Alte Hitparade-Stars zu Besuch in der Neuwieder Marktkirche
Schwarzmeer-Kosaken begeistern in Neuwied
Neuwied. Greis ist er geworden, der Peter Orloff, flüsterten vornehmlich die weiblichen Besucher eines bemerkenswerten Konzerts des Schwarzmeer-Kosakenchores in der Neuwieder Marktkirche sich zu, aber er sieht immer noch gut aus. Und in der Tat ist der frühere Teenie-Schwarm, der von unzähligen Titelblättern der Unterhaltungsbranche lächelte, immer noch eine ansehnliche Erscheinung, die Frauenherzen höher schlagen lässt und manche Erinnerungen an Auftritte in „Studio B“ oder der ZDF-Hitparade wachruft. Umso erstaunlicher der Wandel des fast 70-jährigen, der die musikalische Gesamtleitung der Schwarzmeer-Kosaken unter sich hat und selbst mit voluminösem Stimmumfang bei Solovorträgen zu überzeugen weiß. Natürlich passt man sich dem Publikum an und weiß auch, was gerne gehört wird und so erklangen nacheinander von tiefer Religiosität geprägte russische Kirchenlieder oder Weltklassiker vom „Mozart Russlands“, wie Orloff es ausdrückte, Dimitri Bortnjanskis „Ich bete an die Macht der Liebe“, vom Tenor Georgij Serbezov eingehend, und Gänsehaut erzeugend, dargeboten. Überhaupt - bei Orloff müssen alle elf Chormitglieder einschließlich ihm selbst ran und durch ihr einmaliges Klangvolumen überzeugen, dass die Fenster der Marktkirche mehr wie einmal erzittern ließ. Sei es bei der ungewöhnlichen Falsettstimme von Igor Ishchak, von Orloff als die „Callas aus Sofia“ angekündigt, und so hörte es sich auch an, oder der Orgelstimme seines Stellvertreters Stefan Arininsky. In bunter Folge reihte sich Klassiker an Klassiker, sei es Schuberts „Ave Maria“, der Gefangenenchor aus Nabucco, „Eintönig klingt das Glöckchen“, „Stenka Rasin“ oder die „Legende von den 12 Räubern“, alles wurde begeistert vom Publikum aufgenommen und vom gut aufgelegten Orloff gekonnt angesagt. Hervorragend begleitet wurde der Chor vom Akkordeon-Virtuosen Ilya Kurtev und der Domra-Solistin Irina Kripakova, die bei ebenso zu überzeugen wussten, wie der Gesamtchor. Da passte es hervorragend, das man das Konzert mit Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“ beim Auszug aus der Kirche an einem dankbaren Publikum vorbei beendete, mit der Gewissheit sich ein weiteres Mal in die Herzen gesungen zu haben und gerne wieder begrüßt wird.
