Podiumsdiskussion der Kolpingfamilie Nievern-Fachbach-Miellen e.V.
Demokratie ist nichts zum Zuschauen, es ist etwas zum Mitmachen
Nievern. Zu einer Podiumsdiskussion zur ersten Bürgermeisterwahl der neuen Verbandsgemeinde Bad Ems - Nassau, hatte die Kolpingfamilie Nievern-Fachbach-Miellen e.V. am vergangenen Donnerstag in die Sporthalle Nievern die Kandidaten und alle Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus den beiden Gebieten eingeladen.
„Ich darf Sie heute Abend im Namen der Kolpingfamilie Nievern-Fachbach-Miellen auf das herzlichste begrüßen und freue mich, dass so viele ihr Interesse bekunden und den Weg in unsere Turnhalle gefunden haben. Bedanken möchte ich mich bei den vier Kandidaten, Frau Marion Krätz (CDU), Uwe Bruchhäuser (SPD), Claus Eschenauer (FWG) sowie Josef Winkler (Grüne), für ihre prompte Zusage - Ihnen allen ein herzliches Willkommen. Der ebenfalls eingeladene fünfte Kandidat, der amtierende Bad Emser Stadtbürgermeister Berny Abt (parteilos), musste bedauerlicherweise wegen Terminüberschneidung absagen. Zu erwähnen sei, dass dieser Termin für die Podiumsdiskussion bereits terminiert war, bevor Herr Abt seine Kandidatur bekannt gab.“ Nach diesen Grußworten übergab der erste Vorsitzende der Kolpingfamilie Nievern-Fachbach-Miellen Lars Hilgert das Wort an den Moderator Bernd-Christoph Matern.
Demokratie ist nichts zum Zuschauen, es ist etwas zum Mitmachen, ob in der Partei, Gewerkschaft, Bürger- und Wählerinitiativen. Für Demokratie muss man fortlaufend etwas tun; sie kam nicht von selbst und sie bleibt auch nicht von selbst.
Matern startet nach Bekanntgabe einiger Regeln die neunzigminütige Debatte mit der ersten Frage: „Warum kandidieren Sie überhaupt für das Amt als Verbandsbürgermeister?“
Uwe Bruchhäuser, 56 Jahre alt, berichtete als erster über seine Motivation für dieses Amt. Er ist seit über dreißig Jahre bei der Verbandsgemeinde beschäftigt, befindet sich dort in leitender Position in der Kämmerei und ist Leiter des Sachgebietes Finanzen und Kasse, 2006 wurde er zum Kaufmännischen Werkleiter ernannt. Die Fusion dieser beiden Verbandsgemeinden sieht er als eine Zukunftsaufgabe. Der in Bad Ems geborene und aufgewachsene, ist stark mit seiner Heimat verwurzelt und im Ruderverein aktiv. Er sieht sich aufgrund seiner Erfahrungen und Herkunft als geeignet.
Claus Eschenaur ist zukunftsorientiert und mit seinen 32 Jahren mit Abstand der Jüngste. Er hat seine Ziele klar vor Augen. Er ist unbelastet und kennt beide Regionen und die Menschen sehr gut, engagiert sich in Vereinen, ist Reserveoffizier bei der Bundeswehr und Realschullehrer in Herborn. Ihm ist es wichtig, gemeinsam etwas Gutes aus dieser Fusion zum Wohle der Menschen und Heimat zu tun. „Dabei geht es nicht nur um die Zusammenführung zweier Verwaltungen, sondern auch darum jeden in der neuen VG mitzunehmen“.
„Wenn mir etwas wichtig ist, lasse ich nicht locker“. Marion Krätz möchte mit frischen Ideen, vereinten Kräften auf Erfolgskurs gehen. Sie bringt bereits viel Erfahrung aus der Kommunalpolitik mit. Die 53 jährige Siershahnerin ist in der Verbandsgemeinde ein unbeschriebenes Blatt. Sie ist stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Westerwald und das Führen von Menschen gewohnt.
Dem 1974 in Koblenz geborenen und in Bad Ems aufgewachsenen Josef Winkler, liegt Politik im Blut.
Von 2002 bis 2013 war er Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Aktuell ist er Landesvorsitzender der grünen Rheinland Pfalz und Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Verwaltungsarbeit ist ihm nicht fremd genauso wie Führungsqualität. Winkler machte deutlich, dass die Fusion von Vielen nicht gewollt ist und er auch heute noch in fragende Gesichter schaut. Dennoch sind sich alle Kandidaten einig, dass das „Wir-Gefühl an höchster Stelle steht“.
Nach diesen Statements konnten die Bürgerinnen und Bürger sich ein persönliches Bild von den Bewerbern machen. Matern wollte bei seiner zweiten Frage wissen, „was für die Kandidaten zu den wichtigsten Aufgaben, besonders im ersten Jahr zählt“.
„Zuallererst muss das Betriebsklima stimmen. Wir haben zwei völlig getrennte Welten, die unterschiedlich strukturiert sind“, so die Antwort von Eschenauer. Marion Krätz legt auf Wertschätzung: „Diese beiden Verbandsgemeinden müssen nun zufriedenstellend zusammengeführt werden. Den Menschen, die hier zusammenkommen, sei es in der Verwaltung oder in den Kommunen, muss Sicherheit gegeben werden. Sie brauchen ein Klima der Verlässlichkeit. In der Verwaltung muss Transparenz herrschen. Mitarbeiter sollten mit einbezogen werden zum Beispiel über den Betriebsrat“.
Der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern ist wichtig, um sie kennenzulernen und Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche zu erhalten. Das Aufgabenfeld umfasst nicht nur die Verwaltung. Da sind z.B. die Schulen, Kindergärten, Feuerwehren, Tourismus und Sportstätten für die man als Verwaltungschef zuständig ist. Das sind schon eine Menge an Gemeinden, die zufrieden gestellt werden wollen, so Winkler.
Bruchhäuser macht auf wichtige Aspekte aufmerksam. Zum einem sieht auch er die Wichtigkeit wie die Vorredner, dass es die Mitarbeiter sind. Sie sind direkt davon betroffen. Die Kolleginnen und Kollegen die von Nassau nach Bad Ems umziehen müssen und die einigen wenige die von Bad Ems nach Nassau auf die Werke und Kläranlage umziehen. Eine neue Philosophie, oder eine neue Philosophie im Sinne von Dienstleistung nach außen, ist mit den Mitarbeitern dann zu definieren. Er ist sich sicher, dass das Zusammenwachsen gelingen wird. Die politischen Gremien sind neu zu bilden, keiner weiß wie sich der
neue Verbandsgemeinderat zusammensetzt. Er wünscht sich eine Diskussionskultur die die Themen wie Tourismus, Wirtschaftsförderung. „Diese drei Felder dient es zu beackern, was nicht eine leichte Aufgabe sein wird“.
Mit 28,000 Einwohnern, so pi mal Daumen und 28 Ortsgemeinden wird Bad Ems - Nassau zu einer der größten Verbandsgemeinden in Rheinland Pfalz werden. Könnten wir dafür nicht einen hauptamtlichen Beigeordneten gebrauchen? Mich würde einfach interessieren: „Wie ist Ihre Meinung dazu, wie stehen Sie dazu?“, so Frage Nummer drei des Moderators.
Es gibt grundsätzlich zu dieser Frage einen breiten Konsens im Vorfeld zwischen den Parteien und Verbandsgemeinderat. Dieser lautet, es wird keinen hauptamtlichen Beigeordneten geben. Man könnte auch sagen: „Viele Köche verderben den Brei!“ Die Mitarbeiter brauchen Verlässlichkeit. Wenn sie dann einen Chef haben, mit einem Chef darunter mit eigenem Geschäftsbereich, wird die Verwirrung doch groß. Sie brauchen einen Chef, mit einer Philosophie auf den sie sich verlassen können. In diesen unsicheren Zeiten brauchen die Mitarbeiter einen zuverlässigen Chef, der ihnen zur Seite steht. Grundsätzlich, beschließt das der VG-Rat. Die Qualität der Verwaltung, wird immer auf den Verbandsbürgermeister zurückfallen.
„Die bisherigen Amtsinhaber hatten das gesamte Aufgabenspektrum zu erfüllen. Bei 28 Ortsgemeinden wird es schwer sein, jede einzelne Veranstaltung zu besuchen. Auch verdoppelt sich ja die Arbeitszeit nicht, wenn es nur noch einen Verbandsbürgermeister gibt. Wie wollen Sie da die Nähe zu den Bürgern halten? Was bisher zwei geleistet haben, liegt nun bei einem. Wird hier abgespeckt?“
Dies war eine weitere provokante Frage an die Kandidaten. Einig waren sie sich auch hier, dass es gerade am Anfang der Fusion sehr wichtig ist die Ortschaften und Bürger zu besuchen. Besonders in die Gemeinden, die gegen eine Fusion waren.
Marion Krätz kann sich gut vorstellen die modernen Medien zu nutzen wie z.B. Facebook damit auch die jungen Menschen erreicht werden. Regelmäßige Einwohnerversammlungen wären auch denkbar.
Die anwesenden Bürger und Bürgerinnen wünschten sich mehr Mitspracherecht und Aufklärung. Nassau hat bedenken, dass sich alles nach Bad Ems verlagern wird. Auch der ökologische Aspekt wurde diskutiert.
Nun liegt es an den Wählern, wer denn Chefin oder Chef der neuen Verbandsgemeinde werden wird.
Eins ist klar, schwierig wird es für beide Standorte Bad Ems und Nassau werden. Ein großes Aufgabenfeld, das nur gemeinsam abgearbeitet werden kann. Das Vertrauen der Gesellschaft muss stabilisiert werden, damit es zu einer festen Einheit wachsen kann.
Alle Kandidaten haben sich bestens präsentiert. In exakt einem Monat sind die Wahlen. „Heute für Morgen. Wählen!“ so das Motto der Kolpingsfamilie Niever-Fachbach-Miellen die mit dieser Podiumsdiskussion eine Orientierungshilfe für die Wahlentscheidung geben wollte.
„Politisches Engagement in demokratischen Parteien und Parlamenten ist für uns ein unverzichtbarer Beitrag zur verantwortungsbewussten Mitgestaltung der Gesellschaft. Wir unterstützen und fördern dieses Engagement.“
Die Kandidaten stellten sich den Fragen.
