Politik | 09.09.2016

Der Kurpark

Architektur, Denkmalschutz und die kulturellen Wurzeln der Stadt

Es ist gut, dass sich die Stadt der Verantwortung bewusst ist und endlich Handlungsbedarf sieht. Es ist gut, dass die Stadt den erbärmlichen Zustand der sogenannten Kurkolonnaden ändern will. Es ist gut, dass der Kurpark zur Kurparkstraße architektonisch gestaltet und die Verbindung zur Stadt betont werden soll. Die Kurparkliegenschaften sind in einem schlechten Zustand und werden seit mindestens zehn bis zwanzig Jahren vernachlässigt. Die Stadtverwaltung ist erst seit 2013 Eigentümer der Liegenschaften, davor war die Kreisstadt aber Minderheitsaktionär, über den Zustand informiert und mitverantwortlich. Bei der Präsentationen „Bauliche Neugestaltung der Kurparkliegenschaften“ am 07.09.2016 wurden die Pläne für Neubau und Umgestaltung der Kuranlagen, Trinkhalle, Lesesaal, Konzerthalle, Kolonnaden und auch des Parks selber vorgestellt.

Keine Information, Diskussion oder Erklärung über Erhalt, Renovierung oder Abriss, der historischen Gebäude des Architekten Hermann Weiser.

Der Bürgermeister sagte zu Beginn, dass er die Bürger bei Entscheidungen mitnehmen will; so weit so gut: aber was gibt es noch zu entscheiden? Offensichtlich sind die Pläne zum Abriss der Kurliegenschaften bereits gefallen und die Bürger

werden darüber nicht informiert.

Wie ist der Zustand der Baulichkeiten – gibt es Gutachten – was unternimmt die Stadt zum Erhalt?

Der Bürgermeister sagte zu recht, dass Denkmäler die kulturellen Wurzeln der Stadt sind und betont, das Bad Neuenahr durch Tradition und Moderne lebt.

Wo bleibt denn die Tradition?

Oder habe ich das falsch verstanden und es ist Tradition, alles was historisch und erhaltenswert ist, was die Identität der Stadt ausmacht, abzureißen?

Laut Aussage der Generaldirektion Kulturelles Erbe GDKE stehen die Liegenschaften komplett

unter Denkmalschutz

(https://fragdenstaat.de/anfrage/anfrage-zum-denkmalschutz-der-kuranlagenan-der-kurgartenstrae-53474-bad-neuenahr-1/)

Dabei wäre es auch wichtig, mit den Bauten von Hermann Weiser und der Parkanlage nach dem Gartenbauer Lenne´als Sehenswürdigkeit zu werben.

Niemand käme in München auf die Idee die Zeltdächer von Otto Frei abzureißen, weil sie restaurierungsbedürftig und deren Nutzen nicht mehr zeitgemäß ist.

Wenn die Stadt so weiter macht, gibt es bald keine Denkmäler mehr in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Wenn die Denkmäler die kulturellen Wurzeln der Stadt sind, was sind denn die Kuranlagen für die Kurstadt?

Wenn diese Denkmäler fallen, reißt sich die Stadt ihre Wurzeln aus!

Axel Hausberg

Ortskurator Ahrtal Deutsche

Stiftung Denkmalschutz

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