Vier Jahre „Dienstag-Demos gegen Bahnlärm“ wurde in Neuwied würdig begangen
Die Politik zum Handeln auffordern
Neuwied. Als 2012 Franz Breitenbach von der BI Bad Hönningen Mitstreitern und Vorsitzenden von Bürgerinitiativen aus dem ganzen Mittelrheintal seine Idee einer „Dienstag-Demonstration“ gegen den unerträglichen Bahnlärm vorstellte, haben nur wenige daran geglaubt, dass diese Idee Wirklichkeit werden könnte. Nun konnten Franz Breitenbach und sein Mitstreiter Heinz-Günter Heck auf eine bereits vierjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Seit der ersten Dienstag-Demo am 15. Januar 2013 haben sich insbesondere die von Bahnlärm geplagten Menschen des unteren Mittelrheintals von Koblenz bis zur Grenze zu NRW an jedem zweiten Dienstag eines Monats, um 19 Uhr, vor den Bahnhof in Neuwied zu einer zirka einstündigen „Anti-Bahnlärm-Demo/Mahnwache“ getroffen. Damit wollen sie gegen den zunehmenden und bereits heute unerträglichen und krankmachenden Bahnlärm protestieren und die Politik zum Handeln auffordern. Es war die klare Erkenntnis der vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den inzwischen 48 Dienstag-Demos, dass das Leben und die Gesundheit zigtausender Menschen und die Zukunft des einzigartigen Mittelrheintals von Bingen bis Bonn massiv bedroht sind. Insbesondere die Inbetriebnahme des St. Gotthard-Tunnels werde zukünftig das Leiden der Menschen im Mittelrheintal noch vergrößern, daher sei ein rasches Handeln der Politik in Mainz und Berlin zum Schutz der Bevölkerung zwingend geboten. Es waren viele Rednerinnen und Redner - unter anderem Mitglieder des Bundestages sowie Landtages, Landräte, Beigeordnete und Bürgermeister - in den vergangenen Jahren bei den Dienstag-Demos.
Solidarität mit den bahnlärmgeplagten Menschen gezeigt
Von der Landesregierung war Innenminister Roger Lewentz vor Ort, der es sich wie 2014 und 2015 auch in diesem Jahr vor Weihnachten nicht nehmen ließ, seine Solidarität mit den bahnlärmgeplagten Menschen zu zeigen und seine Unterstützung auch für das „Untere Mittelrheintal“ in seiner Ansprache zu bekunden. Er lobte den unermüdlichen Einsatz der Vorstände der Bürgerinitiativen am Mittelrhein. So waren Willi Pusch, BI Mittelrhein, HJ Mehlhorn, BI Koblenz, und Heinz Günter Heck, BI Bad Hönningen, vor Kurzem bei der Bundestagsfraktion der SPD in Berlin und haben am „Schienengipfel 2016“ teilgenommen. Die Forderungen der Vertreter der Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz: „Zügigere Umrüstung der Güterwaggons bis 2020 und nach 2020 Erteilung eines Fahrverbotes für zu laute Waggons. Bei der Revision von den Fahrzeugen ist zu prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, einzelne Waggons gegen neue und daher leisere Fahrzeuge auszutauschen. Die Planung einer Ersatztrasse für die 150 Jahre alte Mittelrheinstrecke wird ebenso als dringlich erachtet und muss jetzt geplant werden, da ansonsten weitere Jahre vertan werden.“
„Eine Ersatztrasse fordert auch die Landesregierung in Mainz“, so Roger Lewentz, bei seinem Besuch in Neuwied. Die Mittel für Lärmschutz wurden zwar nachfolgend im Haushaltsauschuss des Bundestages erhöht, aber die Mittel reichen bei Weitem nicht aus, will man zum Beispiel ein leises Rheintal schaffen. Zu dem müsse festgestellt werden, dass zuweilen kontraproduktiv gearbeitet werde. So will die DB Netz AG die „Lärmmessstelle“ in Leutesdorf abbauen und in Hessen wieder aufbauen. „Dies macht doch keinen Sinn“, so Dr. Griese, Staatssekretär im Umweltministerium in Mainz. Auch Staatsminister Lewentz ist für eine Beibehaltung der Messstelle in Leutesdorf. Sie ist eine der modernsten in Deutschland und kann im Vorbeifahren der Güterzüge sehr viele Daten überprüfen und feststellen, ob die Güterwagen auf Flüsterbremsen umgerüstet sind, oder die Räder Flachstellen haben.
Die Bad Hönninger Initiatoren freuten sich bei der vierjährigen Jubiläums-Demo neben der Ansprache von Innenminister Roger Lewentz über die Teilnahme von zirka 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und über die Anwesenheit von Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitikern.
„Ihr hattet die Idee zur Dienstag-Demo“
Rolf Papen, der Vorsitzende der Weißenthurmer Bürgerinitiative, deren Mitglieder immer in großer Zahl an den Dienstag-Demos teilnehmen, dankte den Bad Hönninger Mitstreiterinnen und Mitstreitern, insbesondere Franz Breitenbach und Heinz-Günter Heck, indem er feststellte: „Ihr hattet die Idee zur Dienstag-Demo und Ihr habt in all den Jahren in Vorbereitung und Durchführung dieser für uns so wichtigen und prägenden Demonstration gegen den unerträglichen Bahnlärm, durch herausragendes persönliches Engagement und perfekte Organisation alle 48 Dienstag-Demos zu einem Erfolg geführt. Dafür gebührt Euch unser aller Dank und unsere Anerkennung!“
Wie in den Jahren zuvor, spendierte Franz Breitenbach gegen die Kälte, beim anschließenden Gedankenaustausch wärmenden Glühwein.
„Dienstag-Demos gegen Bahnlärm“ gehen weiter
„Die ‚Dienstag-Demos gegen Bahnlärm‘ vor dem Bahnhof in Neuwied werden selbstverständlich an jedem zweiten Dienstag eines Monats fortgesetzt und ich lade alle vom Bahnlärm betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr herzlich dazu ein, an unseren Demos teilzunehmen“, so Franz Breitenbach.
Bei der ersten Demo 2017, am 10. Januar 2017, um 19 Uhr, vor dem Bahnhof in Neuwied, wird Erwin Rüddel MdB zu Gast sein und aus seiner Sicht über die Fortschritte im Kampf gegen den Bahnlärm berichten.
Interessengemeinschaft
„Schutz gegen Bahnlärm und
Erschütterungen e.V.“
Bad Hönningen
Heinz-Günter Heck (v.l.), Minister Roger Lewentz und Franz Breitenbach.
