Zwei Fragen an den Bürgermeister
„Denkmalpflege ist kein Selbstzweck “
Sich der Tradition verpflichtet fühlen und gleichzeitig zukunftsorientiert handeln, ist für Bürgermeister Orthen kein Widerspruch
BLICK aktuell: Bei Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Rathaus konnte man an vielen Beispielen sehen, wie wichtig historisch gewachsene und gut erhaltene Stadt- und Ortskerne für die Städte sind. Wo setzen Sie die kommunalpolitischen Akzente im Spannungsfeld zwischen der notwendigen Erneuerung des Stadtbildes und der Bewahrung der historischen Bausubstanz?
Bürgermeister Guido Orthen: Denkmalpflege darf nicht Selbstzweck sein. Ihr wichtigster Adressat sind die Menschen, die heute und zukünftig mit dem historischen Erbe leben sollen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft mit ihren unverwechselbaren Stadt- und Ortsbildern ist unverzichtbar. Sich der Tradition verpflichtet fühlen und gleichzeitig zukunftsorientiert handeln, ist daher kein Widerspruch.
Alle öffentlichen Entscheidungsträger, die Bürger, zahlreiche Architekten, Projektentwickler und Planer im Stadtgebiet sind sich dabei der Bedeutung des baukulturellen Erbes bewusst. Aus diesem Grund hat die Verwaltung bereits in der Vergangenheit die Initiative ergriffen, Gründerzeithäuser und insbesondere deren Fassaden zu schützen, um sie so dauerhaft für die Nachwelt zu erhalten. Die Liste der unter Schutz stehenden Gebäude und Gebäudeensembles finden Sie unter http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Ahrweiler.pdf
Wir sind uns im Klaren darüber, dass auch neben diesem rechtlichen Denkmalschutz zahlreiche Fassaden und Gebäude für unser Stadtbild erhaltenswürdig sind. In diesem Fall setzt die Verwaltung weiterhin auf die Beratung und Unterstützung der Eigentümer, speziell bei der Hilfestellung für private Fördermaßnahmen zur Sanierung und Modernisierung historischer Bausubstanz.
Blick aktuell: Welche konkreten Maßnahmen und Projekte plant die Stadtverwaltung bei den Dorferneuerungsprojekten und bei der Weiterentwicklung von städtischen Arealen, um ihre stadtprägende Struktur zu erhalten.
Bürgermeister Guido Orthen: Das umfassendste verwaltungstechnische Instrumentarium für die Weiterentwicklung ländlicher geprägter Stadtteile ist die Erarbeitung von qualifizierten Dorferneuerungskonzepten. Mit deren Hilfe können Problembereiche intensiv analysiert und strukturiert angegangen sowie Lösungsstrategien erarbeitet werden. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir seitens der Stadt im Rahmen einer Vielzahl von Fördermaßnahmen wie den Dorferneuerungsprojekten in den einzelnen Stadtteilen, dem von Bund, Land und Stadt gemeinsam finanzierten Förderprogramm „Historische Stadtbereiche“ in Ahrweiler oder „Zukunft Bad Neuenahr“ und „Aktive Stadtzentren“ Bad Neuenahr, auch den Erhalt historischer Gebäude im Stadtgebiet fördern, die sich in Privatbesitz befinden. Ziel ist es, sowohl einen Beitrag zur Aufwertung unseres Stadtbildes zu leisten, als auch alte Bausubstanz mit dem heutigen Standard bewohnbar zu halten.
Das Interview führte
Helmut Schwarz
