Blaulicht | 16.03.2026

Start der Motorradsaison in NRW

ADAC Nordrhein nennt Gefahren und gibt Tipps

ADAC Nordrhein nennt Gefahren und gibt Tipps

Zum Start der Motorradsaison in Nordrhein-Westfalen warnt der ADAC Nordrhein vor einem gefährlichen Mix aus überschätzter Routine und fehlender Fahrpraxis nach dem Winter. „Die meisten Biker steigen nach einer monatelangen Fahrpause rund um die Osterferien zum ersten Mal wieder auf das Zweirad. Wir empfehlen, sich in Ruhe mit der Maschine vertraut zu machen“, sagt Jürgen Schell, Motorrad-Experte des ADAC Nordrhein. Dazu gehört, die ersten Touren auf weniger befahrenen Straßen zurückzulegen, um das Gespür für Gas und Bremse aufzufrischen und sich an Fahrdynamik und Reaktionsabläufe zu gewöhnen. Auf sicherem Terrain kann auch das Fahren von Kurven und Ausweichen trainiert werden. „Für die ersten Ausfahrten sollten Biker ohne Zeitdruck zunächst kurze Strecken fahren und anspruchsvolle Tagestouren meiden“, rät Schell. Ein Fahrsicherheitstraining hilft, nach der langen Pause wieder ein gutes Gefühl für die Maschine zu entwickeln und typische Frühjahrsunfälle zu vermeiden.

Am Sonntag hatten NRW-Innenminister Herbert Reul und Verkehrsminister Oliver Krischer in Heimbach (Rureifel) gemeinsam mit dem ADAC Nordrhein und weiteren Partnern der NRW-Initiative #sicherimStraßenverkehr die Motorradsaison eröffnet. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Protagonisten der Verkehrssicherheitsarbeit und verfolgt das Ziel, mit gemeinsamen Aktionen die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren und für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren.

Im Jahr 2025 verunglückten laut NRW-Verkehrsunfallbilanz 3537 Menschen bei Motorradunfällen, 45 kamen dabei ums Leben. Das sind deutlich weniger Unfalltote als 2024 (86). Die Zahl der Leichtverletzten stieg im Vergleich zum Vorjahr hingegen um 18 Prozent, bei den Schwerverletzten kam es zu einem Anstieg von drei Prozent. Insgesamt gab es 3462 Motorradunfälle mit Personenschaden (plus 13 Prozent). Überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und riskante Überholmanöver zählen zu den häufigsten Unfallursachen.

Besonders im März und April sollten Motorradfahrer auf jahreszeittypische Gefahren wie nicht behobene Frostschäden im Asphalt oder Rollsplit achten. Ein weiterer Risikofaktor sind laut ADAC die Temperaturschwankungen in diesen Monaten. „Mancherorts friert es nachts sogar noch. Die meisten Motorradreifen brauchen aber eine gewisse Betriebstemperatur, um gut zu funktionieren“, sagt Jürgen Schell. Bei Kälte tue sich ein Motorradreifen besonders schwer, in ein optimales Betriebsfenster zu kommen, so der ADAC Fachmann. Damit steige die Gefahr, dass der Reifen nicht richtig haftet – besonders bei langer Wartezeit an einer Ampel, an einer Bahnüberführung oder, wenn der Reifen im Vorfeld vielleicht noch nicht richtig warm geworden ist.

Bei kälteren Temperaturen, gerade in den Morgenstunden, könnte außerdem ein beschlagenes Visier die Sicht einschränken. Dagegen helfen sogenannte Antifog-Systeme. „Perfekt sind Helme mit klarem Visier und einem innenliegendem Sonnenvisier, das sich bei Bedarf ausklappen lässt“, rät Schell. Dunkle Visiere sollten in der Anfangszeit hingegen gemieden werden, da schnell umschlagendes Wetter auch hier die Sicht beeinträchtigen kann.

Auch für Autofahrer bedeutet die Rückkehr der Motorräder – und auch Fahrräder – auf den Straßen eine Umstellung. Beide Seiten müssen sich zunächst wieder aneinander gewöhnen: Autofahrer unterschätzen häufig das Tempo von Motorrädern und sehen sie gerade beim Abbiegen wegen ihrer schmaleren Silhouette zu spät. Motorrad-Experte Schell sieht noch ein weiteres Problem zum Saisonstart: „Vom Autofahren sind wir es gewöhnt, dass der Blinker sich nach dem Abbiegen ausschaltet. Beim Motorrad muss das überwiegend manuell gemacht werden und das wird zu Beginn der Saison gerne vergessen. So können an Kreuzungen oder Einmündungen gefährliche Missverständnisse entstehen.“ Auch die im Frühjahr noch tief stehende Sonne beeinträchtigt die Sichtbarkeit und stellt ein Risiko im Verkehr dar. „Wichtig ist, dass Autofahrer sich des höheren Aufkommens an Motorradfahrern besonders an warmen Tagen bewusst sind und beide Seiten Rücksicht aufeinander nehmen“, sagt Schell.

Vor der ersten Fahrt sollten Motorradfahrer unbedingt die Technik ihrer Maschinen checken. Der Mobilitätsclub rät: Wer sein Motorrad über den Winter stehen gelassen hat, sollte das Fahrzeug vor der ersten Fahrt gründlich reinigen und auf Fehler oder Undichtigkeiten überprüfen. Anschließend sollten Batterie, Ölstand, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel kontrolliert werden. Auch die Beleuchtung, Elektronik, Bremsen und Reifen müssen einwandfrei funktionieren. Eine ausreichende Profiltiefe und der richtige Luftdruck sind entscheidend für Grip und Bremsweg. Ebenso sollte die Antriebskette auf Verschleiß geprüft und frisch geschmiert werden.

Der ADAC Nordrhein empfiehlt, auch den Zustand der Schutzausrüstung unter die Lupe zu nehmen. Dazu gehören Helm, Handschuhe, Jacke, Hose und Stiefel. Moderne Airbag-Westen bieten zusätzlichen Schutz.

Die ADAC Technik-Checkliste zum Saisonstart:

  • Batterieladung prüfen: Bei einer nicht ausreichend geladenen Batterien, könnten Assistenzsysteme wie das ABS nicht funktionieren
  • Flüssigkeiten wie Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel checken
  • Elektronische Anlagen (z.B. Kupplungs- und Seitenständerschalter) testen
  • Bremsbeläge, Bremswirkung, Reifenprofil und Luftdruck überprüfen
  • Korrekte Spannung und Schmierung der Antriebskette beachten
  • Schutzausrüstung prüfen (Helm, Handschuhe, Jacke, Hose und Stiefel)

In den ADAC Prüfzentren sowie auf der Mobilen Prüfstation können Motorradfahrer alternativ ihre Fahrzeuge durchchecken lassen. Die ADAC Fachleute prüfen beim ADAC Sicherheitscheck (49 Euro für Mitglider, sonst 59 Euro) unter anderem Bremse, Licht, Lenkung, Räder, Antrieb sowie Motor, Kraftstoff- und Kühlsystem (Undichtigkeiten). Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Terminvereinbarung unter www.adac.de/nrw.

Thema Motorradlärm: Der ADAC Nordrhein appelliert, gerade in Ortschaften, Dörfern und auf lärmsensiblen Streckenabschnitten verantwortungsbewusst zu fahren und Rücksicht auf Anwohner zu nehmen. Der ADAC selbst setzt seine Motivkampagne für die Sensibilisierung zum Thema Motorradlärm fort: Der Club hat 20 Hinweistafeln mit 20 verschiedenen Motiven (Beispiel: „Bitte nicht röööhren!“) entwickelt und stellt sie gratis interessierten Kommunen zur Verfügung, die damit Schilder produzieren können (Anfragen an verkehr.team@adac.de).

Wer überprüfen möchte, wie laut das Standgeräusch des eigenen Motorrads ist, kann eine solche Messung im ADAC Prüfzentrum in Köln Sülz (Luxemburger Str.169) durchführen lassen. Für Mitglieder kostet der Service bis zu Beginn der Sommerferien 14 Euro, für Nicht-Mitglieder 25 Euro.

Tipps zum geräuschreduzierten Motorradfahren:

  • Originale Auspuffanlage und Endschalldämpfer nur austauschen, wenn die Umrüstanlage in allen Betriebszuständen maximal gleich laut oder besser noch leiser ist
  • Original- oder Austausch-Auspuffanlage nicht verändern. In nahezu allen Fällen einer Veränderung werden die Fahrgeräusche lauter sein als vorher. Außerdem erlischt die Betriebserlaubnis
  • Drehzahl grundsätzlich möglichst niedrig halten. Wenig Gas geben (so bleibt die Drosselklappe weitgehend geschlossen) und den Gang so wählen, dass ausreichend Drehmoment passend zur jeweiligen Fahrsituation bereitsteht, aber eben auch nicht mehr
  • Innerorts entspannt mit weitgehend geschlossener Drosselklappe (wenig Gas) dahingleiten
  • Exzessive Beschleunigungen generell vermeiden, auch am Ortsausgang
  • Mitdenken, Freude schenken: Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Ruhe. Das gilt für den Motorradfahrer selbst natürlich auch

Pressemitteilung adac

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