Gedenken an die Ereignisse der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Rheinbach
Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich am Schweigegang
Rheinbach. Neben den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer am 9. November 1989, gedachten die Menschen in Deutschland der Opfer des Nazi-Regimes. Hier stellte die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 für die Menschen jüdischen Glaubens und anderer Minderheiten den Anfang ihrer systematischen Verfolgung und Vernichtung in Deutschland und in Europa dar. Der Millionen unschuldigen Opfer des Nazi-Regimes gedachten auch viele Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger bei einem Schweigegang durch Rheinbachs Innenstadt. Willi Oberheiden und Peter Schürkes hatten den diesjährigen Schweigegang vorbereitet und zur Teilnahme aufgerufen. Der Bürgermeister der Stadt Rheinbach, Stefan Raetz hatte zum Gedenken an die Geschehnisse des 9. Novembers zu einer kleinen Gedenkfeier an den Standort der damals zerstörten Synagoge in der Schweigelstraße eingeladen. Erfreulich viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt Rheinbach, Vertreter der Fraktionen, sowie der Bürgermeister und sein Stellvertreter, Claus Wehage, nahmen an dem Gedenkgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Martin teil. Pfarrer Dr. Diethard Römheld und Pfarrer Hermann-Josef Zeyen hielten die Andacht, in der sie mit bewegenden Dokumenten und Zeugnissen jüdischer Mitbürger und Opfer der Schreckensnacht vom 9. auf den 10. November 1938 das unermessliche Leid eines Volkes zum Ausdruck brachten.
„Großer Gesang“
Insbesondere der vorgetragene Auszug aus dem „Großen Gesang“ des Jizchak Katzenelson vom ausgerotteten jüdischen Volk hinterließ bei den Anwesenden eine tiefe Betroffenheit. Nach der Andacht in der Pfarrkirche sammelten sich die Teilnehmer zum Schweigegang.
Die Teilnehmer des Schweigegangs verharrten an einigen letzten Wohnstätten von deportierten jüdischen Mitbürgern. Peter Schürkes verlas dort die Namen und das Datum der Deportation. Weitere Stationen waren der jüdische Friedhof, die Gedenkstätte im Rathausinnenhof und der Gedenkstein am Platz der ehemaligen Synagoge in der Schweigelstraße. An der Gedenktafel legte der Bürgermeister ein Blumengesteck der Stadt nieder. Stefan Raetz hatte an diesem Ort viele Fragen. „Warum gedenken wir heute der Opfer, ist nicht alles vorbei? Sollten wir nicht lieber den Mauerfall feiern? Es ist eben nicht vorbei, Antisemitismus, antimoslemische und fremdenfeindliche Einstellungen begegnen uns heute“, betonte Raetz in seiner Ansprache.
Denkzettel
"Zum 9. November 1938 sollten wir uns einen Denkzettel erstellen, der uns immer wieder an den Höhepunkt jüdischer Verfolgung vor 76 Jahren erinnert. Auf dem deutschen Schienennetz fuhren etwa sechs Millionen Opfer, Juden, Zigeuner, Homosexuelle, Männer, Frauen und Kinder in den Tod. Ihr Fahrziel war das Vernichtungslager. Die Reichsbahn kassierte für diese Fahrten Millionenbeträge." Aus dieser Sicht der Dinge erschien es für den Bürgermeister untragbar, dass heute bei Kommunalwahlen Feinde der Demokratie Sitz und Stimme erhielten und mit Steuermitteln unterstützt werden. „Wer soll das verstehen“, fragte Raetz und weiter: „Ich bin auch für ein Verbot der NPD, das wird sich nur schwer umsetzen lassen, aber gar nichts zu tun ist schwerer“. Am Lindenplatz, der letzten Station des diesjährigen Schweigegangs, endete dann die Gedenkveranstaltung.
