Politik | 11.09.2020

Verbandsgemeinde- und Stadtrat Mendig gehen historischen Schritt

Das „Eifeler Mühlsteinrevier“ soll Weltkulturerbe werden

Verbandsgemeinderat und Stadtrat von Mendig tagten gemeinsam im Hangar 7 des Flugplatzes, der in Zeiten von Corona Platz ohne Ende bot für die geltenden Abstandsregeln.Foto: WE

Mendig. Fünf Jahre Arbeit und siebzig Sitzungen liegen jetzt hinter einem Arbeitskreis, der das Projekt UNESCO-Weltkulturerbe „Eifeler Mühlsteinrevier“ ins Leben rief. Einem Projekt, von dem keiner weiß, ob es jemals zum Erfolg geführt werden kann. Einig waren sich die ursprünglichen drei Kooperations-Partner Verbandsgemeinde und Stadt Mendig sowie die Stadt Mayen nur darüber, dass auch der weiteste Weg mit dem ersten Schritt begonnen werden muss. Und dass es ein lohnendes Ziel ist, erkannten schnell die Ortsgemeinden Ettringen und Kottenheim sowie die Verbandsgemeinde Vordereifel, die in den arbeitsreichen Jahren der gegründeten Kooperation bereits beigetreten sind. Interesse bekundet inzwischen auch die Stadt Andernach, deren Hafen mit dem Alten Krahnen eine wichtige Rolle spielte für den Vertrieb Eifeler Mühlsteine in alle Welt. Auch der Landkreis Mayen-Koblenz ist schon lange über den Vulkanpark im Arbeitskreis vertreten und wird in seiner Novembersitzung über den offiziellen Beitritt zur Kooperation beschließen.

Auf die Aktivitäten der Kooperation ist schon vor geraumer Zeit das Land Rheinland-Pfalz aufmerksam geworden. Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur hat im Jahr 2018 Herrn Prof. Dr. Helmut Albrecht, der den Lehrstuhl für Technikgeschichte und Industriearchäologie an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg innehat sowie Direktor des angegliederten Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte ist als Gutachter beauftragt, um die Chancen eines Welterbe Antrags besser einschätzen zu können. Der Professor hat schon weitere Stätten zur Anerkennung als Weltkulturerbe geführt. Er hat das Mühlsteinrevier detailliert in Augenschein genommen und anschließend eine Handlungsempfehlung formuliert.

Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur bzw. das ihm angegliederte Sekretariat für das Welterbe in Rheinland-Pfalz hat darauf am 27.04.2020 folgendes mitgeteilt:

„Nun liegt das Gutachten von Herrn Prof. Albrecht zu den Welterbe Chancen des Eifeler Mühlsteinreviers vor. Herr Prof. Albrecht entwickelt darin eine mögliche Nominierungsstrategie für „Mühlstein-, Werkstein- und Schottergewinnung von der Römerzeit bis in das 20. Jahrhundert (Chr. Geburt - 1950)“ und formuliert die potentiellen Welterbe-Kriterien dazu. Er empfiehlt weiters dringend, eine Vergleichsstudie mit anderen historischen Mühlsteinrevieren im relevanten geo-kulturellen Raum (Europa, Mittelmeerraum) zumindest in Grundzügen zu erarbeiten, um eine endgültige Entscheidung über die Erfolgschancen einer Nominierung treffen zu können. In Kürze werden Ihnen die vorläufigen Bewerbungsunterlagen für das Verfahren um Aufnahme auf die deutsche Tentativliste zugehen.“ Die Tentativliste ist Wikipedia zufolge die nationale Vorschlagsliste von Kultur- und Naturdenkmälern der einzelnen Vertragsstaaten des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention), die jeweils die Objekte enthält, die der Staat dem Welterbekomitee zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes vorzuschlagen beabsichtigt.

Der Arbeitskreis möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass der bisher erreichte Stand erst den Einstieg in das Antragsverfahren bedeutet und noch ein langer und zeitintensiver Weg vor den Kooperationspartnern liegt. Positiv ist, dass das Projekt überhaupt für eine Antragstellung im ersten Schritt in Frage kommt, sofern die noch offenen wissenschaftlichen Aspekte einer Klärung zugeführt sind. Einzelheiten sind nunmehr in organisatorischer, personeller, zeitlicher und struktureller Weise mit den Partnern und Beteiligten zu treffen. Und genau darum ging es am vergangenen Montag in der gemeinsamen Sitzung von Verbandsgemeinde- und Stadtrat Mendig, wobei diese beiden Kooperationspartner nur den historischen Auftakt bildeten zu den jeweiligen Beschlüssen aller. Aus den Kooperationspartnern heraus soll ein Zweckverband gegründet werden und ein Förderverein, um die Menschen in der Region in das Projekt einzubinden und mitzunehmen.

Im Einzelnen beschlossen Verbandsgemeinde- und Stadtrat Mendig in getrennten Abstimmungen bei nur einzelnen und im Grunde unnötigen Gegenstimmen, die Bewerbung um einen Platz auf der Tentativliste vorzunehmen und den Beitritt von Landkreis und Stadt Andernach in die bestehende Kooperation zuzulassen. Weiterhin wurde die Verwaltung beauftragt, die vorliegenden Entwürfe der Zweckverbandsordnung und der Vereinssatzung einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen und zur endgültigen Beschlussfassung erneut vorzulegen sowie den Sitz des Zweckverbandes in Mayen, die Geschäftsstelle in Mendig und den Sitz des Fördervereins in der Vordereifel einzurichten. Abschließend wurde die Verwaltung beauftragt, die anteiligen Personal- und Sachkosten in die jeweiligen Haushaltsjahre 2021 bis 2024 einzustellen.

Weil der gemeinsamen Sitzung der beiden Räte eine zweistündige Informationsveranstaltung aller Räte der Kooperationspartner vorausgegangen war, in der die Arbeitskreismitglieder Rede und Antwort standen, hatten Bürgermeister Lempertz und Stadtbürgermeister Ammel eine relativ leichte Aufgabe zu bewältigen bis zur Abstimmung ihrer Räte über den einzigen Punkt des Tages. In seiner kurzen Begrüßungsrede blickte Bürgermeister Lempertz zurück auf das bisher Geleistete und dankte den vielen daran Beteiligten. „Ich freue mich, wenn Sie heute mit Ihrem Ja zur Beschlussempfehlung beitragen, eine große Chance zu ergreifen“ so der abschließende Appell von Bürgermeister Lempertz an die versammelten Ratsmitglieder. Stadtbürgermeister Ammel konnte ergänzend und stolz vermelden, dass der Lava-Dome nach den Lockerungen teilweise mehr Tagesgäste zu verzeichnen hat als vor dem Lockdown. „Das ist ein Pfund zum wuchern, das es auszubauen gilt“ so Ammel an die Mandatsträger.

Der Welterbestatus und seine besondere Anerkennung ist ein sehr positiver Faktor für die Region und die in ihr liegenden Kommunen. Er ist eine einmalige Chance für den Tourismus, die Wissenschaft sowie die Gastronomie und die damit einhergehenden Innenstadtbelebungen oder Nutzung vorhandener Kultureinrichtungen. WE

Verbandsgemeinderat und Stadtrat von Mendig tagten gemeinsam im Hangar 7 des Flugplatzes, der in Zeiten von Corona Platz ohne Ende bot für die geltenden Abstandsregeln.Foto: WE

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