In Engers erinnerten Zeitzeugen an die Sprengung der Kronprinz-Wilhelm-Brücke am 9. März 1945
Kriegsende vor 70 Jahren
Engers. Zum Gedenken an die Opfer der Sprengung der Kronprinz-Wilhelm-Brücke am 9. März 1945 versammelten sich auf den Tag 70 Jahre später zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen der Geistlichkeit: die katholische Gemeindereferentin Petra Schunkert und Frau Hamacher von der evangelischen Pfarrei sowie der Stadtspitze mit Oberbürgermeister Nikolaus Roth und in Vertretung des Landrates Fredi Winter, Kreisbeigeordneter und Mitglied des Landtages, an der Gedenktafel am ersten Brückenpfeiler. Hier wurden sie von Werner-Johann Keßler begrüßt. Dieser freute sich besonders über die Teilnahme der Zeitzeugen: Frau Mittler aus Gladbach, Hermann Reiff und Josef Kröll aus Güls, Rudi Beckermann aus Sayn und Jürgen Friedrich Donecker aus Neuwied, der als „Hitlerjunge“ die Sprengung unmittelbar auf der Engerser Rheinseite miterlebte. Bedauerlicherweise konnte der erhoffte Besuch des amerikanischen Brigadegenerals i.R. Albin F. Ircyk aus West Palm Beach, der trotz seines hohen Alters von 99 Jahren sehr gerne nach Engers gekommen wäre, nicht stattfinden. Jedoch hatte er zum Anlass eine Mailbotschaft übersandt, die Keßler im weiteren Verlauf der Gedenkstunde verlas. „Der General war am Morgen des 9. März mit 14 Panzern und 3.500 Soldaten einen Kilometer von der Brücke entfernt“, schildert Keßler. „Ircyk war die ´Speerspitze´des Panzergenerals Patton.“ Seine Eindrücke und Erlebnisse brachte der General in den vergangenen Jahren in zahlreichen Schreiben an die Engerser Freunde zum Ausdruck. Er erlebte die Sprengung unmittelbar und wiederholte seine, auch in seinem Buch beschriebene Darstellung von Menschen, Tieren und Fahrzeugen auf der Brücke, die durch die Luft geschleudert wurden und in den Rhein stürzten. „Er geht von vielen Toten und Verletzten aus und versteht nicht, warum es überhaupt Zweifel daran gegeben habe.“ In seiner Grußbotschaft berichtet General Ircyk: „Als meine Einheit einen Kilometer vor der Brücke entfernt war, öffnete sich die Hölle: Die Brücke wurde gesprengt voller Menschen und Material, ein Anblick, der sich nie mehr wiederholen wird und auch nicht verstanden werden kann. Das Ereignis war einzigartig. Es war das Schicksal der Soldaten, hier an der Brücke sterben zu müssen. Wie Soldaten vor ihnen, sollten sie hochgeehrt werden. Ich zolle ihnen Anerkennung für diese Gedenkfeier und ich achte und ehre jene, die umgekommen sind.“
Ein Tag des Erinnerns und Mahnens
Der Gedenktag, der bereits morgens um 7.30 Uhr mit dem Glockenläuten der Kirchen in Engers und Urmitz, begann war ein Tag des Erinnerns und Mahnens. Mit einem Zitat des kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker beendete Keßler seine Ausführungen. Weizsäcker hielt dieses zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag: „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart … Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ Oberbürgermeister Nikolaus Roth mahnte ebenso davor, dass sich solche Ereignisse nie wiederholen dürfen und betonte zudem, dass die Sprengung den Krieg um einige Tag verkürzt habe.
Gespräche mit Zeitzeugen
Das Gebet der beiden Kirchenvertreterinnen und ein gemeinsames „Vater unser“ beschlossen die Gedenkstunde, wobei im Anschluss noch ausgiebige Gelegenheit zum Gespräch mit den Zeitzeugen bestand. Von der Urmitzer Rheinseite anwesend war auch Walter Häring, der in jahrelanger Arbeit Fakten über die Sprengung zusammentrug, und diese am 10. März im Pfarrgemeindesaal Engers präsentierte.
Oberbürgermeister Nikolaus Roth (l.) und Werner Johann Keßler erinnerten an die Geschehnisse vor 70 Jahren.
