Rheinbacher Ausschuss für Generationen, Integration und Soziales
Arbeitskreis Flüchtlingshilfe will jedem Flüchtling einen Paten zur Seite stellen
Derzeit sind in Rheinbach 159 Asylbewerber untergebracht - Jeden Monat kommen im Schnitt zehn neue dazu
Rheinbach. Die Lage von Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Stadt Rheinbach war das Hauptthema der jüngsten Sitzung des Rheinbacher Ausschusses für Generationen, Integration und Soziales. Zunächst stellte Verena Weber die Aktivitäten des ehrenamtlich tätigen „Arbeitskreises Flüchtlingshilfe Rheinbach“ vor. Darin hätten sich etwa 30 Personen zusammengeschlossen, um Flüchtlingen in Rheinbach schnell und unbürokratisch Hilfestellung zu geben, so die Sprecherin. „Uns geht es um eine gute Willkommenskultur und darum, verschiedenste Angebote zu koordinieren, um die Flüchtlinge möglichst gut hier zu integrieren.“ Darüber hinaus sollen auch Ängste aufseiten der Flüchtlinge ebenso wie aufseiten der Rheinbacher Bevölkerung abgebaut werden. Weber betonte, dass der Arbeitskreis aus der Mitte der Bürgerschaft gegründet worden sei und sich als offener Helferkreis verstehe. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig und in keiner konkreten Form organisiert, der Arbeitskreis ist ein freiwilliger Verbund und in jeder Hinsicht unabhängig.“
Sprache ist am wichtigsten für die Integration
Zentraler Schwerpunkt für die Integration sei die Sprache, derzeit biete der Arbeitskreis viermal wöchentlich Deutschkurse in Kleingruppen, zum Teil mit Kinderbetreuung, an. Zudem gebe es in der Grundschule Sürster Weg eine Einzelbetreuung einmal in der Woche, bei der die nicht deutschsprachigen Grundschulkinder von einer Gruppe von Vorlesepaten der Bücherei an die deutsche Sprache herangeführt würden. Einzelne Personen erhielten darüber hinaus Einzelunterricht. Ein weiteres Ziel sei es gewesen, eine zentrale Anlauf- und Austauschmöglichkeit zu schaffen, wofür man zunächst übergangsweise ein Café für Flüchtlinge in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde Rheinbach angeboten habe. Seit März finde immer montags von zehn bis 12 Uhr das „Café International“ in den Räumen des Live St. Martin in der Bachstraße 2 statt und stehe jedem offen. Das Café habe mehrere Funktionen, denn zum einen solle der Kontakt zwischen den Rheinbacher Bürgern, dem Helferkreis und den Flüchtlingen hergestellt werden, andererseits könnten die Flüchtlinge aber auch Informationen zu Hilfsangeboten erhalten, es werde individuelle Hilfe organisiert und beim Ausfüllen von Anträgen geholfen.
Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind aktiv
So begleite man die Flüchtlinge bei Bedarf zu Behörden oder auch zu Schul- und Kindergartenterminen. Sportveranstaltungen, Flohmärkte und kulturelle Events besuche man ebenfalls gemeinsam, auch um den fremden Menschen das Leben in Deutschland nahe zu bringen. „Besonders schön finde ich es, dass im Bereich der Begleitung einige Menschen mit eigenem Migrationshintergrund aktiv sind“, freute sich Weber.
Eines der wichtigsten Ziele sei es, dass jede Familie und jede Einzelperson einen „Paten“ an die Hand bekomme, der als Ansprechpartner für alle Dinge des Lebens zur Verfügung stehe. Etwa beim Vereinbaren von Arztterminen oder für die Begleitung zu Ärzten und in Krankenhäuser. Künftig sollen noch mehr junge Menschen in der Flüchtlingsarbeit einbezogen und für die Thematik sensibilisiert werden. Daher werde auch Kontakt zur Hochschule aufgenommen, um Studierende für eine Mitarbeit zu gewinnen, beispielsweise um eine Homepage zu erstellen und zu pflegen. „Letztlich bemühen wir uns um eine individuelle Betreuung, sehr genau angepasst auf die Bedürfnisse des einzelnen Flüchtlings.“
Einsam und am Rande der Gesellschaft
Deborah Rupprecht (Grüne) wollte unter anderem wissen, ob es in Rheinbach Bedrohungen oder Äußerungen mit fremdenfeindlichem Hintergrund dem Arbeitskreis gegenüber gegeben habe, was Weber verneinte: „Davon haben wir noch nichts gehört.“ Sie erinnerte daran, dass die Flüchtlinge fast immer einen harten Weg hinter sich und viele Angehörige und Freunde zurückgelassen hätten, „denen ist bewusst, dass sie auch in Deutschland ganz am Rande der Gesellschaft stehen, und viele haben unter große Einsamkeit zu leiden“, wusste sie. Der gesetzlich gewollte Zwang, gut ein Jahr lang praktisch zur Untätigkeit verdammt zu sein, bis das Asylverfahren abgeschlossen sei, tue ein Übriges zur Frustration und sei wohl auch mit Auslöser so mancher Auseinandersetzung unter den Betroffenen.
„Eine Verkürzung der Asylverfahren wäre wahnsinnig wichtig“, bestätigte auch Fachbereichsleiter Peter Feuser. Darüber hinaus, so Weber, sei auch eine engere Betreuung insbesondere der jungen Männer zwischen 20 und 30 Jahren so wichtig. Die benötigten gleichartige Kontakte, um das Gefühl zu haben, dazuzugehören.
Zwei neue Flüchtlingsheime in Planung
Anschließend erfuhren die Ausschussmitglieder, dass Ende März 159 Asylbewerber in der Stadt Rheinbach untergebracht seien. Feuser berichtete, allein im Jahr 2014 habe es 81 Neuzuweisungen gegeben, dieses Jahr habe sich der Rhythmus weiter beschleunigt: Im Januar und Februar kamen jeweils elf und im März noch einmal neun Personen hinzu. Es sei derzeit mit einer monatlichen Neuzuweisung von durchschnittlich zehn Personen zu rechnen, sodass insgesamt also 120 Personen im Verlauf des Jahres hinzukämen. Davon sei auch in den beiden kommenden Jahren auszugehen.
102 Personen seien in zwei städtischen Gebäuden untergebracht, 37 in von der Stadt angemieteten Gebäuden, 15 in einem Hotel und fünf in privaten Mietverhältnissen. Um die Unterbringungssituation in den vorhandenen Objekten zu entspannen und Plätze für neu ankommende Flüchtlinge zur Verfügung zu haben, werde zum 1. Juni ein Gebäude in der Keramiker Straße angemietet, in welchem rund 35 Personen untergebracht werden könnten. Zudem werde derzeit das „Haus Herzig“ in Wormersdorf saniert, auch dort sollen ab Juli etwa 35 Personen untergebracht werden.
Zu lange Verweildauer abgelehnter Asylbewerber
Dringend erforderlich sei die Versorgung von anerkannten Flüchtlingen, insbesondere von Familien, mit eigenem und privatem Wohnraum. Diese Suche gestaltet sich leider immer noch sehr schwierig. Da der Strom der Flüchtlinge auch in absehbarer Zeit nicht rückläufig sein werde, wie Feuser befürchtet, sei die Verwaltung weiterhin bemüht, zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. „Oft muss es sehr schnell gehen“, wusste er. Erfreulicherweise sei ihm bis heute noch keine Beschwerde aus der Nachbarschaft von Asylbewerberheimen zu Ohren gekommen, „diese bedauernswerten Menschen scheinen hier akzeptiert zu werden.“
Für die Zukunft versprach er eine rechtzeitige und umfassende Information der betroffenen Anwohner, wenn ein weiteres Gebäude zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden müsse. Feuser kritisierte aber auch die lange Verweildauer von Asylbewerbern, deren Antrag abgelehnt worden sei, denn die blieben im Schnitt noch weitere zwei bis drei Jahre in Deutschland. „Das macht uns allen großes Kopfzerbrechen, wie wir das auf Dauer leisten können“, sagte er.
