Leserbrief zu BLICK aktuell 11/2021, S. 38 „Kurpark-Ein Fest für die Sinne“
Die Geschichte des „Wiesenkanals“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Leider verwendet die LaGa GmbH auch in diesem Artikel die falsche Bezeichnung „Mühlenteich“ für den Wasserlauf vom Kurgarten bis unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Parks. Dieser Lauf hat nie eine Mühle betrieben und ist auch keine Verlängerung des Mühlenteiches in Hemmessen. Dieser „Graben“ hatte eine spezielle Aufgabe, wie sie im Schreiben des Direktors des Heilbades, Georg Kreuzberg, am 22. 10. 1858 „an den Herrn Bürgermeister Clotten Wohlgeboren hierselbst“ aufgeführt ist:
„Die Gesellschaft zur Gründung und Errichtung des Bades Neuenahr im Ahrthale beabsichtigt in der Höhe des bei Beul erbauten neuen Badehauses zum Zwecke der Hebung des Thermalwassers in das Reservoir, und beziehungsweise in die Badewannen ein Wassertriebwerk anzulegen, das hierzu erforderliche Wasser auf ihrem Eigenthum aus der Ahr abzuleiten.und zu dem Zwecke? ein Wehr in der Ahr anzulegen. Ein Theil des Wassers wird zugleich zur Bewässerung des zur Gartenanlage bestimmten Grundeigenthums der Gesellschaft, soweit dieses ohne Erhöhung des Wasserstandes des Zuleitungskanals nöthig? ist, verwendet, ...“
Dieser ab 1858 in drei Abschnitten angelegte Wasserlauf (siehe verschiedene Einläufe in die Ahr) hatte also den Hauptzweck, Thermalwasser für das Badehaus zu heben und die Kunstwiesen der Kur AG von der heutigen Casinobrücke aus bis zum Beginn des Kaiser-Wilhelm-Parks zu wässern. Er konnte zu diesem Zweck angestaut werden.
Ab 1862 plante die Gemeinde Wadenheim (heute Bad Neuenahr) ihrerseits Kunstwiesen im heutigen Kaiser-Wilhelm-Park auf Privat- und Gemeindeeigentum anzulegen. Dazu wurde der Kanal in ein weitverzweigtes Kanalnetz weitergeführt (siehe beigefügte Zeichnung).
Mit Neuanlage des Kaiser-Wilhelm-Parks Anfang 20. Jhdt. (1904 Planungsbeginn) wurde das Kanalnetz zugeschüttet, übrig blieb der heutige Lauf mit neu angelegtem Schwanenteich.
Eine offizielle feststehende Benennung hat dieser Wasserlauf nie getragen, es kommen aber in den Akten Bezeichnungen wie „Wiesenkanal“ oder „Wassergraben“ vor, wobei ich wegen der Hauptaufgabe dieses Kanals den Begriff „Wiesenkanal“ bevorzuge.
Hans-Jürgen Ritter,
Bad Neuenahr-Ahrweiler
Situationsplan des heutigen Kaiser-Wilhelm-Parks mit angrenzender Bebauung. Darüber ist das Kanalsystem der Kunstwiesen gelegt, welches bis zur Anlage des Kaiser-Wilhelm-Parkes bestand. Dieses System ist die Fortführung des Wiesenkanals der Bade Gesellschaft. Man erkennt deutlich, wie der Grundriss des Parks schon mit Anlage des Kanalsystems geschaffen wurde, die äußeren Stränge dieses Systems bilden die Grenze des Kaiser-Wilhelm-Parks. Grafik: HJR
