Altes Fachwerkhaus in der Teichstraße fiel der Abrissbirne zum Opfer
Adieu, „Winnens Häuschen“
Bad Neuenahr. Nahezu unbemerkt wurde in diesen Tagen einmal mehr ein Stück Heimatgeschichte ausradiert. Ein altes Fachwerkhaus in der Teichstraße 4, Bad Neuenahr fiel der Abrissbirne zum Opfer. Wieder einmal ein Fall, bei dem der Denkmalschutz einfach aufgehoben wurde. Ein Nachruf der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“.
Einmal mehr muss die Bürgerinitiative ein Bild auf ihrem virtuellen „Friedhof“ auf der BI-Homepage einstellen. Das Haus Teichstraße 4 ist verschwunden.
Die Geschichte des Hauses
Keine Gründerzeit der frühen Bädergeschichte, kein Stuck, keine aufwendige Fassade ging in der Teichstraße des Neuenahrer Ortsteils Hemmessen verloren, dafür ein Zeugnis der frühen kleinBad bäuerlichen Geschichte. Die drei Keimzellen des Bades Neuenahr, Beul, Hemmessen und Wadenheim wurden bis ins 19. Jahrhundert vor allem durch Landwirtschaft und Weinbau geprägt.
Das Heil- und Kurbad entstand in weiten Teilen auf den Flächen zwischen diesen Dörfern, die vormals Ahrflussbett, Weiden und Wiesen waren. Aus diesem Grunde konnte sich bis in unsere Tage ein hoher Anteil der ursprünglichen Bebauung erhalten, der leider in Zeiten von Baugold nun zu verschwinden droht. Ein geschlossenes Ensemble bildet immer noch „Klein Frankreich“ (Kreuzstraße). Es zeichnet sich durch eine kleinteilige dichte Bebauung aus.
Auch im Ortsteil Beul lässt sich noch das ursprüngliche Dorf erkennen und nicht zuletzt an den Straßennamen ablesen, die das Ober-, Unter- und Mitteldorf markieren. Das etwas abseits des Kurbetriebs gelegene Hemmessen war noch bis zum Bau der Bundeswehrsiedlungen in den Fünfzigern das ursprüngliche, von Fachwerk geprägte Straßendorf, das sich entlang der Sebastianstraße und in nur wenige Seitengassen hinein erstreckte – dahinter Äcker und Weiden. Hemmessen war ursprünglich die Kornkammer der drei Dörfer. Hier wurden vier Mühlen durch den Teich angetrieben.
Das schlichte Fachwerkhaus aus der Teichstraße war für das Dorf und für die Eifel typisch. Ein langgestrecktes Anwesen, zur Straße hin die Schmalseite, davor ein kleiner Bauerngarten. Auffällig waren beim Haus der Familie Winnen zwei Eingänge. Es kann sein, dass ursprünglich ein Teil als Stall oder Remise oder es gleich von Beginn an durch unterschiedliche Parteien genutzt wurde. Die Jochstreben sind gebogen, das Obergeschoss tritt hervor. Das Haus trug ein Walmdach und stammte aus dem 18. Jahrhundert.
Bedauern und Unverständnis
Die Bürgerinitiative bedauert, dass einmal mehr ein denkmalgeschütztes Haus abgerissen wurde, obwohl es Interessenten gab, die sich der Sanierung und Nutzung angenommen hätten. Angebote wurden schon vor vielen Jahren durch ortsansässige Vereine ausgesprochen, denn das Haus stand schon lange leer. Auch aktuell formulierten Kaufinteressenten Interesse. Dies hätte durchaus in Erwägungen zur Zukunft des Anwesens einbezogen werden können. Es stellt sich grundlegend die Frage, welchen Wert der Denkmalschutz hat, wenn er so häufig aufgehoben wird, wie es in dieser Stadt zu beobachten ist.
Die Rubrik „Gebäude in Not – verloren“ auf der HP der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ www.lebenswertestadt.jimdo.de listet Bauten unserer Stadt auf, die bereits abgerissen sind, oder deren Abriss bevorsteht. Ziel der Bürgerinitiative ist es, mit Rücksicht und Wertschätzung der Geschichte eine Stadt zu gestalten und für den Reichtum der hiesigen Baukultur zu sensibilisieren. Der Erhalt wertvoller Häuser und Fassaden sollten dabei Vorrang haben – so wie es andere Städte bereits vormachen.
Pressemitteilung der
BI Lebenswerte Stadt
