Informationsveranstaltung des CDU-Ortsverbands Bad Breisig mit großer Resonanz
Abfallentsorgung als spannendes Thema
Bad Breisig. Voll besetzt war der Jugend- und Kulturbahnhof, als der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Bad Breisig, Norbert Heidgen, interessierte Bürger zu einer Informationsveranstaltung begrüßte und den Referenten des Abends, den Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) Ahrweiler, Sascha Hurtenbach, vorstellte. Der brachte seine Zuhörer, unter ihnen der Landtagsabgeordnete Guido Ernst, Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach und Ortsbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lerch, gleich zum Schmunzeln mit dem Bekenntnis „Müll ist mein Leben, Abfall meine Leidenschaft“. Sein einleitender Vortrag, dem eine lebhafte, teils emotionale Diskussion folgen sollte, startete er mit der provokanten Frage „Neues Gebührenkonzept - besser selbst entsorgen?“ Dem folgten weitere zwölf Fragen und Antworten mit geballten Informationen rund um die Änderung des Abfallwirtschaftskonzepts.
Gebührenstabilität versus Kostendeckungsprinzip: Hurtenbach wies darauf hin, dass seit neun Jahren die Abfallgebühren im Kreis Ahrweiler stabil geblieben sind. Dem steht im gleichen Zeitraum eine allgemeine Preissteigerung von 25 Prozent entgegen, was zwangsläufig seit 2015 zu Verlusten führte, die der AWB nicht mehr kompensieren konnte. Es gilt das Kostendeckungsprinzip. Zudem enden die Verträge mit dem Entsorger Remondis in diesem Jahr. Eine europaweite Ausschreibung ist bereits veranlasst. Es ist eine Binsenweisheit, so Hurtenbach, dass die Entsorgungskosten von der Abfallmenge abhängen. Dabei steht besonders der Restmüll im Fokus. Sein Volumen im Kreis Ahrweiler liegt jährlich bei 18.000 Tonnen, die aktuell Entsorgungskosten von etwa 150 Euro pro Tonne verursachen. Die Entsorgung der etwa 5000 Tonnen Verpackungsmüll ist über das duale System gedeckt. Die etwa 10.000 Tonnen Altpapier lassen sich derzeit sogar für etwa 75 Euro pro Tonne als Rohstoff vermarkten.
Sortieranalyse mit Überraschungen: Kernproblem und Kostentreiber ist die Restmüllmenge. Wesentlich, so Hurtenbach, ist das sorgfältige Sortieren des Abfalls. Ziel des neuen Konzepts ist, die Restmüllmenge um 50 Prozent zu reduzieren. Das ist keine Utopie, wie das überraschende Ergebnis einer Sortieranalyse von 120 Restmülltonnen in Ahrweiler zeigt. Im Durchschnitt war ein Drittel des Behältervolumens ungenutzt, nur etwa 25 Prozent der Befüllungen bestand aus echtem Restmüll. Die übrigen Inhaltsstoffe waren Biomüll, Verpackungen, Altglas, Pfandflaschen und Papier.
Verursacherprinzip, freie Wahl der Behältergröße und Gutschrift für Altpapier: Daraus folgt nach Hurtenbach, dass zukünftig konsequente Mülltrennung und der Weg weg von der Gebührenbemessung nach Haushaltsgröße hin zum Verursacherprinzip die einzig zukunftsträchtige im Interesse aller ist. Das bedeutet konkret, dass zukünftig neben den vierwöchigen Leerungen der Restmülltonne als Basisleistung weitere Leerungen oder alternativ eine größere Tonne wie auch andere Zusatzleistungen wie zum Beispiel ein Express-Service für die Sperrmüllabfuhr gegen Kostenerstattung erfolgen. Als Bonbon stellte er im Gegenzug eine jährliche Gutschrift für Altpapier in Aussicht. Dies soll mithilfe eines Zuordnungschips in der Papiertonne und dem am Müllfahrzeug bei der Leerung ermittelten Gewicht des Altpapiers ermittelt werden.
Gebührenerhöhung - mehr illegale Entsorgung?: Die Frage, wie hoch denn zukünftig die Abfallgebühren ausfallen werden, konnte Hurtenbach mit dem Hinweis auf die noch laufende Ausschreibung nicht beantworten. Auf eine Gewissheit wies er in diesem Zusammenhang hin, dass nämlich eine konsequente Mülltrennung zur individuellen Kosteneinsparung beitragen wird. Den Hinweis aus der Zuhörerschaft, dass die Menschen wohl zukünftig beim Waldspaziergang und auf Parkplätzen vermehrt mit Müll konfrontiert werden, konterte Hurtenbach mit dem Hinweis, dass in Regionen, die dieses System bereits eingeführt haben, ein statistischer Nachweis über einen Anstieg der illegalen Abfallentsorgung nicht geführt werden kann.
Benutzte Papiertaschentücher ins Altpapier, Speisereste in die Biotonne: Die im Anschluss an den überaus informativen Vortag entbrannte lebhafte Diskussion ließ erahnen, wie emotional besetzt das Thema Abfallentsorgung ist. Den Hinweis, zum Beispiel gebrauchte Papiertaschentücher mit dem Altpapier zu entsorgen oder Fleischreste in die Biotonne zu geben, wurde von einigen Zuhörern mit Verwunderung aufgenommen. Die Fraktion der Eigenkompostierer fragte, was denn mit Speiseresten geschehen solle und ob denn nicht eine Ungezieferplage heraufbeschworen würde. Auch dafür gibt es Lösungen, die aber aufwendig sind, so Hurtenbach. Er riet dazu, sich doch einmal Gedanken über die Nutzung einer Biotonne zu machen, beläuft sich der monatliche Preis dafür aktuell im Wert einer Schachtel Zigaretten. Zumal die wöchentliche Leerung der Biotonnen im nächsten Jahr um weitere zwei Monate verlängert wird.
Ein besonders kreativer Tipp einer Zuhörerin zur Altpapiertonne sorgte für Belustigung. Schlug sie doch vor, das Altpapier zur Erstattungsoptimierung vor der Abfuhr ordentlich zu wässern und damit das Gewicht zu erhöhen. Offenbar scheint die neue Gebührenordnung zumindest die Kreativität zu fördern.
Er bot für individuelle Entsorgungsprobleme ein persönliches Gespräch an und appellierte an seine Zuhörer, dem neuen Gebührenkonzept eine Chance zu geben. Und schloss mit dem Satz:
„Wir sind auch offen dafür, eventuelle Fehler zu korrigieren.“ Heidgen gab in seinem Schlusswort zu, vor dem Vortrag nie gedacht zu haben, dass Abfallentsorgung ein so spannendes Thema sein könnte. Er dankte dem Referenten für den engagierten und spannenden Vortrag und den Zuhörern für die lebhafte Beteiligung an der anschließenden Diskussion.
Pressemitteilung
des CDU-Ortsverbands
Bad Breisig
