An der Landesblindenschule in Neuwied
„Spiel ohne Grenzen“
Aktion bringt über 100 Kinder mit und ohne Behinderung zusammen
Neuwied. Voll konzentriert setzen die Kinder einen Fuß vor den anderen: in der Hand eine Stange, auf der sie Tennisbälle balancieren, unter ihnen ein Seil auf dem Boden. Am Ziel angekommen ertönt kräftiger Applaus - das gibt viele Punkte für das Team vom „Zirkus Moreno“. Wo normalerweise gelernt wird, können Kinder mit und ohne Sehbehinderung heute Zirkusluft schnuppern: Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte hat sich für einen Tag in einen riesigen Zirkus verwandelt. Anlass ist das „Spiel ohne Grenzen“ unter dem Motto „Alles paletti im Zirkus Confetti“. Bereits zum 30. Mal findet die Aktion der Landesblindenschule in Kooperation mit dem katholischen Dekanat Rhein-Wied und dem evangelischen Kirchenkreis Wied auf dem Schulgelände statt.
Einer der jungen Artisten ist der achtjährige Sandro, der die Landesblindenschule besucht. In seinem Team hat er heute Fynn und Nico aus Neuwied kennengelernt. In den Teams bilden die Kinder der Landesschule zum Beispiel gemeinsam mit Kommunionkindern, Kindern aus der evangelischen Friedensgemeinde Neuwied, mit Pfadfindern und Kindern aus AWO-Gruppen eine Riege. Sandro und seine Mitstreiter sind sich einig: „Wir freuen und am meisten, dass wir jetzt zusammen spielen, dabei Punkte sammeln und am Ende einen Preis gewinnen.“ Den werden die Kinder mit und ohne Behinderung dann auch gemeinsam einlösen. Nico weiß vom letzten Mal noch, wie viel Spaß das macht: „Da waren wir im Neuwieder Zoo bei einer Nachtführung. Das war etwas ganz Besonderes.“ Solche gespendeten Preise seien dazu da, den Kindern auch nach der Veranstaltung eine Möglichkeit zu geben, sich wiederzusehen und Kontakte zu knüpfen, erklärt Maria Dirrigl vom Dekanat Rhein-Wied.
Schulleiterin Martina Henrich-Kleyer hat die über 100 Kinder mit und ohne Sehbehinderung am frühen Nachmittag begrüßt. Sie freue sich über das Jubiläum: „Das ‚Spiel ohne Grenzen‘ entstand in den 80er-Jahren - und das lange, bevor Inklusion derart thematisiert wurde wie in diesen Tagen.“ Darauf, dass die Aktion auf drei Jahrzehnte Tradition zurückblicken kann, sind auch die Mitglieder des Vorbereitungsteams stolz. Melanie Schröder, Petra Schunkert, Regina Schmitz, Wolfgang Plöger und Maria Dirrigl konnten auch dieses Mal auf zahlreiche Mitarbeiter der Landesblindenschule sowie Ehrenamtliche aus den Kirchengemeinden zählen.
Einer von ihnen ist Philipp Bourgett aus Oberbieber, der ein Katapult mit Schaumküssen betreut: „An meinem Stand haben sich alle Kinder gut eingebracht und gegenseitig geholfen. Sie hatten viel Spaß“, resümiert der Jugendliche. Bei einer anderen Station ist der Strom im Zirkus „ausgefallen“. Dort müssen alle Kinder in einer abgedunkelten Manege Gegenstände suchen und haben so ähnliche Voraussetzungen. Im Zirkus dürfen aber auch die Tiere nicht fehlen: In einer Pferdekutsche können die Gäste und Artisten die Spielstationen auf dem Gelände erkunden. Bevor die Kinder beim großen Finale ihre Preise entgegennehmen, sorgt Clown Arto noch mal für fröhliche Stimmung. „Darum geht es ja vor allem beim Spiel ohne Grenzen - miteinander Freude haben und lachen“, erklärt Dirrigl. So würden Ängste auf beiden Seiten spielerisch überwunden und junge Menschen mit und ohne Behinderung könnten zueinander finden. Daher soll es nach dem Wunsch der Veranstalter auch im Jahr 2016 wieder das „Spiel ohne Grenzen“ in Feldkirchen geben.
