Politik | 23.02.2022, 09:01 Uhr

Parents for Future ziehen Bilanz zum Klimaschutz in Wachtberg

„Ausdauer ist ein Talisman für das Leben“

Was das afrikanische Sprichwort mit Wachtberg zu tun hat

Wachtberg. Klimaschutz - und aktuell natürlich auch der Erhalt des Weltfriedens - sind die wohl bedeutendsten Ziele unserer Gesellschaft. Es gibt nur eine Welt und nur ein Klima, dass für alle gleich ist. Dass alle Menschen und die gesamte Flora und Fauna buchstäblich in einem Boot sitzen, dürfte unstrittig sein. Umso größer ist die Verantwortung, die der Zivilgesellschaft, der Politik und auch der Wirtschaft zukommt. Eineinhalb Jahre nach der letzten Kommunalwahl, also nachdem knapp ein Drittel der Amtsperiode des Wachtberger Gemeinderats schon wieder vorbei ist, stellt sich die Frage nach einer ersten Zwischenbilanz.

Die Bürger:innen sind schon weiter und die Politik hinkt hinterher

In der Bevölkerung ist das Bewusstsein, dass wir die Erde nur von unseren Kindern geborgt haben, deutlich tiefer als im Rat verankert. Viele ressourcenschonende und klimabewusste Initiativen haben sich inzwischen in Wachtberg zusammen gefunden und viele Wachtbergerinnen und Wachtberger versuchen, ihren Lebenswandel aktiv umzustellen. Der Einkauf bei Wachtberger Hofläden mit regionalen und nachhaltigen Produkten ist für viele inzwischen genauso selbstverständlich, wie sich mit Ökostrom aus nachhaltiger Stromerzeugung ohne fossile Energien zu versorgen. Erwähnenswert sind auch Einzelinitiativen Wachtberger Bürgerinnen und Bürger, sich für konkrete Belange des Klima-, Umwelt und Artenschutzes beispielsweise über Bürgeranträge beharrlich einzubringen.

Die Zivilgesellschaft hat - spätestens nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und im Rhein-Sieg-Kreis - die Zeichen der Zeit verstanden und ist in weiten Teilen bereit, sich umzustellen. Und wenn nach zwei Jahren Pandemie wieder vermehrt in den Urlaub geflogen wird, sind viele gewillt, über Umweltportale einen überschaubaren finanziellen ökologischen Ausgleich für ihre Flugreise zu bezahlen. So würde nach Recherchen der Parents beispielsweise ein Flug hin und zurück von Köln nach Palma de Mallorca bei ca. 0,5 t CO2 Ausstoß etwa 15 Euro ausmachen.

Vom politischen Stillstand zur leichten Bewegung

Nicht so überzeugend sieht es bei der Wachtberger Kommunalpolitik aus, die in den ersten Monaten nach der Wahl im September 2020 zwar vollmundige Formulierungen zum Klimaschutz in der Koalitionsvereinbarung gefunden, sich aber danach nicht daran gehalten hat. Über Monate wurden alle klimaschützenden Bürgeranträge, die genau dieser Koalitionsvereinbarung entsprachen, unbegründet und ohne Diskussion abgelehnt. Dieses war für viele Bürgerinnen und Bürger unverständlich.

Erst die letzten beiden Bürgeranträge haben den Haupt- und Finanzausschuss - wohl aufgrund des gesellschaftspolitischen und öffentlichen Drucks - umschwenken lassen und die Anträge mit dem Votum der „Weiterbehandlung“ beschieden. Es handelte sich um die von den Wachtberger Parents for Future eingereichten Bürgeranträge:

• Kontaktaufnahme Wachtbergs mit der „BürgerEnergie Rhein-Sieg eG“ mit dem Ziel, eine Möglichkeit zur besseren Umsetzung von Photovoltaikanlagen bei privaten, genossenschaftlichen und öffentlichen Gebäuden zu bewerkstelligen.

• Teilnahme Wachtbergs am „Wattbewerb“ einem motivierenden Vergleich von Städten und kleineren Gemeinden zur Umsetzung von Photovoltaikanlagen innerhalb einer Kommune.

Damit hat sich ein afrikanisches Sprichwort bestätigt, dass Ausdauer (und zivilgesellschaftliche Unterstützung) ein „Talisman“ für das Leben sein kann.

Zivilgesellschaft und Politik können gemeinsam deutlich mehr erreichen

„Es kommt jetzt darauf an, wie dauerhaft der Rat sich in Zukunft nicht nur mit diesen Anträgen, sondern sich allgemein weiter mit einem engagierten Klimaschutz beschäftigt - oder beide Hauptausschussbeschlüsse nur zwei Eintagsfliegen waren“ so die Einschätzung der Parents.

Nach Auffassung der Initiative sei hier nicht nur die Koalition gefordert, sondern auch die Opposition müsse sich daran messen lassen, ob dieses „Mehr an Engagement in Sachen Klimaschutz“ so nachhaltig ist, dass nach dem nächsten Drittel der Amtsperiode im Wachtberger Rathaus alle Zeichen für Klimaschutz auf „Go !“ stehen, was bisher leider noch nicht erkennbar sei.

Klimaschutz, Klimaanpassung und die machbaren, pragmatischen Wege dorthin sollten in einem gemeinsamen Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Politik und allen Interessierten gebündelt werden. Dabei sollte es nicht um eine Konkurrenz zur Ratspolitik gehen, sondern - im Gegenteil - dem Rat soll eine breite Unterstützung angeboten werden. Damit würden Ratsentscheidungen eine deutlich höhere Akzeptanz und Motivation in der Bürgerschaft Wachtbergs erhalten. Dieser kooperative Ansatz kann mit weiteren Ideen und Vorschlägen unter der E-Mail info@parents-wachtberg.de gebündelt werden. Nach der Pandemie sind u.a. hierzu auch wieder regelmäßige Meetings geplant.

Pressemitteilung Parents

for Future, Wachtberg

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