege
Mendig. Seit 1952 ist der zweite Sonntag vor dem Advent ein Tag des Erinnerns und Gedenkens an die Menschen, die in zwei Weltkriegen ihr Leben ließen, an die Menschen, die der Nazi-Diktatur zum Opfer fielen und die Menschen, die Opfer von Gewaltherrschaft und Vertreibung wurden. So auch in Mendig, wo sich - trotz Dauerregen - zahlreiche Menschen am Ehrenmal auf dem Marktplatz eingefunden hatten. „Wir gedenken wie in jedem Jahr der Opfer beider Weltkriege, wollen aber auch der ca. 100 Kameraden gedenken, die bei aktiven Einsätzen der Bundeswehr in den vergangenen Jahren ihr Leben gelassen haben, so Markus Szasranski (Stabsfeldwebel der Reserve), der gemeinsam mit seinen Kameraden vom aktiven Vorstand der Reservistenkameradschaft Andernach-Mendig: Markus Hendges (Stabsunteroffizier der Reserve) und Manfred Mailz (Hauptfeldwebel der Reserve) die Kranzniederlegung vor dem Ehrenmal am Mendiger Marktplatz vollzog. Markus Szasranski, der in Afghanistan aktiv im Einsatz war, wo alleine 54 Soldaten ihr Leben lassen mussten, äußerte die leise Hoffnung, „dass vielleicht auch für diese Kameraden einmal ein Gedenkstein dazu kommt.“
„Niemals Gewalt“
Während die Mendiger Schützenkapelle und der MGV Mendig für einen dem Anlass angemessenen musikalischen Rahmen verantwortlich zeichneten, hieß der 1. Beigeordnete der Stadt Mendig, Thomas Schneider im Rahmen einer Begrüßungsansprache die Anwesenden willkommen. Schneider zitierte in seiner Rede Astrid Lindgren, die 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen genommen hatte und bei dieser Gelegenheit sagte: „Jenen, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte: ,Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben.‘ Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die Erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber einen Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: ,Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du nach mir werfen.‘ Da fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben: ,Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.‘ Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: Niemals Gewalt!“
Ein nachdenklich stimmender Vortrag
In einem ebenfalls nachdenklich stimmenden Vortrag erinnerte Chiara Marx, Schülerin der Realschule Plus an Anne Frank und zitierte diese mit dem Satz: „Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube!“ Chiara Marx unterstrich in diesem Zusammenhang: „Dieses Zitat von Anne Frank zeigt, dass die Hoffnung in jedem von uns wohnt, diese Hoffnung auf eine bessere Welt“ und beendete ihren Vortrag mit den Worten: „Setzen wir ein Zeichen, machen wir diese Welt menschlicher! Das kleinste Lächeln, ein freundliches Wort oder eine nette Geste reichen bereits aus, um diese Welt wärmer zu machen. Es ist Zeit, zu sagen: Nie wieder Krieg!“
Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel machte in seiner Ansprache deutlich, dass der Frieden heute nicht mehr so selbstverständlich ist, wie vielleicht noch vor wenigen Jahren. „Fast sieben Jahrzehnte nach dem schlimmsten aller Kriege und dem Ende der Diktatur eines Wahnsinnigen mit einer Heerschar von willigen Mördern und Befehlsvollstreckern dachten wir, niemand wird nochmals so töricht sein, mit dem Feuer zu spielen und erneutes Unheil heraufbeschwören. Blicken wir uns aber um und schauen auf die Brandherde der Welt vom Nahen Osten über Afghanistan bis zur Ukraine, ist ein großes Zittern angesagt!“
Mit der Niederlegung der Kränze vor dem Mendiger Mahnmal und der gemeinsam intonierten Nationalhymne fand die Gedenkstunde einen würdigen Ausklang.
Nach der Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal gedachten die Mitglieder der Reservistenkameradschaft Andernach-Mendig gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel und dem 1. Beigeordneten Thomas Schneider der Opfer der beiden Weltkriege. Fotos: SF
In seiner Begrüßungsansprache zitierte der 1. Beigeordnete Thomas Schneider die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.
„Setzen wir ein Zeichen, machen wir diese Welt menschlicher!“, mahnte die Schülerin der Realschule plus, Chiara Marx.
