Konflikte zwischen Schülern beunruhigen Lehrerschaft, Eltern und die Politik
„Das hat unsere Schule nicht verdient“
Leiterin der Georg-von-Boeselager Schule berichtet im Schulausschuss
Swisttal. „Das hat unsere Schule nicht verdient“, äußert sich gegenüber Blick aktuell eine sichtlich angespannte Schulleiterin Angelika Polifka. „Die Berichterstattung und die Anfragen an unsere Schule vermitteln ein vollkommen falsches Bild von unserem Schulalltag. Das Leitbild unserer Georg-von-Boeselager-Schule lautet Leben und Lernen in der Gemeinschaft.“ Einige Schüler haben dieses „Miteinander“ aber wohl noch nicht so ganz verinnerlicht. Am Freitag vor einer Woche hat es in der großen Pause zwischen Schülergruppen einen Konflikt gegeben, der zu Handgreiflichkeiten, manche sprechen auch von einer Prügelei, geführt hat. Beteiligt waren daran vier Schüler aus den beiden Vorbereitungsklassen für Asylsuchende und eine Gruppe von acht bis zehn Schülern aus den 10ten Klassen mit einem deutsch-russischen Hintergrund. „Die Aufsicht führenden Lehrerinnen und Lehrer sind sofort dazwischen gegangen, dann haben wir die Polizei informiert“, so die Schulleiterin. Die Polizei war dann auch schnell mit drei Beamten vor Ort und hat die Personalien aller Beteiligten aufgenommen. Jetzt werden die Ursachen des Konflikts ermittelt. Am darauffolgenden Montag kam es erneut zu teils handgreiflichen Auseinandersetzungen, allerdings außerhalb des Schulgeländes. Als Sofortmaßnahmen wird künftig um die Schule herum eine höhere Polizeipräsenz aufrecht erhalten, die verschiedenen Schülergruppen dürfen bis auf weiteres nur noch abwechselnd auf den Pausenhof, jeweils eine Gruppe muss in der Aula bleiben.
Thema im Schulausschuss
Über diese Vorkommnisse und die eingeleiteten Maßnahmen berichtete die Schulleiterin jetzt auch dem Fachausschuss für Jugend, Senioren, Kultur und Soziales (JSKS) im Gemeinderat. Weiter erläuterte sie, dass derzeit 35 Kinder Asylsuchender in zwei Vorbereitungsklassen auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. Sie werden dort im Erlernen der deutschen Sprache intensiv und individuell gefördert. Zwei Lehrer mit Deutsch als Zweitsprache stehen dafür zur Verfügung, unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des „Arbeitskreises Flüchtlinge“. Darüber hinaus nehmen sie stundenweise am Unterricht der Regelklassen und den vielfältigen Ganztagsangeboten wie Musik, Kunst und Sport teil. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner hat nun zu einem Runden Tisch in das Rathaus eingeladen, an dem neben der Schulleitung Vertreter der Polizei, des Kreisjugendamtes sowie die katholische Jugendagentur teilnehmen sollen.
Gesellschaftliche Probleme erreichen auch die Schulen
Mit einem Brief hat sich die Schulleiterin an alle Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern gewandt, um neben dem objektiven Sachverhalt auch die künftigen Maßnahmen darzulegen. „Unsere Schule stellt sich als ‚Schule ohne Rassismus‘ seit jeher der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte und ergreift in der aktuellen Situation alle Maßnahmen, um zu beraten und zu vermitteln“, heißt es in dem Brief. Die Schulleiterin muss aber auch feststellen, dass gesamtgesellschaftliche Probleme nun auch verstärkt die Schulen erreichen. Dazu hat „ein besorgter Vater“ – anonym – in einer Mail an Blick aktuell seine Besorgnisse geäußert. Hierzu die Schulleiterin: „Wir haben, wie im Schulausschuss und im Elternbrief dargelegt – alle notwendigen Maßnahmen ergriffen. Das pädagogische Konzept unserer Schule ist richtig.“ Schon im Schuljahr 2001/2002 haben seinerzeit die Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium beschlossen, dem Aktionsbündnis ‚Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage‘ beizutreten. „Wir werden uns weiter für Toleranz und Friedfertigkeit einsetzen. Dass unsere Schule nicht nur in Swisttal geschätzt wird, zeigen die verstärkten Anmeldungen auch aus den Nachbargemeinden“, so die Schulleiterin.
