Allgemeine Berichte | 17.11.2014

Gedenkfeier und Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal

Zahlreiche Bürger gedachten der Opfer zweier Weltkriege

Die Schützenkapelle Mendig stimmte zum Abschluss der Gedenkfeier die Nationalhymne an.

Mendig. Seit 1952 ist der zweite Sonntag vor dem Advent ein Tag des Erinnerns und Gedenkens an die Menschen, die in zwei Weltkriegen ihr Leben ließen, an die Menschen, die der Nazi-Diktatur zum Opfer fielen und die Menschen, die Opfer von Gewaltherrschaft und Vertreibung wurden. So auch in Mendig, wo sich - trotz Dauerregen - zahlreiche Menschen am Ehrenmal auf dem Marktplatz eingefunden hatten. „Wir gedenken wie in jedem Jahr der Opfer beider Weltkriege, wollen aber auch der ca. 100 Kameraden gedenken, die bei aktiven Einsätzen der Bundeswehr in den vergangenen Jahren ihr Leben gelassen haben, so Markus Szasranski (Stabsfeldwebel der Reserve), der gemeinsam mit seinen Kameraden vom aktiven Vorstand der Reservistenkameradschaft Andernach-Mendig: Markus Hendges (Stabsunteroffizier der Reserve) und Manfred Mailz (Hauptfeldwebel der Reserve) die Kranzniederlegung vor dem Ehrenmal am Mendiger Marktplatz vollzog. Markus Szasranski, der in Afghanistan aktiv im Einsatz war, wo alleine 54 Soldaten ihr Leben lassen mussten, äußerte die leise Hoffnung, „dass vielleicht auch für diese Kameraden einmal ein Gedenkstein dazu kommt.“

„Niemals Gewalt“

Während die Mendiger Schützenkapelle und der MGV Mendig für einen dem Anlass angemessenen musikalischen Rahmen verantwortlich zeichneten, hieß der 1. Beigeordnete der Stadt Mendig, Thomas Schneider im Rahmen einer Begrüßungsansprache die Anwesenden willkommen. Schneider zitierte in seiner Rede Astrid Lindgren, die 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen genommen hatte und bei dieser Gelegenheit sagte: „Jenen, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte: ,Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben.‘ Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die Erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber einen Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: ,Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du nach mir werfen.‘ Da fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben: ,Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.‘ Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: Niemals Gewalt!“

Ein nachdenklich stimmender Vortrag

In einem ebenfalls nachdenklich stimmenden Vortrag erinnerte Chiara Marx, Schülerin der Realschule Plus an Anne Frank und zitierte diese mit dem Satz: „Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube!“ Chiara Marx unterstrich in diesem Zusammenhang: „Dieses Zitat von Anne Frank zeigt, dass die Hoffnung in jedem von uns wohnt, diese Hoffnung auf eine bessere Welt“ und beendete ihren Vortrag mit den Worten: „Setzen wir ein Zeichen, machen wir diese Welt menschlicher! Das kleinste Lächeln, ein freundliches Wort oder eine nette Geste reichen bereits aus, um diese Welt wärmer zu machen. Es ist Zeit, zu sagen: Nie wieder Krieg!“

Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel machte in seiner Ansprache deutlich, dass der Frieden heute nicht mehr so selbstverständlich ist, wie vielleicht noch vor wenigen Jahren. „Fast sieben Jahrzehnte nach dem schlimmsten aller Kriege und dem Ende der Diktatur eines Wahnsinnigen mit einer Heerschar von willigen Mördern und Befehlsvollstreckern dachten wir, niemand wird nochmals so töricht sein, mit dem Feuer zu spielen und erneutes Unheil heraufbeschwören. Blicken wir uns aber um und schauen auf die Brandherde der Welt vom Nahen Osten über Afghanistan bis zur Ukraine, ist ein großes Zittern angesagt!“

Mit der Niederlegung der Kränze vor dem Mendiger Mahnmal und der gemeinsam intonierten Nationalhymne fand die Gedenkstunde einen würdigen Ausklang.

Die Schützenkapelle Mendig stimmte zum Abschluss der Gedenkfeier die Nationalhymne an.
Nach der Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal gedachten die Mitglieder der Reservistenkameradschaft Andernach-Mendig gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel und dem 1. Beigeordneten Thomas Schneider der Opfer der beiden Weltkriege. SF

Nach der Kranzniederlegung am Mendiger Kriegerdenkmal gedachten die Mitglieder der Reservistenkameradschaft Andernach-Mendig gemeinsam mit Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel und dem 1. Beigeordneten Thomas Schneider der Opfer der beiden Weltkriege. Fotos: SF

In seiner Begrüßungsansprache zitierte der 1. Beigeordnete Thomas Schneider die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

In seiner Begrüßungsansprache zitierte der 1. Beigeordnete Thomas Schneider die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

„Setzen wir ein Zeichen, machen wir diese Welt menschlicher!“, mahnte die Schülerin der Realschule plus, Chiara Marx.

„Setzen wir ein Zeichen, machen wir diese Welt menschlicher!“, mahnte die Schülerin der Realschule plus, Chiara Marx.

Die Schützenkapelle Mendig stimmte zum Abschluss der Gedenkfeier die Nationalhymne an.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Kleinanzeige Heckenschnitt
Hochschule Koblenz Stellenanzeige
Stellenanzeige Fachbereichsleitung Finanzen
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0011#
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
351

Der Sommer zeigt sich in seiner vollen Kraft – und mit ihm wächst der Wunsch nach Leichtigkeit, Erholung und neuen Perspektiven. Doch die Woche vom 27. Juli bis 2. August hält nicht nur unbeschwerte Momente bereit. Manche Sternzeichen erleben Rückenwind in der Liebe oder im Beruf, andere müssen Geduld beweisen, Missverständnisse klären oder sich bewusst Auszeiten gönnen. Kleine Entscheidungen können...

Weiterlesen

Dieser Lausbub hat nur Blödsinn im Kopf. Foto: AP
616

Mitten in der Altstadt von Koblenz, dort wo Touristen und Einheimische gerne stehen bleiben, steht er: der Schängelbrunnen. Seit 1941 plätschert er auf dem Willi-Hörter-Platz in der Altstadt vor sich hin. Oder besser gesagt: er spuckt sich tapfer durch die Jahrzehnte.

Weiterlesen

Gute Stimmung in der Südstadt: Autor Daniel Robbel
44

Bonn. Mit einer atmosphärischen Lesung stellte der Autor Daniel Robbel sein neues Buch „Sagen und Legenden aus Bonn“ im Haus der Studierendenvereinigung Flamberg in der Bonner Südstadt vor. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre nahm der Autor sein Publikum, allesamt Studentinnen und Studenten verschiedener Studiengänge, mit auf eine faszinierende Reise in die geheimnisvolle Vergangenheit der Bundesstadt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
351

Koblenz. Die Moselweinstraße (B416) zwischen Metternich und Güls wird erneut voll gesperrt, um Markierungsarbeiten durchzuführen, die aus zeitlichen Gründen beim ersten Mal nicht abgeschlossen werden konnten. Die Sperrung erstreckt sich vom 3. bis zum 7. August und betrifft den Abschnitt von der Eisenbahnbrücke in Güls bis zur Kreuzung „An der Fähre“. An den ersten drei Tagen, vom 3. bis 5. August,...

Weiterlesen

Clemens Hoch
2849

Rheinland-Pfalz öffnet seine Burgen, Schlösser und Landesmuseen für junge Menschen kostenfrei. Vom 26. Juni bis zum 9. August 2026 erhalten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erstmals freien Eintritt in landeseigene Burgen und Schlösser sowie in die Landesmuseen in Mainz, Koblenz und Trier.

Von Benjamin Kastner aus Mendig

Weiterlesen