Keine gemeinsame Beschlussfassung im Wirgeser Stadtrat
Abstimmungs-Krimi im Stadtrat von Wirges wegen der „Trompete“
Es stand ohne Fraktionszwang 11:11 bei der Abstimmung – Die Umsetzung des Projektes ist vorerst ausgesetzt
Wirges. Was für ein Drama im Stadtrat von Wirges. In der Ratssitzung vom 28. August sollte endlich ein Schlussstrich unter das quälenden Gezerre um die künstlerische Gestaltung der Lüftungsanlage auf dem Bürgerhaus in Wirges gezogen werden. Obwohl alle Fraktionen im Vorfeld bekundet hatten, das leidige Thema beenden zu wollen – sogar der Fraktionszwang wurde aufgehoben – kam es bei der Abstimmung über zwei Beschlussvorschläge zu einem 11:11. Damit wurde eine Entscheidung, wie es auf dem Dach des Bürgerhauses weitergehen soll, auf unbestimmte Zeit verschoben, die Grabenkämpfe gehen also vermutlich weiter.
Wie alles begann...
Zur Vorgeschichte: Nach der Renovierung des Bürgerhauses in Wirges machte die Stadt sich Gedanken, wie die unansehnliche, monströse Lüftungsanlage auf dem Dach verkleidet werden könnte. Deshalb erfolgte von der Stadt eine Ausschreibung gemäß den Vorschriften von „Kunst am Bau“. Insgesamt lagen nach Ende der Ausschreibungsfrist der Stadt 14 Entwürfe vor. Eine Jury wurde gebildet, mit dem Auftrag, einen Gewinner zu ermitteln, dessen Entwurf dem Anforderungsprofil entsprach. Zunächst wurde bei einer Vorauswahl die Anzahl der Objekte auf sechs Vorschläge begrenzt. Ein Künstlerteam aus Mainz namens „conhereos“ wurde einstimmig als Gewinner gekürt. Als das Gewinnermodell mit dem Titel „FestSpielHaus“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, regte sich erheblicher Widerstand gegen das Projekt, sowohl in der Bevölkerung, als auch in den städtischen Gremien. Im Volksmund wurde das Modell mit dem Ausdruck „Trompete“ belegt, weil zwei Trompeten den Mittelpunkt der Anlage darstellen.
Klar war, dass die Entscheidung der Jury bindend ist, andernfalls eine neue Ausschreibung erfolgen müsste, mit der Folge für die Stadt, dass weitere Kosten entstehen würden. Die Stadt Wirges müsste dann trotzdem die 40.000 Euro Fördermittel in ein anderes Kunstobjekt am Bürgerhaus ausgeben, z.B. für eine Skulptur am Eingangsbereich.
Zwei Lösungsvorschläge, die beide nicht angenommen wuden
So lagen dem Stadtrat in seiner Sitzung am 28. August zwei Beschlussvorlagen des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Wirges vor. Vorschlag eins Beinhaltete den Auftrag an die Künstlergruppe, ihr Modell ausführlich zu überarbeiten und die Bedenken der Gremien einzubauen und umzusetzen. Eventuell notwendige und gewünschte Änderungen sollten eingearbeitet werden, speziell eine feste Absturzsicherung. Die Kosten für den Vergleich mit den Künstlern würden sich auf 2.500 Euro belaufen und die für die Absturzsicherung bei 3.000 Euro liegen.
Der zweite Beschlussvorschlag schlug die Aufhebung des Verfahrens „Kunst am Bau“ vor und einen neuen Wettbewerb für eine „Kunst am Bau an einer anderen, weniger exponierten Stelle“ auszuschreiben. Dabei soll zunächst auf die Verkleidung der Lüftungsanlage verzichtet werden, bis ein günstiger Vorschlag für eine Umsetzung gefunden ist. Für ein neues Verfahren wäre mit etwa 5.000 Euro Kosten zu rechnen, weiterhin etwa 3.000 Euro für die Absturzsicherung.
Mit diesen Vorgaben hatten sich die Ratsmitglieder in der Sitzung auseinanderzusetzen. Von Beginn an war zu konstatieren, dass die Meinungen innerhalb der Fraktionen weiterhin sehr differenziert waren. Die Fraktion der CDU schlug die Abstimmung vor, weil genug diskutiert worden sei und die Meinungsbildung abgeschlossen sein müsste. Selbstkritik wurde auch laut, weil der Auftrag bei der Ausschreibung hätte genauer bezeichnet werden müssen.
Die Fraktion der FDP erklärte, dass der Name FestSpielHaus für Wirges falsch sei, da Wirges keine Festspielstadt wie Bayreuth sei. Zur Verkleidung der Lüftungsanlage hätte man typische Rohstoffe aus dem Westerwald, wie z.B. Glas oder Ton verwenden können. Die FDP-Fraktion sprach sich für eine Neuausschreibung des Objektes aus.
Walter van t´Hoen erklärte als Vorsitzender der Jury, dass die Jury sich bei ihrer Entscheidung an die Vorgaben der Ausschreibung gehalten habe. Die Künstler wären bereit, auf die goldenen Elemente zu verzichten und das Absturzgeländer könne eingearbeitet werden. Ansonsten würden sie nicht von ihrem Entwurf abrücken, die „Trompete“ bleibt.
Im Laufe der weiteren Diskussion prallten die verschiedenen Standpunkte weiter aufeinander. Den Stadträten war jedoch deutlich anzumerken, dass sie sehr um eine sachliche Auseinandersetzung bemüht waren, trotzdem blieben die unterschiedlichen Standpunkte bestehen. Gabi Weber von der SPD meinte, dass dem Vorschlag der Jury zu folgen sei, man über den Begriff „FestSpielHaus“ jedoch reden könne.
Es passiert vorerst nichts
Die FDP beantragte nunmehr eine geheime Abstimmung, da so das Abstimmungsverhalten sich verändern könne, obwohl der Fraktionszwang aufgehoben war.
Stadtbürgermeister Andreas Weidenfeller regt an, offen abzustimmen, weil die Bürger wissen sollen, wer wie abgestimmt hat. Bürgermeister Weidenfeller machte aus seinem Herzen keine Mördergrube, als er sagte, er wäre ganz klar für den ersten Beschlussvorschlag, damit die unerfreulichen Diskussionen um die „Trompete“ endlich ad acta gelegt werden können. Anschließend zog die FDP ihren Antrag auf geheime Abstimmung zurück.
Nun kam es also zum Show-down, die Abstimmung stand an. Es kam, wie es kommen musste, auf jeden Beschlussvorschlag fielen je elf Stimmen, wobei Bürgermeister Weidenfeller für Vorschlag eins votierte. Damit hat sich keiner der beiden Beschlussvorlagen durchsetzen können, da keine Mehrheit gefunden wurde, mit der Folge, dass das Vorhaben, die Lüftungsanlage zu verkleiden, zunächst ausgesetzt ist.
Bürgermeister Andreas Weidenfeller übte nach der Abstimmung auch Selbstkritik, weil die Stadt nicht in der Lage gewesen war, die Gestaltung der Lüftungsanlage zum Abschluss zu bringen.
Die Art der Diskussion im Stadtrat, die emotional und trotzdem sachlich geführt wurde, sollte die Hoffnung nähren, dass man vielleicht doch endlich eine Lösung findet, um dieses leidige Thema zu beenden. Der Stadt Wirges wäre es sehr zu wünschen, sich alsbald anderen, vielleicht wichtigeren Aufgaben widmen zu können.
Bürgermeister Weidenfeller mit seinen Beigeordneten während der Ratssitzung. Der Wille, die Sache zu den Akten zu legen, war da. Fotos: -WR-
Bis etwa 23 Uhr diskutierten die Ratsmitglieder über das weitere Vorgehen im Fall „Kunst am Bau“, doch kamen zu keinem Konsens.
