Nachhaltiges Neubaugebiet in Selters
Erst gezielte Werbung brachte den Verkaufserfolg
aus Dierdorf
Selters. Inzwischen sind nur noch zwei Grundstücke für Einfamilienhäuser im Selterser Neubaugebiet „Am Sonnenbach“ zu haben. Aber die Verkaufszahlen sahen zeitweise ganz anders aus.
Anfang 2023 war das Interesse an den Bauplätzen zunächst enorm – noch bevor die ersten Bagger anrückten. Rund 175 Familien bekundeten ernsthaftes Interesse an einem Grundstück. Bei zwei Informationsveranstaltungen in der Festhalle informierten sich die Besucher über das nachhaltige Energiekonzept mit Kalter Nahwärme.
Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Wegen der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine stiegen die Baukosten und Zinsen deutlich an. Die Zahl der Kaufinteressenten sank auf nur noch etwa 25. Obwohl das Neubaugebiet im Laufe des Jahres 2024 vollständig erschlossen und mit Straßen sowie dem Nahwärmenetz ausgestattet wurde, waren bis Ende des Jahres lediglich vier Grundstücke verkauft.
„Wir mussten feststellen, dass der Verkauf doch kein Selbstläufer war“, sagte der Beigeordneter Volker Hummerich. Anfragen und Verkäufe stiegen jedoch deutlich, als die Stadt Anfang 2025 die Grundstücke aktiv vermarktete, ein einfaches Werbekonzept entwickeln ließ, große Banner aufstellte und vor allem die Grundstücke auf mehreren Internetplattformen präsentierte.
Von den insgesamt 55 Baugrundstücken sind inzwischen nahezu alle vergeben. Drei Kaufverträge befinden sich derzeit in Vorbereitung, sodass nur noch zwei Grundstücke für Einfamilienhäuser zu haben sind. Darüber hinaus stehen noch Flächen für Reihenhausbebauungen mit drei, vier oder fünf Wohneinheiten zur Verfügung. Dafür haben Investoren bereits Interesse signalisiert.
Mit den bisherigen Grundstücksverkäufen hat die Stadt mehr als drei Millionen Euro eingenommen. „Wir sind sehr dankbar, dass sich Volker Hummerich mit großem Engagement um den Verkauf gekümmert hat“, betont Stadtbürgermeister Rolf Jung. „Sein unermüdlicher Einsatz hat der Stadt Maklergebühren von mehr als 100.000 Euro erspart.“ Hummerich hebt seinerseits die gute und schnelle Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeindeverwaltung Selters hervor.
Entscheidend für den Kauf waren bei vielen Bauherren das Nachhaltigkeitskonzept mit der Kalten Nahwärme, die Fixkosten für die Energieversorgung sowie die städtischen Zuschüsse für die zwingend zu errichtende Zisterne und für eine Photovoltaik-Anlage. Für diese Anreize war man bereit, durchschnittlich etwa 15.000 Euro mehr fürs Grundstück auszugeben. Viele Familien mit Kindern wollen sich „Am Sonnenbach“ niederlassen. Rund die Hälfte der Käufer stammt aus Selters, der Rest aus dem Umland des Westerwaldes oder dem Hunsrück, wenige von weiter entfernt.
Inzwischen befinden sich 16 Häuser im Bau, drei sind bereits bezogen. Zu den ersten Bewohnern gehört das Ehepaar Lara und Carsten Steindorf, das seit rund sechs Monaten im neuen Eigenheim lebt. „Bei der Technik wird hier teilweise noch Pionierarbeit geleistet“, berichtet Carsten Steindorf. Zu Beginn hätten sowohl Handwerksbetriebe als auch namhafte Heizungshersteller nur wenig Erfahrung mit dem Kalten Nahwärmenetz gehabt. Zudem seien bislang noch zu wenige Gebäude angeschlossen. Dadurch sei die Sole in den Leitungen zu wenig in Bewegung und im Winter derzeit noch zu kalt und im Sommer zu warm. Steindorf ist jedoch überzeugt, dass sich dieses Problem mit jedem weiteren angeschlossenen Gebäude verringern wird. Auch die vertragliche Regelung und die Umsetzung der vorgeschriebenen Zisternen sei für alle Beteiligten zunächst eine Herausforderung gewesen.
Den Ausschlag für den Kauf gab für die Familie aber auch die Lage des Neubaugebiets. „Wir genießen hier die Ruhe und können trotzdem schnell mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren“, sagt Lara Steindorf.
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Das nachhaltige Neubaugebiet „Am Sonnenbach“ musste beworben werden. Nun ist es fast ausverkauft. Foto: Eckhard Schneider