Allgemeine Berichte | 24.04.2026

Hintergründe zu Baumfällungen in der Innenstadt

Neuwied: 160 Bäume gefällt - 400 neue gepflanzt

In der Deichstraße wurden 39 Kugelahor und Akazien gefällt.

Neuwied. Seit Anfang 2023 wurden in der Neuwieder Innenstadt rund 160 Bäume gefällt. Das teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage von Blick Aktuell mit. Gleichzeitig wird betont, dass in diesem Zeitraum aber deutlich mehr neue Bäume gepflanzt wurden, denn in der Regel werden dort, wo Bäume gefällt werden, auch wieder neue gepflanzt: „Seit Anfang 2023 wurden im Stadtgebiet insgesamt rund 400 neue Bäume gepflanzt.“ Pressesprecher der Stadt Neuwied Ulf Steffenfauseweh betont: „Neuwied ist und bleibt eine sehr grüne Stadt. Aktuell sind rund 16.000 Bäume im Stadtgebiet im Baumkataster erfasst – auf Spielplätzen, Sportplätzen, Friedhöfen sowie in Park- und Gartenanlagen und im Straßenbegleitgrün.“

Veilchendienstag wurden an der Geschwister-Scholl-Schule in Heddesdorf drei gesunde Platanen, die bis zu 300 Jahre alt werden können, gefällt. Dies sorgte zunächst für Unmut bei den Bürgern. Dazu erläuterte Ulf Steffenfauseweh: „Dass die drei Platanen nicht in die Neugestaltung des Schulhofs integriert werden können und deshalb im Zuge der Arbeiten gefällt werden müssen, liegt in erster Linie daran, dass diese wegen der beengten Schulhoffläche während der Bauarbeiten nicht ausreichend geschützt werden können.“

Die Fällungen der letzten Jahre verteilen sich auf mehrere Bereiche: Elisabethstraße 20 Birken, Deichstraße 39 Kugelahorn und Akazien, Kinzingstraße 23 Kirschbäume, Langendorfer Straße/Luisenplatz: 17 Kugelahorn, Friedhof Elisabethstraße 25 Bäume unterschiedlicher Arten, Engerser Straße 13 Ahornbäume. Die Gründe für solche Fällungen sind vielfältig: „[Die Fällungen] folgen klaren fachlichen Kriterien. Ein wesentlicher Faktor ist die Verkehrssicherheit. Bäume werden regelmäßig kontrolliert. Wenn dabei festgestellt wird, dass sie nicht mehr standsicher sind oder aufgrund von Krankheiten keine Perspektive mehr haben, müssen sie aus Sicherheitsgründen entfernt werden. So die Bäume in der Elisabethstraße und in der Kinzingstraße sowie auf dem Friedhof Elisabethstraße. Gleichzeitig verfolgt das Stadtbauamt für Elisabeth- und Kinzingstraße das Ziel, die bestehenden Alleen im Zuge eines geplanten Vollausbaus grundlegend zu erneuern – in der Kinzingstraße künftig wieder mit Kirschbäumen.“

Auch städtebauliche Maßnahmen spielen eine Rolle. Viele ältere Standorte entsprechen laut Verwaltung nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Bäume wurden damals häufig in sehr kleine Baumscheiben gepflanzt, teilweise mit nur etwa drei Kubikmetern durchwurzelbarem Boden. Unter heutigen klimatischen Bedingungen ist das langfristig nicht tragfähig.“ Bei Neugestaltungen setzt die Stadt deshalb auf größere und besser ausgestattete Pflanzflächen.

Ein Beispiel ist die Engerser Straße. Dort sollten die Bäume zunächst erhalten bleiben. Während der Bauarbeiten stellte sich jedoch heraus, dass sie in Betonfundamenten verwurzelt waren und ihre Standsicherheit verloren hatten. „Eine Fällung war daher unumgänglich“, so der Pressesprecher. In anderen Fällen konnten Bäume erhalten werden: „In der Wilhelmstraße konnten einzelne größere Bäume gesichert und durch gezielte Maßnahmen langfristig stabilisiert werden“.

Beim Umbau der Deichstraße etwa konnten die bestehenden Bäume nicht in die neue Planung integriert werden. Zudem seien einige Exemplare vorgeschädigt gewesen, da sie Anfahrtsschäden durch Autos oder Astungswunden im Kronenbereich aufwiesen.

Grundsätzlich gilt demnach, dass Fällungen erst nach fachlicher Bewertung der zuständen Stellen durchgeführt werden. Bei städtebaulichen Maßnahmen ist zusätzlich der Neuwieder Stadtrat eingebunden, nachdem die Projekte im Planungsausschuss vorgestellt, beraten und beschlossen wurden. Ebenso ist bei Neupflanzungen eine Anpassung an den Klimawandel ausschlaggebend, weswegen zunehmend klimaresistente Arten gepflanzt werden.

Ulf Steffenfauseweh hebt hervor, dass für die Verwaltung Bäume in der Innenstadt äußerst wichtig sind: „Wir bedauern jede einzelne Fällung. […] Wir investieren gezielt in bessere Standorte, klimaangepasste Arten und zusätzliche Pflanzungen. Unser Ziel ist es, den Baumbestand in Neuwied nicht nur zu erhalten, sondern langfristig zu stärken und zukunftsfähig weiterzuentwickeln“.

HEP/SvM

Auch auf dem Luisenplatz mussten ebenfalls Bäume gefällt werden.

Auch auf dem Luisenplatz mussten ebenfalls Bäume gefällt werden. Foto: HEP

In der Deichstraße wurden 39 Kugelahor und Akazien gefällt. Foto: HEP

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