Gemeinde Swisttal informierte über Flüchtlingssituation
Dorfhäuser werden vorerst nicht als Flüchtlingsunterkünfte genutzt
Region. „Zumindest bis zum 4. April wird das Dorfhaus Odendorf nicht als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt“, versprach die Swisttaler Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) bei einem Informationsabend über die Flüchtlingssituation in Odendorf, Essig und Ludendorf. Für das ganze Jahr 2016 wollte sie allerdings keine Garantie abgeben, „aber wir bemühen uns, die Dorfhäuser erst ganz am Schluss zu belegen.“ Derzeit seien in der Gemeinde 350 Flüchtlinge aus 31 Nationen untergebracht, erläuterte Kalkbrenner vor gut 120 interessierten Zuhörern in ruhiger und sachlicher Atmosphäre.
Die große Masse sei erst seit September 2015 in rasanter Geschwindigkeit der Gemeinde zugeteilt worden. Zeitweise seien 20 Personen pro Woche angekommen, im ganzen Jahr 2014 habe es nur 44 Flüchtlinge in der Gemeinde gegeben. „Eine herausfordernde Situation“, wusste Kalkbrenner, doch man habe die Lage ganz gut im Griff. Auch dank der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die sich im „Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Swisttal“ und im „Netzwerk Flüchtlingshilfe LEO“ (die Anfangsbuchstaben von Ludendorf, Essig und Odendorf) engagierten.
Dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge als Ziel
Erfreulicherweise gebe es seit Mitte Januar keine neuen Zuweisungen mehr, weil zunächst die stark im Rückstand befindlichen Großstädte ihre Kontingente erfüllen müssten. Das werde wahrscheinlich bis Ende März so bleiben. Wie es danach weitergehe, wisse derzeit noch niemand. Die Gemeinde müsse sich aber auf eine weiterhin steigende Zahl einstellen.
Deshalb habe der Rat ein Unterbringungs- und Betreuungskonzept beschlossen, das die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge weiterhin zum Ziel habe. Erfreulicherweise werde nach wie vor viel privater Wohnraum angeboten, der ansonsten für den Wohnungsmarkt meist nicht zu Verfügung stünde, freute sich Kalkbrenner. So habe die Gemeinde bislang mehr als 40 Wohnungen in fast allen Dörfern der Gemeinde angemietet, weitere kämen auch in Zukunft noch dazu. Doch das reiche voraussichtlich nicht aus, um die erwartete Zahl weiterer Flüchtlinge unterzubringen.
Mobile Container als Übergangslösungen
Deshalb werde man in nächster Zeit auch mit mobilen Containerlösungen arbeiten, um die drohende Belegung der Dorfhäuser möglichst lange aufzuschieben. So wolle die Gemeinde schon in nächster Zeit auf dem Parkplatz des Rathauses in Ludendorf einen Wohncontainer für bis zu 24 Personen aufstellen, der bis Ende März bezugsfertig sein soll. Einen weiteren Container wolle man anschließend in Dünstekoven und noch einen dritten in Straßfeld aufstellen.
Diese mobilen Container stellten allerdings nur Übergangslösungen dar, bis die drei geplanten Übergangswohnheime fertiggestellt seien, die in diesem und im nächsten Jahr gebaut werden sollen. Angefangen werden soll in Odendorf gegenüber dem bereits bestehenden Übergangswohnheim in der Nähe des Bahnhofs, so Kalkbrenner weiter. Hier soll Platz für weitere 90 Personen entstehen, da es dort auch schon Baurecht für ein größeres Gebäude gebe. Als Nachnutzung könnten die Vierzimmerwohnungen später einmal als Studenten-WGs genutzt werden, erläuterte die Bürgermeisterin.
Mit dem Bau könne allerdings frühestens im Herbst begonnen werden, deshalb sei es auch unrealistisch, dass dort dieses Jahr schon Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Ein weiteres Übergangswohnheim soll anschließend in Buschhoven am Rande des Gewerbegebietes „Fienacker“ gebaut werden, für ein drittes Übergangswohnheim sei bereits Geld im Haushalt eingestellt, aber noch kein konkreter Standort festgelegt worden.
Wenn auch das nicht reiche, werde man die Dorfhäuser in einer bereits festgelegten Reihenfolge als Flüchtlingsunterkünfte nutzen. Zuerst sei das Dorfhaus in Straßfeld an der Reihe, wo etwa 50 Personen untergebracht werden könnten. Anschließend sei das etwa 80 Personen fassende Dorfhaus in Morenhoven an der Reihe, und erst zum Schluss das Dorfhaus in Odendorf.
Bislang keine Probleme
Probleme mit den Flüchtlingen gebe es bislang übrigens in der Gemeinde Swisttal nicht, bestätigte auch der Bezirksbeamte der Polizei, Polizeihauptkommissar Stefan Arth. Weder die Zahl der Ladendiebstähle noch die Straßenkriminalität hätten zugenommen; ihm sei jedenfalls kein einziger Fall bekannt. Weder bei der Polizei noch bei der Gemeindeverwaltung sei irgendetwas gemeldet worden. Allerdings berichteten einige Odendorfer, die in der Nähe des Flüchtlingswohnheims wohnen, von anzüglichen Äußerungen männlicher Asylbewerber gegenüber einer Spaziergängerin und von einer Rakete, die in der Silvesternacht in der Hausfassade eines Neubaus erheblichen Schaden angerichtet habe. Kalkbrenner versprach, dem nachzugehen.
Zahlreiche Helferkreise
Zum Schluss stellte Michael Gadow das „Netzwerk Flüchtlingshilfe LEO“ vor, dass sich derzeit um etwa 150 Flüchtlinge aus 25 Nationen in Ludendorf, Essig und Odendorf kümmert. Neben dem „Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Swisttal“ auf Gemeindeebene gebe es noch weitere Helferkreise in Morenhoven, Buschhoven und Heimerzheim.
Das Netzwerk betreibe unter anderem die „Interkulturelle Begegnungsstätte“ im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Odendorf zusammen mit der Katholischen Jugendagentur Bonn. Gadow lud alle Anwesenden ein, diese Begegnungsstätte einmal zu besuchen, denn sie biete eine gute Gelegenheit, um unverbindlich erste Eindrücke von der Flüchtlingshilfe zu gewinnen.
Ehrenamtliche Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe gesucht
Wer aktiv in der Flüchtlingshilfe mitarbeiten wolle, könne sich auf vielerlei Art und Weise im Netzwerk engagieren. Auch die Kleiderstube Odendorf in der Orbachstraße 15 sei vor Kurzem wieder geöffnet worden. Sie sei allerdings nicht nur für Flüchtlinge und Asylsuchende, sondern für alle hilfsbedürftigen Bürger der Gemeinde zuständig. Außerdem stellte Gadow auch den neu gegründeten „Förderverein Flüchtlingshilfe Swsittal“ vor, der die Arbeit der Flüchtlingshilfe in der Gemeinde, die örtlichen Helferkreise sowie die hier lebenden Flüchtlinge und ihre Familien unterstützen und fördern möchte.
